Der Dieb der Worte

Veröffentlichung  18. Oktober 2013    Regie  Brian Klugman  Lee Sternthal    Darsteller  Bradley Cooper  Jeremy Irons  Dennis Quaid  Zoe Saldana
Foto: CBS Films
 IMDb-Wertung
Foto: CBS Films

Die Worte eines Fremden

Der junge Autor Rory Jansen (Bradley Cooper, Hangover) ist auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens angelangt. Als sein Erstroman veröffentlicht wird, erobert dieser sogleich die Literaturszene wie auch die Phantasie der Leser. Die formale Frische und die inhaltliche Tiefe des Werkes treffen den Nerv der Zeit. Mit einem klaren Blick für das Leben um ihn herum erklimmt Rory alle Bestsellerlisten. Beflügelt vom finanziellen Erfolg nimmt auch die Beziehung mit seiner Frau Dora (Zoe Saldana, Colombiana) wieder Fahrt auf. Aber auch wenn er das Interesse an seiner Person genießt, bleibt doch immer ein schaler Nachgeschmack, dass ihm dieser Ruhm eigentlich nicht vergönnt sein sollte.

Sind es wirklich seine eigenen Worte?
Und wessen Geschichte wird mit ihnen erzählt?

Ein namenloser, alter Mann (Jeremy Irons, Der große Crash – Margin Call) beschuldigt Rory des Betruges und erzählt als Beweis von seinen Jugendjahren in Paris (in jung gespielt von Ben Barnes, Das Bildnis des Dorian Gray), wo der Roman zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges spielt. Seine Erinnerungen hängen mit der Entstehung des Werkes zusammen und Rory muss erkennen, dass dieser Mann einen hohen Preis für all das bezahlt hat, was die Leser an dem Buch so schätzen. Sein Gewissen zwingt ihn dazu Rechenschaft abzulegen und einzugestehen, dass es nicht seine Geschichte war, die er zu Papier gebracht hat. Die Suche nach der eigenen Kreativität trieb ihn dazu ein fremdes Manuskript als das Seinige auszugeben. Als er die Worte in seinen Computer tippte, änderte er kein Wort und kein Komma. Das fertige Werk fühlte sich trotzdem wie etwas Eigenes an.

Zwei Bücher, drei Autoren

Tatsächlich sind aber auch Rory, Dora und der alte Mann nur fiktive Figuren in einer Geschichte. Der berühmte Schriftsteller Clay Hammond (Dennis Quaid, The Day After Tomorrow) hat sie erschaffen und zu einem Teil seines beeindruckenden Gesamtwerkes gemacht. Als er bei einer Lesung auf die forsche Studentin Daniella (Olivia Wilde, Dr. House) trifft, fordert diese ihn sogleich dazu auf über die Bedeutung seines Buches Auskunft zu geben. Nun kommt auch seine eigene mysteriöse Vergangenheit allmählich ans Tageslicht.

Das Konzept von The Words (so der Originaltitel) wurde von den Regisseuren und Drehbuchautoren Brian Klugman und Lee Sternthal bereits im Jahr 2000 bei einem Workshop im Screenwriters Lab des Sundance Institutes erarbeitet. Ihre Idee ist kreativ, originell und spannend – einschließlich einiger Längen im Film, der sehr dialoglastig daher kommt. Das bemerkenswerte Hauptdarstellergespann um Bradley Cooper und Jeremy Irons verlangt dabei die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Negativ fallen insbesondere die überzogenen Darstellungen von Quaid und Wilde auf. Ihr Flirt hat den Charme einer Bierzeltbekanntschaft und fügt sich so gar nicht in das Gesamtbild des Films ein. Cooper, der seinen Master in der Actors Studio Drama Abteilung machte, nutzt die Gelegenheit weitaus geschickter seine Qualitäten als Charakterdarsteller nach der Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller für Silver Linings zu untermauern. Seine Auftritte wirken authentisch und sind stets emotional angehaucht. In dem 102-minütigen Drama geht es um die großen Fragen nach Sinn, Moral und Werte im Leben, sowie um die Konfrontation mit der eigenen Unzulänglichkeit. Getragen wird die mystische Handlung maßgeblich von den drei Erzählebenen mit ihren wechselnden Perspektiven, die sich unauflöslich ineinander verzahnen und damit den Film bei aller Romantik vom Durchschnitt abheben. Sie erhalten die Aufregung wie eine gelungene Serie, welche beim großen Finale die einen Zuschauer zufrieden und die anderen unzufrieden im Sessel zurücklassen wird.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  05. Oktober 2013    Worte  548
Permalink  http://www.farbensportlich.de/der-dieb-der-worte/    Farbe  #f26d75
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