Auf dem Feld der romantischen Komödien wird leider wenig Gutes produziert. Die meisten Liebesfilme tropfen vor Kitsch wie ein pupertärer Jugendlicher und scheinen wie auf Abpauspapier vom Banknachbarn abgeschrieben. So lange das bekannte Schema F funkioniert, stehen intelligente Romanzen wie 2 Tage in Paris, Der Name der Leute und Ich und du und alle, die wir kennen leider allein auf weiter Flur. Nun reiht sich mit Der Auftragslover (im Original wie immer passender als “Heartbreaker” bezeichnet) endlich mal wieder eine anspruchsvolle Schnulze in diese Liste ein, die es schafft eine Brücke zwischen Kitsch und ansprechender, geistreicher und niveauvoller Kinounterhaltung zu schlagen.
Alex (Romain Duris) verdient sein Geld damit Frauen die Augen zu öffnen. Als professioneller Herzensbrecher, engagiert von Eltern, Geschwistern oder Freunden, ist es seine Aufgabe den Mann an der Seite der Frauen als größten Fehler ihres Lebens zu enttarnen. Seine Waffen sind romantische Orte, zufällig scheinende Begebenheiten und Tränen auf Knopfdruck. Doch schon nach dem ersten Kuss überlässt er sein vermeintliches Opfer sich selbst, ganz im Sinne eines Betruges im Namen der Liebe zum eigenen Vorteil. Die Frau trennt sich vom Partner und kann endlich glücklich werden. Das System hat Methode und ist bis auf das kleinste Details perfektioniert. Hilfe bekommt er von seinem Team: Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und deren Mann Marc (François Damiens) sind wie Schatten immer an Alex’ Seite und kümmern sich um Buchhaltung und technisches Equipment. Dann taucht Juliette (Vanessa Paradis) auf. Sie ist der nächste Auftrag und stellt sich als harte Nuss dar, die in der Kürze der verbleibenden Zeit ziemlich schwer zu knacken sein dürfte. Denn ihr Vater möchte die bevorstehende Traumhochzeit mit dem genauso attraktiven wie vermögenden Verlobten Jonathan (Andrew Lincoln) verhindern: „Ich weiß nicht, was du mit der Hochzeit mit Jonathan beweisen willst. Ich habe nichts gegen ihn. Er ist großartig, brilliant und bestimmt sehr nett. Aber du wirst dich mit ihm zu Tode langweilen.“ Eine Woche vor dem Liebesversprechen engagiert er, als letzten Versuch seiner Tochter zu zeigen das ihm an ihr gelegen ist, den Auftragslover, der aus purer Geldnot auf diesen Auftrag angewiesen ist. Die sonst so gezielte Vorgehensweise wird zugunsten eines schnellen Erfolgs über Bord geworfen und Alex zieht alle Register um bei der unabhängigen Vanessa zu punkten: Verfolgungsjagden an der französischen Côte d’Azur, Abhöraktionen, schlagkräftige Auseinandersetzungen, romantische Tanzeinlagen. Und Monte Carlo zeigt sich von seiner schönsten Seite. Ende gut, alles gut?
Glücklicherweise gelingt es neuen Liebesfilmen alle Jubeljahre ihre Daseinsberechtigung auf dem hartumkämpften Markt der sogenannten Feel-Good-Movies durch eine originelle, temporeiche und witzige Geschichte zu untermauern. Und damit den sonst so luftleeren Raum im Genre mit verliebten Blicken zu füllen. Der Auftragslover ist so ein Film. Abwechslungsreich bietet uns der französische Überraschungserfolg eine fintenreiche Story, die Duris und Paradis trotz des obligatorischen Gegensätze-ziehen-sich-an-Pärchens perfekt ausfüllen. In letztere kann man sich auch als männlicher Zuschauer dank großer Zahnlücke und feenhafter Zierlichkeit sogar ein wenig vergucken. Dem Charme von Duris erliegt trotz seines rauen Äußeren wahrscheinlich nicht nur im Film jede Frau. Als Paar, das der vielen Trennungen zum Trotz die Jahre überdauert, überzeugt auch die zweite Reihe mit Ferrier und Damiens im kleinen Herzensbrecher-Familienunternehmen. Selten sind die Nebendarsteller so liebevoll und gut gezeichnet. Einfach lustig! Der vorliegende Film verspricht das Heimkino nicht zu revolutionieren, ergänzt es aber doch um eine amüsante Sommerkomödie. Wir sprechen eine Empfehlung für ein Date mit Häagen-Dasz-Eis aus.
Inspiration fand die Geschichte rund um den Herzensbrecher Alex übrigens im wahren Leben: Co-Autor und Co-Regisseur Laurent Zeitoun beobachtete einen ganz ähnlichen Fall in seiner Familie. Die Beziehung seiner Cousine entwickelte sich in eine Richtung, die niemand weiter mit ansehen wollte. So engagierte man kurzerhand einen Schauspieler, um das unglückliche Paar auseinander zu bringen.