Das letzte Schweigen

Veröffentlichung  25. März 2011    Regie  Baran bo Odar    Darsteller  Wotan Wilke Möhring  Ulrich Thomsen  Katrin Sass  Sebastian Blomberg
Foto: Presse
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Zum Einrahmen und an die Wand hängen

Ich habe wahnsinnig große Vorurteile deutschen Filmen gegenüber. Nicht selten wird versucht durch gähnend lange Szenen, stillen Dialogen und vielen Nahaufnahmen so etwas wie Empathie oder Pathos zu entfachen. Nicht selten erzeugen diese Phänomene jedoch eine ausgebildete Langeweile bei mir. Unter anderem aus diesem Grund war ich erst ein wenig skeptisch als mich Hella fragte ob wir uns nicht Das letzte Schweigen im Kino anschauen wollen. Als die Tickets dann aber im Briefkasten lagen (der Verleih hat eingeladen) dachte ich mir: meine Güte, so schlimm wird es wohl nicht werden (und das obwohl das Wort “Schweigen” im Titel enthalten ist — mutig von mir). Doch wie es kommen musste, es kam anders! Bereits nach wenigen Minuten saß ich gebannt durch die vielen tollen Bilder und die schauspielerische Leistung im Kinosessel und war einfach nur fasziniert von so viel Schönheit (die beklemmende Story tat ihr Übriges). Mit jeder neuen Szene hat Regisseur und Drehbuchautor (eine seltene Paarung) Baran bo Odar mein Herz etwas mehr bluten lassen. So schön! Und das bei einer Romanverfilmung. Man erzählt sich ja über Baran bo Odar, dass er so lange auf den richtigen Stoff gewartet hat, bis er Das Schweigen in Händen hielt. Der Inhalt verrät warum…

Als auf den Tag genau 23 Jahre nach dem Mord an der kleinen Pia ein weiteres Mädchen am selben Tatort erschlagen wird, lähmt Entsetzen die sommerlich heiße Kleinstadtidylle. Pias trauernde Mutter Elena Lange (Katrin Sass) erinnert sich an die damalige grausige Tat ebenso wie Ex-Kommissar Krischan Mittich (Burghart Klaußner), der die Ermittlungen leitete und den Fall nie aufklären konnte. Er bittet seinen jungen Kollegen David Jahn (Sebastian Blomberg) um Hilfe, weil der offiziell zuständige Ermittler Matthias Grimmer (Oliver Stokowski) sich weigert, die Parallelen der Fälle zur Kenntnis zu nehmen. Am heftigsten erschüttert ist jedoch Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring), der den Mord zusammen mit Peer Sommer (Ulrich Thomsen) an Pia begangen und dann erfolgreich verdrängt hat. Bis heute. (Inhaltsangabe von der Filmwebsite)

Neben vielen altbekannten Gesichtern überzeugt Das letzte Schweigen durch seine junge und frische Erzählweise. Die Bilder entwickeln ein unglaubliches Eigenleben. Durch abwechslungsreiche Einstellungen, dafür aber eine sehr ruhige Kameraführung (es gibt kaum Schwenks, dafür viele Totalen), erzeugt Baran bo Odar ein eindringliches Kinoerlebnis. Für den ersten Kinofilm des 32 jährigen Regisseurs keine schlechte Leistung. Mehr davon! Hübscher Nebeneffekt des 2-Stünders: man möchte sich sofort seine Kamera schnappen und genau so schöne Aufnahmen einfangen. Wolken, Felder, Bäume im Wind, strahlendes Wasser auf der Haut bei Nacht, spielende Kinder auf Schaukeln, rote Autos… egal. Wie gut das es auch solche Filme gibt. Meine Vorurteile sind ein wenig abgeschwächt.

Wer mehr über die Beweggründe des Films und zur Person Baran bo Odar erfahren möchte, dem sei dieses Interview nahe gelegt.