Der angesehene Theaterregisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen, Comedian Harmonists) sucht für die Inszenierung des Stücks „Camille“ nach einer studentischen Schauspielerriege und ausgerechnet Fine wird die Hauptrolle der männerverschlingenden, psychisch labilen Camille zugesprochen. Um diese Chance, endlich etwas von dem Rampenlicht zu erheischen, nicht zu verschwenden, versucht sie sich von Grund auf mit ihrer Rolle zu identifizieren. Der manipulative Friedmann unterstützt diese Selbstaufgabe, lässt sie bis an die Grenzen der Belastbarkeit gehen. So spielt Fine für ihren Nachbar Joachim (Ronald Zehrfeld, Im Angesicht des Verbrechens) die leidenschaftliche Verführerin, für die überforderte Mutter Susanne (Dagmar Manzel, Frei nach Plan) die kindisch Aufmüpfige und tut so als müsste sie sich selbst gegenüber ihrer behinderten Schwester Juliane (Christina Drechsler, Stromberg) beweisen – mit fatalen Folgen. Die Warnungen von ihrer Kollegin Irina (Anna Maria Mühe, Protagonistin in Novemberkind) haben längst kein Gewicht mehr für die völlig außer Kontrolle geratene 21-jährige.
Sie sehen nur eine Hülle, eine hübsche, glatte Hülle. Es gibt Risse in der Hülle. Kleine, feine Risse. Sie sind nur klein. Sie können nicht riechen, was sich dahinter verbirgt. Da riecht es nach Fäulnis und Tod. (Camille)
Christian Schwochow, der gemeinsam mit seiner Mutter Heide Schwochow auch das Drehbuch zu Die Unsichtbare schrieb, wollte auf die Ängste, Hoffnungen und dem überall stark vorherrschenden Erfolgsdruck der heutigen Gesellschaft aufmerksam machen. In den 113 Minuten wird die Grundidee auf eine düster beengende und emotionale Art und Weise umgesetzt, doch durch die zahlreichen Handlungsstränge muss das Drama in der Länge viel von seiner Konsequenz einbüßen und wirkt irritierend klischeebeladen. Doch die Dänin Stine Fischer Christensen (die nur für diese Rolle die deutsche Sprache erlernte) ist es, die jede Einstellung zu der ihren macht und den Film schlussendlich zusammenhält sowie dem Ganzen Gewicht verleiht.
Die Unsichtbare ist für mich ein Film über das Erwachsenwerden als Künstlerin. Und dieses Ringen und den Kampf einer jungen Frau, die sich fragt, wie sie als Schauspielerin bestehen soll, konnte ich gut nachvollziehen. Du möchtest etwas sein oder darstellen und so vieles verwirklichen – aber du weißt nicht wie. Bis du merkst, dass das, was dir eigentlich im Weg steht, du selber bist. (Stine Fischer Christensen)