Das Tagebuch der Anne Frank

Veröffentlichung  03. März 2016    Regie  Hans Steinbichler    Darsteller  Lea van Acken  Ulrich Noethen  Martina Gedeck  Leonard Carow
Foto: Universal Pictures Germany Foto: Universal Pictures Germany

Die Höhen und Tiefen eines eigentlich ganz
normalen Teenagers

Dieses Werk hat jeder schon zur Genüge in der Schule durchgekaut: Das Tagebuch der Anne Frank. Regisseur Hans Steinbichler will aber zeigen, dass es möglich ist einen Film über die Thematik zu machen, der nicht ausgelutscht wirkt.

Nachdem Anne Frank (Lea van Acken) mit ihrer jüdischen Familie von Frankfurt am Main nach Amsterdam emigriert ist, versucht sie so gut es geht einem stinknormalen Alltag nachzugehen. Doch dies erweist sich als äußerst schwieriges Unterfangen als bald darauf die Nazis in den Niederlanden einmarschieren. Ihre Lage verschlechtert sich zusehends und schließlich bekommt ihre Schwester Margot (Stella Kunkat) die Mitteilung, dass sie in ein Arbeitslager gebracht werden soll. Mit einem Mal ist nichts mehr wie vorher. Anne kann nicht mehr einfach so vor der Tür herumstromern oder sich um Verehrer und Freundschaften kümmern. Ihre Eltern Otto (Ulrich Noethen) und Edith (Martina Gedeck) beschließen komplett unterzutauchen. Ab Sommer 1942 bezieht das verängstigte Quartett ein rund fünfzig Quadratmeter großes Versteck, welches sie sich sogar noch mit einer weiteren Familie teilen müssen. Während sie von der Außenwelt kaum mehr als die beständigen Bombenangriffe mitbekommen, hat Anne plötzlich nur noch ihre Eltern, ihre Schwester sowie die andere Familie als Bezugspersonen. Alle haben mit der wahnsinnig machenden Sorge zu kämpfen von den Deutschen entdeckt zu werden. Als Rückzugsort bleibt der 13-jährigen Anne nur noch ein Tagebuch, in dem sie jeden ihrer Gedanken und auch ihre Gefühle rund um ihre erste Verliebtheit festhalten kann.

Top: Nachwuchstalent Lea van Acken

Die junge Schauspielerin Lea van Acken machte bereits mit dem auf der Berlinale 2014 gefeierten Kreuzweg in der Hauptrolle auf sich aufmerksam und sie ist nun auch in der aktuellen Homeland-Staffel neben Claire Danes zu sehen. Dennoch sah sie in Anne Frank eine gänzlich neue Herausforderung für sich. Die 16-Jährige wollte sich zunächst nicht anmaßen, darzustellen wie sich das Mädchen in dieser schrecklichen Ausnahmesituation gefühlt haben muss. Da sie aber eine große Chance in dem Projekt für sich sah und sich gleichzeitig stark zu dem Stoff hingezogen fühlte, wählte sie letztlich einen außergewöhnlichen Weg sich ihrem Charakter zu nähern: Sie schrieb Briefe an Anne Frank und erzählte darin über sich. Bis zum Drehstart hatte sich ein ganzer Stapel an vollgekritzelten Blättern angehäuft. So fand Lea van Acken ihren ganz eigenen Zugang zu der Person, über die schon so viel gesagt und gemutmaßt wurde. Sie zeigt Anne Frank mit vielen Facetten – gerecht wie ungerecht, verängstigt und pubertierend, eben vollkommen menschlich.

Weltliteratur neu verfilmt

Regisseur Hans Steinbichler (Das Blaue vom Himmel) sorgte im Vorhinein für ordentlich Gesprächsstoff, da er in einem Interview von sich gab, dass das Tagebuch der Anne Frank kein Thriller sei, weil es seiner Meinung nach an einigen Stellen doch sehr langweilig sei. Mit solch einem Spruch machte er sich nicht gerade Freunde. Aber trotz dieser Aussage entschied er sich in seiner Verfilmung dafür sich stark an dem Originaltext zu halten. So kommt das rund zweistündige Drama nun unvergleichbar wortgewandt daher. Auch Scherze lässt Steinbichler einfließen, so dass tatsächlich zu keinem Zeitpunkt im Kinosessel Müdigkeit aufkommt. Selbst für außergewöhnliche Szenenwechsel, wie zum Beispiel direkt hinein ins Konzentrationslager, hat er den Mut. Damit schockt er und macht gleichzeitig vieles richtig. Doch hauptsächlich liegt die Modernität des Werkes an der draufgängerischen Lea van Acken. Oft hat sie ein keckes Funkeln in den Augen und sagt ihre Sätze mit immensem Nachdruck. Von ihr möchte man in Zukunft unbedingt mehr sehen.

In Das Tagebuch der Anne Frank geht es nicht um den Mythos der jungen Verfolgten. Vielmehr wird Anne Frank mithilfe von Lea van Ackens Spiel greifbar. Mit einem Mal ist sie nicht mehr nur das Thema einer Schulstunde, um vom Horror des Holocausts zu berichten, sondern es wird die Geschichte vom Horror eines Teenagers wiedergegeben. Emotional, intensiv und mit einem fiesen Das-könnte-dir-auch-passieren-Gefühl.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  03. März 2016    Worte  622
Permalink  http://www.farbensportlich.de/das-tagebuch-der-anne-frank/    Farbe  #b03b2d
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