Dickste Freunde

Veröffentlichung  26. Mai 2011    Regie  Ron Howard    Darsteller  Vince Vaughn  Kevin James  Winona Ryder  Jennifer ConnellyX
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
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Wer betrügt hier wen?

Ronny (Vince Vaughn) und Nick (Kevin James) sind beste Freunde – und das sogar schon seit dem College. Während es Ronny als leidenschaftlicher Junggeselle nicht eilig hat mit seiner Freundin Beth (Jennifer Connelly) eine feste Bindung einzugehen, ist Nick bereits seit einer halben Ewigkeit glücklich mit Geneva (Winona Ryder) verheiratet. Ronny und Nick führen zusammen ein junges Unternehmen, dem der große Durchbruch noch bevor steht. Als sie kurz davor stehen ihr Traumprojekt bei einem ortsansässigen Autohersteller an Land zu ziehen, könnte es für beide nicht besser laufen.
Das geht so lange gut bis Ronny Nicks Frau Geneva auf frischer Tat dabei ertappt wie sie mit einem Wildfremden knutscht (Channing Tatum). Der Albtraum eines jeden besten Freunden! Wie soll Ronny damit umgehen? Eine Ehe zerstören? Sich einmischen? Wie wird es Nick verkraften? Bevor Ronny mit der Wahrheit rausrückt, beschließt er der Sache erst einmal auf den Grund zu gehen und schlagfertige Beweise zu sammeln. Während nicht nur ihr Projekt unter der Belastung leidet, müssen sich alle Beziehungspaare (Ronny – Nick, Ronny – Beth, Nick – Geneva) fragen wie sie zueinander stehen. Eine große moralische Belastungsprobe… Schließlich muss sich Ronny dazu durchringen die Wahrheit über den Ehebruch zu sagen. Dieses soll jedoch nicht das einzige Geheimnis bleiben, das am Ende gelüftet wird.

Der Originaltitel The Dilemma macht deutlich, das hier versucht wurde ein unterhaltsames Spannungsfeld zwischen Komödie und Drama auf zu machen. Multitalent Ron Howard (bekannt als Regisseur der Dan Brown -Verfilmungen The Da Vinci Code – Sakrileg und Illuminati, sowie A beautiful Mind und Der Grinch) gelingt es diesen Spagat auf einem durchweg hohen Niveau zu inszenieren. Die Situationskomik geht dabei nur selten am guten Geschmack vorbei, ist neben den emotionalen Momenten nicht übertrieben oft eingesetzt und trifft trotzdem voll ins Schwarze! Howard setzt dabei ganz auf seine beiden subtilen Hauptdarsteller, die die perfekt-unperfekten Ebenbilder einer männlichen Bilderbuchfreundschaft mimen und dabei einfach nur das machen, was sie am besten können. Kevin James ist der gutgläubige Dicke, dem man einfach nicht wehtun möchte und Vince Vaughn, dem deutlich mehr Raum zur Entfaltung gegeben wird, der große Beschützer, der mit seinen gut gemeinten Taten nicht immer alles zum Besseren wenden kann. Das regt zum Nachdenken an und verleiht der in seinen Grundzügen romantischen Komödie eine unerwartete Tiefe. Das Glanzstück des Reigens gelingt aber zweifelsohne dem Schönling des Films, Channing Tatum, der sich selbstironisch als sexy Ehebrecher profilieren kann und selten mehr Spaß gemacht hat. Ganz im Gegenteil zu Winona Ryder, für die in Dickste Freunde nur noch die Rolle der gefühlskalten Spielverderberin übrig bleibt. Dieses Korsett steht ihr im Gegensatz zu ihren Rollen in Black Swan und Pippa Lee dieses mal leider überhaupt nicht! Doch das trübt das Gesamtbild nur in geringem Maße. Die spannenden Fragen wieviel Ehrlichkeit eine Freundschaft verträgt, bis zu welchem Punkt man sich in das Leben anderer einmischen sollte oder ob derartige Geheimnisse nicht besser unausgesprochen bleiben, setzen sich einem als Zuschauer in den Kopf und bleiben noch lange hängen.