Die bekannten pseudohistorischen Geschichten der Musketiere stammen aus der Feder von Alexandre Dumas, einem französischen Schriftsteller, der im 18. Jahrhundert lebte und als Förderer des jungen Jules Verne auftrat. Zu seinem Stil gehörte es historische Personen und Handlungsorte mit fiktiven Geschichten zusammen zu bringen. So begegnen wir in Die drei Musketiere den geschichtlich belegten Helden D’Artagnan, Aramis, Porthos und Athos sowie dem hinterhältigen Kardinal Richelieu, gespielt von Christoph Waltz. In der Neuerzählung dient der Originalstoff des 1844 erschienen Romans jedoch höchstens als Rahmen, an dem sich Regisseur Paul W. S. Anderson nur bedingt klammert. Er bietet uns stattdessen eine fantastischere Vergangenheit mit Luftschiffen und Zeitlupen. Denn im modernen 3D-Kino braucht es schon etwas abgehobenere Geschichten, um dem müden aber anspruchsvollen Kinopublikum noch ein Staunen in die Gesichter zu zaubern. Sichtlich leichtfüßig gelingt dem Film der Spagat zwischen oppulenter Inszenierung, rasantem Schlagabtausch und spektakulärer Action – leider auf Kosten der Geschichte, die aufgesetzt wirkt und im Gegensatz zum geschriebenen Original selten flach daher kommt.
Frankreich im 17. Jahrhundert: Der junge D’Artagnan (Logan Lerman) bricht nach Paris auf, um Musketier zu werden. Auf dem Weg dort hin legt sich der ungestüme Gascogner bereits mit Rochefort (Mads Mikkelsen), dem Haupt-Gardisten des Kardinals Richelieu (Christoph Waltz) an, der ihn von seinen Truppen verprügeln lässt. Unbelehrbar fordert D’Artagnan, in Paris angekommen, jedem zum Schlagabtausch auf, der ihm im Weg steht. Dies führt dazu, dass er nacheinander die ehemaligen Musketiere Aramis (Luke Evans), Porthos (Ray Stevenson) und Athos (Matthew Macfayden) zum Duell auffordert. Der leichtgläubige französische König Louis XIII. (Freddie Fox) hat sie nach einer hinterlistigen Täuschung von Milady de Winter (Milla Jovovich), die die Baupläne für neuartige fliegende Kriegsschiffe gestohlen hat, und mit dem Zureden Kardinal Richelieus von ihrer Pflicht entbunden für das französische Vaterland einzustehen. Statt der Musketiere sorgen derzeit die Truppen des Kardinals, angeführt vom fiesen Rochefort, für Zucht und Ordnung auf den Straßen von Paris. Als die Gardisten die Duellierpläne D’Artagnans zu Nichte machen, schlägt sie dieser mit geschickter Klinge in die Flucht. Grund genug für das Trio den jungen Abenteurer in ihren Kreis aufzunehmen und sich einer echten Herausforderung anzunehmen: der machthungrige Kardinal versucht eine Intrige einzufädeln die Frankreich in den Krieg mit dem britischen Königreich führen würde. Wenn das französische Volk dann nach einem starken Anführer verlangt, wird er als bisher 2. Mann im Staat da sein, um den 17-jährigen König abzulösen. Sein Plan: er will der französischen Königin Anne (Juno Temple) eine Affäre mit dem Herzog von Buckingham (Orlando Bloom) anhängen. Um die Ehre ihrer Königin zu retten, versuchen die vier Freunde die Fehde abzuwenden und einen Krieg zu verhindern. Der Auftrag stürzt die Musketiere und D’Artagnan in ein Abenteuer zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Der in Deutschland gedrehte Film sollte den Klassiker von Alexandre Dumas fit für das neue Jahrtausend machen. Mit alten Werten und neuer Technik hat man sich einiges vorgenommen, grenzt doch der gesamte Dreh an eine der aufwendigsten Produktionen, die es in Europa je gab. So wurde mit den Millionen der deutschen Filmförderung unter anderem eigens ein venezianischer Kanal in den Babelsberger Filmstudios erschaffen, es galt tausende Komparsen zu versorgen und eine kleine Nebenrolle für Til Schweiger musste selbstredend auch noch gefunden werden. Doch bis auf die tadellose Optik von Bayerns Schlösservielfalt bleibt es leider bei einem missglückten Versuch Fluch der Karibik im Motto Schneller – Höher – Weiter nachzuahmen. Da mit dem Drehbuch kein großer Wurf gelungen ist, wenig Wert auf Tragik oder Emotionen gelegt wird und die Darsteller keinen sonderlichen Esprit versprühen, kann man nur dazu raten in der Videothek zu dem (auch in 3D erhältlichen) Abenteuer Die drei Musketiere zu greifen, wenn man zwar unterhalten werden möchte, aber nicht zwangsläufig auch mitgenommen oder gefordert.