Daniel Freitag

Album  Still    Veröffentlichung  12. Oktober 2017
Foto: Hannes Meier Foto: Hannes Meier

Von der Theorie befreit

Daniel Freitag hat sein Debüt an einem Freitag den 13. veröffentlicht. Da wird bereits klar: der Mann hat Humor. Und auch schon jede Menge Erfahrung. Jahrelang arbeitete er für Film und Theater an unterschiedlichsten Musikproduktionen. Jetzt war es mal an der Zeit ein eigenes Album herauszubringen. Und diesem verschnörkelten Indie-Werk hört man die Liebe zum Detail an. Das ist sicher kein Schnellschuss. Die wohlüberlegten analogen Arrangements erinnern mal an Grizzly Bear, mal an Get Well Soon. Aber zum Glück können sie vor allem für sich selbst stehen.

Im Interview haben wir dem Berliner Multiinstrumentalisten auf den Zahn gefühlt und nachgehakt, wie man trotz der ganzen Musiktheorie im Nacken so gute Songs machen kann.

Dein Solo-Debütalbum entstand über einen längeren Zeitraum hinweg. Wie hast du es geschafft, dennoch einen roten Faden beizubehalten?

Daniel Freitag: Ich glaube, die eigenen Ansprüche sorgen dafür, dass es unabhängig von Genres Konstanten gibt, die man in jedem Song wiederfinden kann. Es sind Entscheidungen, die sich auf Text, Sound und Songwriting auswirken und zusammen etwas bilden, was man wohl als Ästhetik beschreiben würde.

Wieso hast du dich gerade für eine analoge Produktion entschieden?

Das ist dann genau so eine der eben genannten Entscheidungen, die dem Album schon rein technisch einen roten Faden und Rahmen geben. Es geht im Grunde nicht um analog, sondern um Imperfektionen, Brüchigkeit, Lebendigkeit und Tiefe. Das Gefühl, dass die Klänge nicht nur als Nullen und Einsen existieren, sondern dass ein einzigartiges klangliches Ereignis dokumentiert wurde. Dadurch, dass die Klänge durch Räume und Geräte gewandert sind, bekommen sie für mich eine Geschichte und Realität. Da ist etwas zwischen den Zeilen. Und wenn es nur das Rauschen ist.

Inwiefern hast du das Großwerden in der Provinz in deiner Musik verarbeiten können?

Ich komme ja aus einer ostwestfälischen Kleinstadt, katholische Provinz am Rande des Teutoburger Waldes. Da war außer Schützenfest und Karneval nicht viel los. Ich sage nur „Klein-Köln an der Emmer“ … Und gerade diese Festivitäten machten es eigentlich nur noch schlimmer. Die Sehnsucht nach etwas anderem, Auseinandersetzung mit der Enge und den Zwängen dort, waren jahrelang auch Teil meiner Musik. Thematisch ist das für mich abgeschlossen, aber als Bild schleicht sich das immer wieder ein.

Zunächst hast du ein Studium der Musikwissenschaft durchgezogen. Aber kann einen diese ganze Theorie an der Uni nicht auch richtig versauen?

Mich hat die Theorie definitiv versaut und ich habe Jahre gebraucht, um mit meiner Musik wieder frei und bei mir zu sein. Ich fand vor allem diese analytische, westliche Art sich mit Musik auseinanderzusetzen schrecklich und falsch. Das wird meist weder der Musik gerecht, noch den Menschen die sie hören und der Art und Weise wie sie diese erfahren. Das große Potential von Musik ist ja auf kaum nachvollziehbare Weise eine Verbindung zwischen Menschen herzustellen. Das finde ich letztlich am spannendsten. Die fühlen, ist da deutlich wichtiger als das Verstehen.

Wie hat eigentlich deine Liebe zur Musik begonnen?

Sie war immer da. Sobald ich den Plattenspieler meiner Eltern bedienen konnte, habe ich stundenlang Musik gehört und mitgesungen. Ich fand das alles wahnsinnig faszinierend. Pink Floyd mit ihrem Equipment auf dem Backcover von „UmmaGumma“, The Beatles hinterm Zaun und vom Balkon schauend. Tausendfach habe ich mir das angesehen und angehört, fand das alles ganz magisch und mysteriös. Alles, was mit Musik zu tun hatte, war magnetisch für mich. Ist es immer noch.

Früher hast du einfach alle Instrumente durchprobiert. Hast du mittlerweile einen Favoriten und welches Instrument würdest du gerne mehr in deine Musik mit aufnehmen?

Fagott und Oboe wären das dann wohl. Der Coolness-Faktor ist sehr gering. Sie sehen wirklich alles andere als lässig aus beim Spielen. Aber das wäre dennoch ganz spannend. Mein liebstes Instrument ist in Hass-Liebe nach wie vor die Gitarre. Ganz einfach, weil es das einzige Instrument ist, das ich einigermaßen beherrsche. Ich denke da nicht so als Musiker, sondern vor allem als Songwriter und Studio-Heini. Whatever works!

Was hast du in deiner Funktion als Komponist für Theaterproduktionen lernen können?

Am Theater hatte ich Raum und Zeit mich mit all den Dingen zu beschäftigen, die mich gerade musikalisch oder auch technisch interessiert haben. Das war gewissermaßen meine Ausbildung. Außerdem habe ich von Schauspielern viel über Mut und Angst auf der Bühne gelernt.

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  13. Dezember 2017    Worte  697
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