Courtney Barnett

Album  A Sea of Split Peas    Veröffentlichung  06. Juni 2014
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Während es sich derzeitig immer mehr junge Frauen im seichten Elektro-Pop-Bereich gemütlich machen, schnallt die Mitzwanzigerin Courtney Barnett ihre Gitarre ein bisschen enger. Die Australierin ist nicht eine der braven, glatt polierten Sorte – auch wenn sie sich im Interview in der Lounge des Michelberger Hotels höchst höflich und zurückhaltend zeigt und allein bei dem Anblick eines Hundes aus der Fassung gerät. Sobald sie für etwas wirklich Leidenschaft empfindet, ist sie kaum zu bremsen. Ein Grinsen geht von einem Ohr bis zum anderen – das versteckt nicht einmal ihre Wuschelmähne. Auch auf der Bühne geht sie vollkommen auf, egal was um sie herum geschehen mag. Einer solchen Magie musste dringlichst in einem Interview auf den Grund gegangen werden.

Mit deiner gestrigen Show im Magnet Club konntest du endlich auch in Deutschland mit den Songs deiner Doppel-EP A Sea Of Split Peas vorstellig werden. Bist du damit zufrieden wie alles lief?

Courtney Barnett: Oh ja, ich konnte den Abend sehr genießen. Das Publikum war super und es war schön so ein gutes Feedback von den Menschen zu bekommen. Das erhöht auch für mich den Spaß, obwohl ich eigentlich nicht versuche einen Auftritt danach zu beurteilen, wie die Leute auf meine Musik reagieren. Aber natürlich hilft es, wenn sie mitgehen und nicht direkt mit verschränkten Armen vor einem stehen.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du auf der Bühne stehst?

Komische Sachen… Gestern habe ich mich zum Beispiel zwischendrin gefragt, wo ich wohl mein Portemonnaie hingelegt habe… Aber es gibt auch Tage, an denen mein Kopf komplett leer ist und ich mich dadurch viel besser konzentrieren kann. Bis ich etwas im Publikum sehe, das mich doch wieder ablenkt. Das geht sehr leicht.

Du scheint eine sehr positive Einstellung zum Leben zu haben, stimmt das?

Ich versuche Optimist in einer pessimistischen Welt zu sein. Aber es gibt überall so viele schlimme Dinge, die mich in die Verzweiflung treiben. Mit unserer Umwelt wurde in den letzten Jahren nicht gerade sorgsam umgegangen. Das ist doch traurig. Und dass die Menschen einander so viel Hass entgegenbringen, macht mich auch fertig und erscheint mir vollkommen unnötig. Ich finde solche Probleme so überwältigend, dass ich einfach helfen muss. Ich versuche Veränderungen bereits in meinem eigenen kleinen Freundeskreis anzustoßen. Und bringe alle zum Recyclen! (lacht) Denn wenn jeder ein bisschen etwas für eine bessere Welt tut, dann entsteht daraus eine Idee, die von anderen geteilt werden kann.

Wie sieht deine Komfortzone aus?

Ich bin eigentlich eine sehr ruhige Person und mag es Zeit für mich allein zu haben. Jedoch durchbreche ich meine Komfortzone jeden Tag, in dem ich mit sehr vielen Menschen spreche, mit ihnen Zeit verbringe und Konzerte spiele. Aber das ist auch besser so. Sonst wäre ich wahrscheinlich ziemlich depressiv. Ich habe also zwei Gesichter. (lacht)

Du arbeitest bereits seit einiger Zeit an einem Album. Aber wie behältst du das Interesse an den alten Songs bei?

Von meiner Musik bin ich nie gelangweilt. Ich liebe alle Songs und entdecke daran immer wieder etwas Interessantes. Obwohl ich manche Stücke schon seit rund zwei Jahren live spiele, kann ihnen eine neue Beinote geben. Und erst wenn ich mich über einen längeren Zeitraum mit den Texten beschäftige, kann ich langsam herausfinden, worum es in dem einen oder anderen Lied eigentlich geht. Sie enthüllen sich selbst.

Wie sieht dein Plan für das nächste Jahr aus?

Erst einmal will ich zum Beginn von 2015 ein Album herausbringen. Dann folgt die dazugehörige Tour. Danach ist schon alles ein bisschen schwammiger. Auf jeden Fall habe ich bereits jetzt schon mit der Arbeit an einem weiteren Album angefangen. Wer weiß, ob das nicht auch noch 2015 kommt. Doch neben dem ganzen Touren, wäre ich auch gern mal wieder ein bisschen mehr zu Hause. Ach, eine weitere Sache ist noch sicher im nächsten Jahr: ich mache einen Trip durch Australien. Für ungefähr einen Monat will ich in die Wüste…

Das erinnert mich an Spuren, kennst du die Verfilmung von Robyn Davidsons Geschichte?

Ja! Der Film ist wirklich super! Ich habe ihn im Flugzeug geschaut und dabei viel geweint. Irgendwie weine ich generell oft in Flugzeugen… An solch einem Film mag ich, dass darin so viel steckt. Ein Song ist dagegen um einiges direkter. Filme provozieren das Denken in jeder Art und Weise, ermutigen dazu bestimmte Dinge zu tun. Und das sogar meist recht unterbewusst. Aber ich lese auch sehr viel. Zur Zeit insbesondere Fiktion. Darin suche ich Inspiration. Wie andere Menschen denken oder auch leiden. Und dann wieder aus diesem Leiden herausgelangen. Wenn ich nichts zum Lesen oder Gucken finde, beobachte ich gern ausgiebig Menschen. Darin steckt auch etwas Inspirierendes.

Hier findest du unsere Rezension zu Spuren.

 

 

Empfehlen

Rubrik  Interview    Autor      Datum  03. Dezember 2014    Worte  759
Permalink  http://www.farbensportlich.de/courtney-barnett/    Farbe  #275b70
Farbensportlich.de ist das Magazin-Portfolio von Hella Wittenberg und David Streit. Seit 2006 präsentieren wir hier unsere Fotografie, stellen die neuesten Filme in Kino und Heimkino vor, führen Interviews mit Künstlern und mehr. Folge uns auf Facebook, Twitter oder per RSS-Feed um keine Einträge mehr zu verpassen. Abonniere uns auch auf Tumblr und Pinterest für deine tägliche Inspirationsdosis. Bleib farbensportlich — Hella & David