Strafverteidiger Mick Haller (Matthew McConaughey) erfreut sich bei seinen Kollegen am Gericht kaum größter Beliebtheit. Er ist überall bekannt, aber das nur, weil er sich darauf versteht die bestmöglichen Deals für seine kleinkriminellen Mandanten zu verhandeln. So hagelt es übelste Beschimpfungen von dem Kollegium, aber höchste Anerkennungen von denen, die sonst nichts zu erwarten haben. Denn Haller hat seine eigenen Moralvorstellungen und schert sich einen Dreck um das, was andere von ihm denken. Sein Chauffeur Earl (Laurence Mason) fährt ihm in seinem Alltag von Gericht zum nächsten – die Fälle werden direkt im Auto behandelt. Da fällt schon auf, dass der Originaltitel The Lincoln Lawyer (wie sein Auto) da einfach passender und logischer ist. Doch im Deutschen wird der Schwerpunkt eben anders gesetzt. Denn den smarten Haller wirft der reiche Jüngling Louis Roulet (Ryan Philippe) aus der Bahn. Er soll eine Frau schwer misshandelt und sogar fast umgebracht haben. Natürlich plädiert der auf der Sonnenseite des Lebens stehende Roulet stetig auf unschuldig. Erst durch diesen Fall geraten nicht nur die gesamte Existenz des Anwalts, sondern auch seine Moralvorstellungen ins Wanken.
Die fesselnde Kriminalgeschichte von Brad Furman ist alle Male gut gemacht, nur stellt sich das Ganze mit 118 Minuten ein wenig zu lang dar. Ein ums andere Mal vermutet man das vermeintliche Ende, um dann ein weiteres Mal festzustellen, dass man an der Nase herumgeführt wurde. In jedem Fall geben aber McConaughey (spielte bereits 1996 in Die Jury einen knallharten Anwalt) und Philippe (zeitgleich in The Bang Bang Club zu sehen) ein fantastisches Paar ab, spielen sich die Bälle wortwitzig zu und lassen so über die ein oder andere logische Lücke hinwegsehen.