Dagur Kári

   Film  Virgin Mountain    Veröffentlichung  12. November 2015    Darsteller  Gunnar Jónsson  Ilmur Kristjánsdóttir  Sigurjón Kjartansson
Foto: G. Magni Agustsson
 IMDb-Wertung
Foto: G. Magni Agustsson

Ein bisschen Liebe, ein bisschen Heavy Metal

Neues aus Island: Der Nói albinói-Regisseur und Drehbuchautor Dagur Kári kommt endlich wieder mit einer herrlich lakonischen Einsiedler-Geschichte um die Ecke.

In Virgin Mountain lässt er die Schauspielgröße Gunnar Jónsson den Mitvierziger Fúsi mimen, der am liebsten mit Spielzeugsoldaten und Metal-Mucke seine Zeit vertreibt. Eine Freundin hat er noch nie gehabt, die Sterne stehen dafür auch nicht allzu gut – denn der füllige Fúsi wohnt noch im Hotel Mama und ist so nicht gerade als heißbegehrter Single in aller Munde. Doch schon eine Tanzstunde soll schließlich das Blatt zur Wendung zwingen.

Farbensportlich sprach mit Dagur Kári, um mehr über seine Themen-, Schauspielerwahl sowie auch seine Persönlichkeit zu erfahren.

Woher genau rührt Ihr Interesse für komische und obskure Individuen?

Für mich sind die Charaktere in meinen Filmen nicht komisch oder obskur. Sie sind menschlich. Und was uns menschlich macht, ist der Fakt, dass wir nicht perfekt sind und Fehler machen. Erst durch unsere Mängel und Unvollkommenheit fühlen wir eine Verbindung zu anderen Menschen. Keiner kann sich mit Superman identifizieren, wenn er umherfliegt und die Welt rettet. Wir identifizieren uns erst mit Superman, nachdem wir erfahren haben, dass er eigentlich einen Vollzeitjob bei einer Zeitung hat, schüchtern ist und zudem noch Probleme mit seiner Freundin hat.

Was lief während der Entwicklung des Films richtig gut und was stellte sich als schwieriger als erwartet heraus?

Die Idee für die Geschichte hatte ich sehr schnell. Ich wartete zu dem Zeitpunkt am isländischen Flughafen auf meinen Flug. Da schaute ich aus dem Fenster auf die kleinen Fahrzeuge, die immer um die Flugzeuge herumbrummen. Im Grunde sehen sie aus wie Spielzeugautos. Gedanklich steckte ich dann Gunnar Jónsson, diesen gigantischen Mann, in solch ein Fahrzeug hinein und das war der Punkt an dem der Film geboren war. Als ich aber schließlich realisierte wie aufrichtig und authentisch Gunnar an seinen Charakter heranging, merkte ich wie schwierig es werde würden sicher zu stellen, dass auch alle anderen Parameter des Films dieser Ehrlichkeit entsprechen würden – das war wohl die größte Herausforderung für mich.

Was konnten Sie von Gunnar Jónsson lernen?

Er ist einer der selbstichersten Menschen, die ich kenne, aber auf eine wahrhaft bescheidene Weise. Diese Kombination ist meiner Meinung nach wirklich charmant und das ist gleichzeitig auch etwas, was ich von ihm lernen konnte.

Sie sind auch Musiker und spielen in der Band Slowblow – hat dieser Umstand auch Einfluss auf Ihre Arbeit als Regisseur?

Ja, definitiv. Filme sind musikalisch. Sie bestehen aus kinematischen Bilderströmen, die nicht sehr viel mit Literatur oder Theater gemeinsam haben, aber dafür umso mehr mit Musik.

Wie hat Ihre Liebe für Filme begonnen?

Als ich fünf Jahre alt war, sah ich zusammen mit meinem Vater Uzala der Kirgise von Akira Kurosawa und ich glaube, dass hat mich auf dramatische Weise verändert.

Welche besondere Stärke und welche Schwäche haben Sie?

Verletzlich zu sein, ist meine Stärke. Meine Stärke ist aber auch meine Schwäche.

Gab es einen Augenblick, an dem Sie dachten: Jetzt bin ich erwachsen.

Ich warte immer noch auf diesen Moment!

 

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Rubrik  Interview  Kino    Autor      Datum  12. November 2015    Worte  489
Permalink  http://www.farbensportlich.de/dagur-kari/    Farbe  #585431
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