Die Verführten

Veröffentlichung  29. Juni 2017    Regie  Sofia Coppola    Darsteller  Nicole Kidman  Kirsten Dunst  Colin Farrell  Elle Fanning
Foto: Universal Pictures International Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures International Germany

Sieben Frauen und ein Hahn im Korb im Mädcheninternat

Irrungen und Wirrungen zu Zeiten des Amerikanischen Bürgerkrieges: Sofia Coppolas neuester Film ist ungewohnt aufwühlend. Aber beim Erzählstil bleibt sich die Regisseurin treu: pure Entschleunigung.

Die Südstaaten im 19. Jahrhundert: Der Krieg versetzt das Land bereits drei Jahre in Angst und Schrecken. Das Mädcheninternat in Virginia Französisch beherbergt zu dem Zeitpunkt nur noch fünf heranwachsende Frauen sowie die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) und die Leiterin Martha (Nicole Kidman). Doch so abgelegen die Sieben auch leben – dem Bürgerkrieg können auch sie nicht entfliehen. Als die zwölfjährige Amy (Oona Laurence) Pilze sammelt, entdeckt sie den schwer verwundeten Nordstaaten-Soldaten John McBurney (Colin Farrell). Auch wenn er der Feind ist, bringt sie ihn ins Internat. Und obwohl Martha ihn sofort wieder loswerden will, bleibt er schließlich doch noch eine ganze Weile bei den Frauen – um zu genesen. Die anfängliche Zurückhaltung, mit der alle den attraktiven Gast behandeln, weicht schnell kompletter Hingabe. Schon bald buhlt jede um seine Aufmerksamkeit.

Alte Geschichte im neuen Gewandt?

Sofia Coppola zeigte schon 2006 mit Marie Antoinette, dass ihr etwas an Historienfilmen liegt. Damals inszenierte sie das Leben der Königin von Frankreich wie ein Rockkonzert. Die Farben des Films waren schrill, Marie Antoinette trug Schuhe von Converse und die Musik war modern und laut. In Die Verführten gibt es all das nicht mehr. Coppola hat sich dieses Mal ganz bewusst reduziert. Musik gibt es kaum, die Farbpalette beinhaltet vor allem gedeckte Herbsttöne. Die US-Filmemacherin geht ihre Neuinterpretation des Romans The Beguiled von Thomas Cullinan extrem ruhig an. Damit fehlt es dem Ganzen jedoch erheblich an Schwung. Wir verlassen kaum das Mädcheninternat und die meisten Konflikte werden nicht ausformuliert, weshalb die ganze dramatische Entwicklung ein derartig schleichender Prozess ist, dass man einzuschlafen droht. Der für Coppola typische schwarze Humor folgt erst zum Ende. Schade, da die erste Hälfte diesen auch schon vertragen hätte.

Mehr Stimmung als alles andere

Im Jahr 1971 wurde die Buchvorlage schon einmal verfilmt. Damals mit Clint Eastwood als Supermann, der jede Frau für sich gewinnen möchte und dabei alle gegeneinander ausspielt. Sofia Coppola will 2017 nun dem weiblichen Geschlecht die Macht geben und stellt den Mann als vollkommen harmlosen Trottel dar, der nichts zu sagen hat. Jede Frau verfolgt hier ihren ganz eigenen Plan – und Nicole Kidman macht sich als diabolische Herrin besonders gut. Die Konflikte lässt Coppola immer mehr hochbrodeln. Wie angespannt die Situation ist, merkt man vor allem an den Bildern, nicht an den Dialogen. Und da wird es wieder überdeutlich: Sofia Coppola ist eine Meisterin der Stimmung. Bei ihr sieht einfach alles immer so gut aus, dass man sich in ihren Filmwelten am liebsten gänzlich verlieren möchte. Aber dramaturgisch ist Die Verführten leider kein Meisterwerk geworden. Die Hintergründe und Ziele ihrer Charaktere bleiben unbekannt. Und so sind zwar die Bemühungen von Coppola zu spüren, dass sie einen Frauenpowerfilm zeigen wollte, aber die Story ist zu fade, um diesem Anspruch wirklich gerecht zu werden.

Die Verführten ist ein anderthalbstündiges Drama, dass sich anfühlt wie ein Dreistünder. Über die schönen Bilder und dem Wunsch, die Internatsfrauen richtig gut aussehen zu lassen, hat Sofia Coppola vergessen alles in eine (auch auf den zweiten Blick) packende Handlung einzuflechten. Da schauen wir uns doch lieber noch mal ihren vielschichtigeren Film Marie Antoinette an!

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  29. Juni 2017    Worte  539
Permalink  http://www.farbensportlich.de/die-verfuehrten/    Farbe  #83553c
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