Das Wochenende

Veröffentlichung  11. April 2013    Regie  Nina Grosse    Darsteller  Katja Riemann  Sebastian Koch  Tobias Moretti  Barbara Auer
Foto: Universum Film GmbH
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Was wollten und was wurden wir?

Mit Das Wochenende bereitet die Regisseurin und Drehbuchautorin Nina Grosse (Olgas Sommer) das deutsche RAF-Trauma für die große Leinwand und mit großem Staraufgebot neu auf. Da kann man nur die Daumen drücken und hoffen, dass sich das 98-minütige Drama weniger analytisch trocken als die 2008er Romanvorlage von Der Vorleser-Autor Bernhard Schlink darstellt.

Als das ehemalige RAF-Mitglied Jens Kessler (Sebastian Koch, Das Leben der Anderen) nach 18 Jahren Haft wieder in die Freiheit entlassen wird, wartet lediglich seine nervöse Schwester Tina (Barbara Auer, Effi Briest) auf ihn. Um der Stille und Ungewohntheit aus dem Weg zu gehen, soll sogleich die Rückkehr von Jens gefeiert werden. Mit einem flauen Gefühl im Magen treffen die engen Freunde früherer Zeiten in Tinas Landhaus ein. Neben Henner (Sylvester Groth, Inglourious Basterds) folgt auch Inga (Katja Riemann, Die Relativitätstheorie der Liebe) samt Mann (Tobias Moretti, Jud Süss – Film ohne Gewissen) und Kind (Elisa Schlott, Giulias Verschwinden) der überraschenden Einladung. Als dann letztlich noch ihr Sohn (Robert Gwisdek, 3 Zimmer / Kücher / Bad), dessen leiblicher Vater Jens ist, dazu stößt, eskaliert die Situation zusehends. Beschuldigungen, Überzeugungen, alte und neue Wünsche werden aufeinander losgelassen bis sich langsam aber sicher schmerzliche Wahrheiten ihren Weg ins Licht bahnen.

Bei der Interpretation des Werkes von Schlink nahm man eine besonders einschneidende Änderung vor. Während sich die Figur der Inga im Roman im Angesicht ihrer gefühlten Aussichtslosigkeit das Leben nimmt, ist sie in Nina Grosses Film auch nach der Entlassung von Jens noch quicklebendig und bei weitem der stärkste Charakter des Ensembles. Ihr akzentuiertes Spiel sowie ihr einehmend dargebotener Minimalismus lässt gleichzeitig mitgehen und frösteln.

Ich würde denken, dass sie das Verbindungsstück der anwesenden Personen ist; die die Zeiten, von denen gesprochen wird, in sich vereint, die sich in ihr reiben und sie sich wiederum davon zerreiben lässt. Sie ist zentral, passiv. Sie betrachtet, statt zu handeln. Das ist ihr Thema, ihr Traum. (Katja Riemann über ihre Rolle)

So setzt das Kammerspiel verstärkt auf die Dynamik der Figuren, im Besonderen auf die reizvoll angelegte Beziehung von Jens und Inga, und lässt die Politik schließlich entgegen der Vorlage die zweite Geige spielen. Damit sticht Das Wochenende zwar im Gegensatz zu einem Linksterrorismus-Film wie Der Baader Meinhof Komplex heraus, nutzt aber nicht die darin steckenden Möglichkeiten aus und bleibt so trotz solider Leistungen eines jeden Schauspieles so unterkühlt und spröde wie eine Katja Riemann im Interview mit „Das!“ (14. März 2013, NDR).