Das kalte Herz

Veröffentlichung  31. März 2017    Regie  Johannes Naber    Darsteller  Frederick Lau  Henriette Confurius  Moritz Bleibtreu
Foto: Weltkino Filmverleih
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Foto: Weltkino Filmverleih

Ein Märchenfilm wird zum herzlosen Horrortrip

Du hast die Erzählung von Wilhelm Hauf noch ganz gut im Gedächtnis? Dann bringt dir die Neuverfilmung mit Frederick Lau herzlich wenig. Sie hat dem Original nichts Positives hinzuzufügen.

Noch mal zur Auffrischung: Im Schwarzwald arbeitet der gutmütige Peter (Frederick Lau) als Kohlenbrenner. Von den anderen Dorfbewohnern wird er gemieden. Lediglich Lisbeth (Henriette Confurius), die Tochter des angesehenen Glasmachers Löbl (Sebastian Blomberg), behandelt ihn mit Respekt. Peter ist von ihr ebenso fasziniert wie von der Kunst des Glasmachens. Doch beides scheint unerreichbar. Denn der gesellschaftliche Aufstieg ist für Köhler wie ihn unmöglich und auch Lisbeth wurde bereits dem Holzhändlersohn Bastian (David Schütter) versprochen. Peter gibt sich der Vorstellung hin, dass er Lisbeths Herz nur mit einem vollen Geldbeutel und Ansehen erobern kann. Als er von der Sage des Glasmännchens (Milan Peschel) hört, der den Menschen Träume erfüllen kann, macht er sich auf die Suche nach dem Waldgeist. Seine Wünsche wählt er jedoch ohne Bedacht und wenig später hat er eine Glashütte, ohne das Handwerk zu beherrschen und mehr Schulden als vorher. Sein letzter Ausweg ist der geheimnisvolle Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu), dem er sein Herz verkauft. Nun kann er genauso skrupellos wie der Rest des Dorfes agieren und so viel Geld verdienen, dass Lisbeth ihn einfach lieben muss.

Völlig aus der Zeit gefallen

Das kalte Herz basiert auf einem Märchen von Wilhelm Hauf, das er zwischen 1825 und 1827 geschrieben hat. In den letzten 80 Jahren wurde die Geschichte des armen Köhlers, der sich der dunklen Seite der Macht zuwendet, bereits mehrfach verfilmt. Die 2016er-Version fügt der angestaubten Vorlage über Verzweiflung und Unvernunft leider keine neuen Facetten hinzu. Die Sprache, Berufe und Rollenbilder entstammen dem Mittelalter, was den Stoff schwer zugänglich macht. Zu Köhlern, untoten Holzfällern und Waldgeistern lässt sich nur schwer eine Beziehung aufbauen, da sowohl das Szenenbild, als auch die Kostüme nach Kulisse und Verkleidung schreien. Und damit haben die Macher um Regisseur Johannes Naber (Zeit der Kannibalen) die wichtigste Lektion von Neuverfilmungen nicht berücksichtigt: Es geht nicht darum das Märchen eins zu eins wiederzugeben, sondern die Relevanz für die Jetztzeit herauszuarbeiten. Doch stattdessen ist der gesamte Film auf düster-gruselig gemacht, kann letztlich aber nur durch die undurchdachte Umsetzung schockieren.

Mach mal eine Pause, Frederick!

Frederick Lau hier, Frederick Lau da: Momentan sieht man den Berliner Schauspieler gefühlt in jeder deutschen Filmproduktion. Allein 2016 hat er in neun wirklich großen mitgewirkt! Er ist ja auch ein ziemlich sympathischer Typ. Trotzdem stellt sich langsam ein Problem heraus: Frederick zeigt uns immer das Gleiche. In Das kalte Herz müssen wir uns zum x-ten Mal anschauen, wie er seine Stirn in Falten legt, vor lauter Wut aufgrund der vorherrschenden Ungerechtigkeit. Die Wandlung vom neugierigen Jugendlichen zum gewissenlosen Großverdiener nimmt man ihm auch nicht so recht ab. Denn als Peter bekommt er erst überhaupt nichts gebacken und endet schließlich als frauenschlagender Tyrann. Unser Tipp: Junge, verschnauf mal und präsentiere uns dann ein paar neue Facetten!

Diesen Film kann man sich sparen. Die Umsetzung ist zum Gruseln, die Dialoge auch und die Schauspieler wirken uninspiriert – ein echter Horrortrip!

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  30. März 2017    Worte  504
Permalink  http://www.farbensportlich.de/das-kalte-herz/    Farbe  #40433d
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