Der Chor – Stimmen des Herzens

Veröffentlichung  08. Januar 2016    Regie  François Girard    Darsteller  Dustin Hoffman  Garrett Wareing  Josh Lucas
Foto: Universum Film
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Singen als Katharsis

Nachdem Dustin Hoffman 2013 mit Quartett selbst einen Film über das gemeinsame Musizieren im Altersheim realisierte, kann er als einer der Hauptdarsteller in Der Chor – Stimmen des Herzens das Thema nun noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive betrachten.

Stet (Garrett Wareing) macht es seinen Mitmenschen nicht gerade leicht. In der Schule scheut der 12-Jährige keine Auseinandersetzung und wenn Erwachsene etwas von ihm wollen, nimmt er lieber schnell Reißaus. Doch alles ändert sich für den kleinen Rebellen als seine Mutter bei einem Unfall ums Leben kommt und plötzlich seinem Vater (Josh Lucas), der sich vorher nie um ihn kümmerte, das Sorgerecht zugesprochen wird. Schließlich wird der Junge aufs Internat geschickt. Aber nicht auf irgendeines: Dank des unermüdlichen Einsatzes von Stets Schulleiterin (Debrah Winger) kommt er auf die renommierte „National Boychoir“-Schule. Dort muss Stet lernen seinen Kummer nicht mithilfe von Gewalt und Aggressivität herauszulassen, sondern ihn für sich und seine Musik produktiv zu nutzen. Bei diesem doch sehr schwierigen Unterfangen steht ihm insbesondere der berühmte Chorleiter der Schule, Carvelle (Dustin Hoffman), rund um die Uhr zur Seite. Und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft.

Wer erteilt hier eigentlich wem eine Lektion?

Es macht erst dann wirklich Spaß sich in einem Film so richtig fallen zu lassen, wenn man auch etwas daraus mitnehmen kann. In Der Chor – Stimmen des Herzens wird die Beziehung zwischen einem aufstrebenden Musik-Talent und einem alternden Chorleiter gezeigt, um über sie die universelle Geschichte des Ergreifens von Möglichkeiten zu erzählen. Egal in welchem Stadium im Leben man sich befindet: Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt. Und die Film-Dialoge zwischen Dustin Hoffman und dem auch im wahren Leben 12-jährigen Garrett Wareing beweisen, dass man immer noch etwas dazulernen kann. Hoffman hat diese These auch schon untermauern können. Jahrzehntelang fragte er sich, ob er das Zeug dazu hätte, selbst einmal Regie zu führen. Mit 75 Jahren traute sich der zweifache Oscar-Gewinner dann endlich und brachte seine Vision von einem höchst musikalischen Altersheim auf die große Leinwand. Sein Quartett und der nun von François Girard inszenierte Der Chor – Stimmen des Herzens sind sich in ihren Grundaussagen gar nicht einmal unähnlich. In beiden Werken geht es darum sich in der Musik verlieren zu können – und gleichzeitig einzusehen, wenn man etwas so sehr liebt wie das Singen, dann sollte man dies nicht so einfach aufgeben.

In der Hauptrolle: Die Chormusik

Genauso wie beim besagten Quartett wird der Zuschauer in den 103 Minuten Laufzeit mit äußerst wohlklingenden Gesang, perfekten Arrangements und exquisiten Partituren umschmeichelt. Die technische Ausführung fällt so versiert aus, dass einem beim Schauen sofort das Gefühl beschleicht, man befände sich tatsächlich inmitten eines großen Chor-Konzerts. Für die Aufbereitung des Drehbuchs von Ben Ripley (Source Code) konnte man wohl kaum einen besseren Regisseur als den Kanadier François Girard finden. Dieser machte bereits in der Vergangenheit deutlich, dass er ein Händchen für Filme hat, in der die Musik im Vordergrund stehen soll. Schließlich war schon sein Großvater Musiker und er selbst studierte Musik und machte sich dann zunächst mit der Arbeit an Musikvideos einen Namen. Girard führte außerdem auch bei 32 Variationen über Glenn Gould und dem mit einem Oscar gekrönten Drama Die rote Violine Regie.

Dank der musikalisch formvollendeten Ausarbeitung kann Der Chor – Stimmen des Herzens ordentlich Eindruck machen. Und der gut nachempfundene Kampf zwischen Schüler und Mentor tut sein Übriges, so dass sich das Drama nicht nur für Fans klassischer Musik sehr gut eignet.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  29. Dezember 2015    Worte  573
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