Das Märchen der Märchen

Veröffentlichung  10. März 2016    Regie  Matteo Garrone    Darsteller  Salma Hayek  Vincent Cassel  Toby Jones  Stacy Martin
Foto: Concorde Filmverleih
 IMDb-Wertung
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Fantastische Welt

Verstörend und sonderbar: Das Märchen der Märchen erzählt keinesfalls eine leicht verdauliche Kindergeschichte. Der episodische Film zeigt vielmehr eine höchst erwachsene Sichtweise auf die Welt und die Opfer, die man oftmals für seine Ziele erbringen muss.

Gleich drei Märchen auf einen Schlag: Zum einen wird die Königin Longtrellis (Salma Hayek) in den Fokus gerückt, die dringlich einen Erben benötigt und letztlich alles dafür tun würde, um ihrem Ziel näher zu kommen – selbst wenn dies bedeutet das Leben ihres Ehegatten (John C. Reilly) zu opfern. Des Weiteren tauchen in einem benachbarten Königreich die geheimnisvollen Schwestern Imma (Shirley Henderson) und Dora (Hayley Carmichael) auf, welche sofort die bedingungslose Leidenschaft des Herrschers Strongcliff (Vincent Cassel) zu spüren bekommen. Und zu guter Letzt ist da noch der König von Highhills (Toby Jones), der derartig von einem monströsen Floh eingenommen ist, dass er kaum noch seinen Aufgaben als Oberhaupt des Landes nachkommt und sogar das Leben seiner Tochter Violet (Bebe Cave) in Gefahr bringt.

Das Märchen Pentameron wird zu neuem Leben erweckt

Im 17. Jahrhundert schrieb der neapolitanische Schriftsteller Giambattista Basile drei sich abwechselnde Geschichten über Egoismus, Habgier und absoluten Größenwahnsinn. Mit seinem Pentameron sollte er schließlich zu einem der bekanntesten Märchenerzähler Europas avancieren. Die Filmadaption des aus Rom stammenden Filmemachers Matteo Garrone (Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra) ist genauso wie die Schrift prädestiniert dazu noch für lange Zeit im Gedächtnis haften zu bleiben. Wenn die Schauspielerin Salma Hayek beispielsweise das Herz eines Seeungeheuers verschlingt oder Toby Jones mit einem Mal voller Passion einen Riesen-Floh zärtlich streichelt, will man kaum seinen Augen glauben. Blutrünstige und anmutig verworrene Szenerien sollen jedoch nicht einfach nur für Schockmomente sorgen, sondern zur Untermauerung der Grundthemen der Erzählung dienen.

Der nächste Schritt ist nicht absehbar

Die große Kunst von Matteo Garrones Verfilmung ist, dass die verschiedenen Handlungsstränge nie berechenbar sind. Logisches vermischt sich mit völlig Surrealem, aus erotischen werden barbarische Momente. Naturalistisches geht in Fantastisches über. Mithilfe des atemlosen Changierens zwischen den Genres und Stimmungen ist es dem Regisseur möglich die Widersprüchlichkeiten des Lebens sowie die damit einhergehenden starken Emotionen darzustellen. Hochkonzentriertes Mitdenken ist bei den vielen, obskuren Situationen des Films aber durchaus von Vorteil. Doch wer die zwei Stunden Laufzeit ganz und gar in sich aufzunehmen weiß und sich nicht nur vom schönen Schein trügen lässt, der wird mit einem auf mehreren Ebenen sehr aussagekräftigen Kunstwerk belohnt.

Wer auf Märchenhaftes wie bei Disneys Die Eiskönigin hofft, wird von Das Märchen der Märchen bitter enttäuscht sein. In dieser Groteske löst sich nämlich nichts so einfach in Wohlgefallen und Zauberstaub auf. Am nächsten kommt das Werk wohl dem Disney-Hit Bambi – aber nur, wenn man von dem Teil der Story ausgeht, in dem Bambis Mutter urplötzlich stirbt. Dieser Film ist definitiv nichts für Menschen mit schwachen Nerven!