Daniel Brühl

   Film  Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt    Veröffentlichung  31. Oktober 2013    Regie  Bill Condon
Foto: Hella Wittenberg
 IMDb-Wertung
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“WikiLeaks hat die Welt dauerhaft verändert.”

Mit Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt kommt dieser Tage der erste Spielfilm über die Begründung der Internetenthüllungsplattform WikiLeaks in die deutschen Kinos. Unter der Regie von Bill Condon (Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht) wird gezeigt wie sich Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl, Und wenn wir alle zusammenziehen?) im Jahr 2007 Julian Assange (Benedict Cumberbatch, Star Trek Into Darkness) anschließt. Zusammen decken sie über die Jahre immer mehr brisante Geheiminformationen mithilfe von Whistleblowern auf. Doch Domscheit-Berg überkommen bald Zweifel an der Vorgehensweise von Assange und ein Bruch ist unausweichlich. Im Interview verrät Daniel Brühl wie er an die Arbeit an dem u.a. auf Domscheit-Bergs Buch Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Webseite der Welt basierenden Werk herangegangen ist, wie viel Vertrauen er seiner Figur entgegenbringt und wie mit Benedict Cumberbatch schließlich eine echte Freundschaft entstand.

Betrachtet man deine aktuellen Filme, Rush – Alles für den Sieg und Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt, scheint sich der internationale Erfolg bei dir eingestellt zu haben.

Daniel Brühl: Immer öfter kommen amerikanische Regisseure nach Berlin. Ich habe gemerkt, dass deutsche Schauspieler dadurch mehr Chancen bei internationalen Filmen bekommen. Es fing mit Quentin Tarantinos Inglourious Bastards an. Trotzdem war ich verblüfft als ich drei Tage nach dem Casting für „Rush“ schon die Zusage bekam. Bereits nach Good Bye Lenin! ging es los, dass man mich für ein Casting nach London bat. Es lief immer gleich ab: man ließ mich zwei Wochen zappeln und bangen, um mich dann anzurufen und zu sagen, dass ich zwar großartig gewesen wäre, die Rolle nun aber jemand anderes spielen würde. An diese Routine war ich gewöhnt. Also plante ich nach dem Casting zu „Rush“ wieder diese Zeit ein und fuhr in den Urlaub. Doch ich wusste, dass etwas Komisches passiert war, als ich drei Nachrichten aus London auf meinem Handy hatte. Da befand ich mich gerade auf einer Landstraße und meinte zu meiner Freundin, dass es wohl dieses Mal gut lief, denn sie würden mir wohl kaum drei Mal absagen. Und so wurde es mir dann am Telefon auch rückversichert. Unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, dass mir Ron Howard nach unserem ersten Gespräch so viel Vertrauen entgegenbringt und sagt, dass ich der Richtige für die Rolle bin. Seitdem läuft es sehr gut für mich. Es ist ein komisches Gefühl, wenn ich mich nun an die Anfänge zurück erinnere. Zum ersten Mal ging es mir in Los Angeles so als gleich zwei Kinoplakate mit meinem Gesicht darauf an Hochhäusern hingen. Es war völlig bizarr. Wenn mich keiner beobachtete, machte ich Fotos davon. Das ist eine Erinnerung, die man für sein Leben hat. Wenn mir früher jemand mit einer Zauberkugel gesagt hätte, dass so etwas einmal passieren würde, hätte ich es nicht geglaubt.

In beiden Filmen verkörperst du eine dem realen Leben entlehnte Figur.

In beiden Fällen fand ich es sehr spannend die Menschen kennenzulernen. Auch wenn ich vor dem ersten Treffen nervös war. Ich hoffte, dass sie mich mögen würden und überhaupt bereit wären mit mir zu reden. Beide Male hatte ich Glück. Sie beantworteten mir offen alles, was ich wissen wollte. Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass sie noch einmal über etwas so Dramatisches und Unangenehmes sprechen wollten. Daniels Bruch mit Julian war extrem schmerzhaft und es beschäftigt ihn bis heute. Dass er mit mir darüber redete, half mir die Figur verstehen zu lernen und auch zu verteidigen. Ich war froh darüber, dass ich Daniel vertrauen konnte. Denn je mehr ich zu dem Thema las, desto widersprüchlicher wurde es. All die Bücher, aus den verschiedenen Perspektiven, ließen mein klares Bild, welches ich zu Beginn hatte, verschwinden. Deshalb war es gut, dass ich bei Daniel das Gefühl hatte es mit einem integren und verantwortungsvollen Aktivisten zu tun zu haben. Er packt Sachen an und redet nicht nur, so wie ich. Er war bei der Zusammenarbeit ziemlich cool. Er meinte, dass ich mich einfach melden sollte, wenn ich etwas bräuchte. Ich sagte ihm auch, dass es einige Wochen geben würde, in denen ich mich zurückziehen müsste. Das war mir wichtig, um nicht zu eng an ihm zu sein. Ich wollte mir die Freiheit bewahren, Informationen auch woanders herzubekommen. Aber selbst wenn wir uns in manchen Dingen von dem Original emanzipiert haben, so glaube ich, dass Daniel damit zufrieden ist.

War es für dich einfacher als für Benedict Cumberbatch, da du Daniel Domscheit-Berg auf deiner Seite wusstet?

Für Benedict war es schwieriger. Eine Zeit lang schrieb Julian fast täglich E-Mails an ihn. Jeden Tag tauschten wir im Maskenmobil unsere Informationsquellen aus. Das war eine unheimlich symbiotische Zusammenarbeit und es hat sich dadurch auch eine Freundschaft entwickelt. Ständig haben wir versucht so gut es geht unsere Figuren zu verstehen und zu verteidigen. Aber wir wollten keine finale Beurteilung mit dem Film erreichen. Es sollte nicht einseitig oder gegen WikiLeaks sein. Auch wenn Assange genau das dem Film vorwirft. Wir waren uns unserer Verantwortung bewusst und diskutierten sehr viel über jede einzelne Szene und gingen auf neue Informationen ein. Das Drehbuch hat sich ständig verändert. Aber am Ende bleibt es ein Spielfilm. Über WikiLeaks gibt es bereits eine Dokumentation. Bei dieser hatte ich das Gefühl eher ein düsteres Bild von Assange gezeigt zu bekommen. Ich finde es sehr selbstironisch, dass Bill das letzte Wort im Film Assange lässt. Er hat diesen großartigen Satz, in dem es darum geht, dass man die Wahrheit für sich selbst herausfinden muss. Dazu soll der Film einladen.

Beschäftigst du dich jetzt noch genauso intensiv mit der Thematik wie während der Dreharbeiten?

Das Thema ist am Zahn der Zeit. Es ist omnipräsent und ich verfolge immer, was es Neues dazu gibt und das wird auch nicht aufhören. Und es wird auch in Zukunft einen Edward Snowden geben. Das ist etwas, das WikiLeaks losgetreten hat und das nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden wird. Insofern hat diese Organisation die Welt dauerhaft verändert.

Hätte Deutschland Edward Snowden und Julian Assange Asyl gewähren sollen?

Es ist eine absurde Entwicklung, dass sich bestimmte Länder, aufgrund von Verträgen und Beziehungsgeflechten, nicht trauen den Menschen Asyl zu gewähren. Jetzt sitzt der eine in der Botschaft von Ecuador und der andere in Russland. Das finde ich bizarr. Deutschland hätte ihnen Asyl gewähren sollen.

 

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Rubrik  Interview  Kino    Autor      Datum  31. Oktober 2013    Worte  1,036
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