Der Adler der Neunten Legion

 
Kino 03. März 2011
 
Der Adler der Neunten Legion
 

Es wird wieder geritten!

Episch angelegte und (irgendwie) historisch belegte Filme sind eine eigenartige Spezies Film. Sie locken uns schon seit vielen Jahren in die Lichtspielhäuser und prägen ein auffallend seltsames Bild der damaligen Zeit. Früh waren es Filme wie Braveheart, später Gladiator, Alexander, Troja und 300, die uns ein unmissverständliches Bild von Helden und großen Schlachten vermittelten. Nicht selten bewiesen diese Filme Langläuferqualitäten, wurden zu Kassenschlagern, gewannen viele Filmpreise und zeigten nicht zuletzt einen nur allzu männlichen Helden mit menschlichen Schwächen, der trotz aller äußeren Umstände über sich hinaus wächst. Abgerundet wurde ein jedes Spektakel mit zum Teil kolossalen Kampfszenen. Wenn man sich nun wie im Falle von Der Adler der neunten Legion fragt, ob diese Zutaten immer noch funktionieren, kann man das wohl mit Ja beantworten. Geschichte scheint ihren Reiz eben so schnell nicht zu verlieren.

Echte Männer sollt ihr sein, das Vaterland ehren und keine Auseinandersetzung scheuen. Im 2. Jahrhundert nach Christus beginnt der junge römische Kommandant Marcus Aquila (Channing Tatum) stolz den Dienst in einer Festung im Herzen Englands. Zu dieser Zeit erstreckt sich das Römische Reich weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Sein Wunsch den Dienst so weit weg von zu Hause anzutreten, entspringt dem Schicksal seines Vaters. Er führte 20 Jahre zuvor eine Legion von 5000 Römern an, um den Norden der Insel (das heutige Schottland) weiter zu erforschen und die römische Landesgrenzen durch Eroberung zu erweitern. Aber die Neunte Legion verschwand in den Bergen Kaledoniens und mit ihr der sagenumwobene Adler, das goldene Feldzeichen der Legion. Er symbolisiert die Ehre und den Stolz des römischen Vaterlandes. Der römische Kaiser ließ einen Wall als terretoriale Abgrenzung errichten, um die Schmach des Verlustes auszusperren. Doch der Ruf seines Vaters Flavius als denjenigen, der die 5000 in den Tod führte und den Adler verlor, eilt Marcus Aquila voraus und er ist zunächst bemüht diesem nicht gerecht zu werden. Er erweist sich als tapferer Anführer, doch erleidet schwere Verletzungen. Rom entlässt ihn ehrenvoll aus der Armee und Aquila kommt bei seinem Onkel (Donald Sutherland) unter. Dort erholt er sich von seinen Wunden und rettet dem Sklaven Esca (Jamie Bell) bei einem ungerechten Gladiatorenkampf das Leben. Sein Onkel schließlich kauft den jungen Briten als Sklaven, der sich dankbar über die Rettung aber innerlich tief zerrissen in den Dienst von Marcus Aquila stellt. Als diesem das Gerücht zu Ohren kommt, dass der verlorene Adler hoch im Norden gesehen worden sein soll, macht sich das ungleiche Paar auf die Suche um die Familienehre wiederherzustellen. Hier, könnte man meinen, beginnt der Film. Doch tatsächlich ist schon viel Zeit vergangen und die eigentliche Suche ließ wirklich lange auf sich warten. Im weiteren Verlauf entwickelt sich so etwas wie Vertrauen zwischen Esca und Marcus, das sich einer harten Probe unterziehen muss. Beide stoßen an ihre physischen Grenzen und überwinden dadurch die Grenzen der ihnen bekannten Welt.

Obwohl Der Adler der neunten Legion einige höchst imposante und genauso schnelle wie aufreibende Szenen beinhaltet, sind es die vielen malerischen Einstellungen der schottischen Hochebene, die den Film prägen. Trotz dessen die Handlung denkbar einfach gestrickt ist (Soldat und Sklave machen sich auf die Suche nach verlorenem Relikt), nimmt sich Der Adler der neunten Legion zu jedem Zeitpunkt ernst. Humor und Witz sucht man vergebens. Wie es die Geschichte verlangt, wird versucht die Figuren mit all ihrem Mut, aber auch ihren Ängsten einzufangen. Das verleiht dem Film die notwendige Ernsthaftigkeit. Die Absicht echter zu sein als vergleichbare Filme gelingt ob der zu lobenden Absicht leider nicht, da nur wenig Platz für echte Gefühle gelassen wird. Gerade Hauptdarsteller Channing Tatum verfehlt eine ergreifende Charakterdarstellung und wird wohl nicht in die Fußstapfen seiner Vorgänger treten (Russell Crowe, Colin Farrell etc.). Trotz guter Unterhaltung hält Der Adler der neunten Legion den Vergleich mit seinen Vorgängern aber kaum stand. Zum Glück reicht dem Film die historisch aufgeladene Szenerie, um eine spannende Geschichte zu erzählen. An den bekannten und oben beschriebenen Zutaten ist jedoch nichts auszusetzen und so erhält das neue Jahrzehnt seinen ersten Historienepos.

 
643 Wörter von David, 442 Tage alt