Dessau Dancers

Veröffentlichung  30. Oktober 2015    Regie  Jan Martin Scharf    Darsteller  Gordon Kämmerer  Sonja Gerhardt  Wolfgang Stumph
Foto: Senator Entertainment
 IMDb-Wertung
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Breakdance in der DDR

Eine HipHop-Crew gerät ins Visier der Staatsmacht und will sich einfach nicht unterkriegen lassen. Ein Film über Rebellion im Osten Deutschland, kurz vor dem Mauerfall.

Als der amerikanische Breakdance-Streifen „Beat Street“ Mitte der Achtziger auch in der DDR über die Kinoleinwände flimmert, steht die Jugend Kopf. Plötzlich will jeder die eigenwilligen Tanz-Bewegungen der Schauspieler nachahmen. Trainiert wird – genau wie in dem US-Film – mitten auf der Straße. Frank (Gordon Kämmerer), Alex (Oliver Konietzny) und die schöne Matti (Sonja Gerhardt) nennen sich schon bald stolz die „Break Beaters“. Doch der sogenannte „Brechtanz“ ist der Staatsmacht ein echter Dorn im Auge. Und sie wollen ganz dringlich etwas gegen diese Individualisierung der Teenager tun. Ihre Mission heißt von nun an: Der Tanz muss sozialistisch gemacht werden! Also werden die Teenager vor die Wahl gestellt: Sie können noch häufiger Ärger bekommen oder sich mit den Gesetzeshütern gut stellen und als akrobatische Schautänzer – ganz im Sinne der DDR – auftreten.

Der Tanz als Mittel gegen den grauen Alltag

Dessau Dancers liefert wildeste Breakdance-Verrenkungen und treibende, laute Beats. In jedem Moment wird das Gefühl des Aufbruchs vermittelt. Und das in einer Zeit, in der die Menschen vor allem auf Gleichförmigkeit getrimmt werden sollten. Die Schauspiel-Neulinge Gordon Kämmerer und Sonja Gerhardt verkörpern dabei glaubwürdig die Wandlung von trägen und unschlüssigen Jugendlichen hin zu wahren Rockstars. Der deutsche Filmemacher Jan Martin Scharf (bekannt für Wahrheit oder Pflicht) ist somit nicht darauf aus dem Publikum einen drögen DDR-Film zu präsentieren. Im liegt vor allem etwas an dem einfühlsamen Erzählen einer Coming-of-Age-Story. Denn erst mithilfe des Breakdance kann Protagonist Frank schließlich langsam seinen Platz im Leben sowie auch zu sich selbst finden.

Witze auf Kosten der DDR

Trotz der klaren Fokussierung auf Frank, seine Probleme und Beweggründe, kommt man nicht umhin in Dessau Dancers aufgrund der zeitlichen Einordnung jede Menge DDR-Gags und –Klischees unterzubringen. Aber diese erweisen sich als wenig handlungsfördernd und überaus irritierend. Außerdem verhält es sich doch folgendermaßen mit derartigen Witzen: Kennt man einen, kennt man alle. Nimmt man dem Regisseur Jan Martin Scharf diese kleinen Ausrutscher jedoch nicht allzu übel, bleibt weiterhin ein charmantes Feel-Good-Movie mit einer sehr sympathischen Darsteller-Riege und einem gelungenen Setting übrig.

Tanzfilm-Stereotype werden mit Ostalgie-Elementen zusammengebracht. Eine Kombination die kurzweilige Unterhaltung ermöglicht und obendrauf einen hohen Motivationsfaktor mit sich bringt, selbst einmal vor die Haustür zu gehen und dem Bewegungsdrang einmal etwas ausgiebiger nachzugeben.