Client

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“Satisfaction guaranteed”

Dies besingen die zwei Londoner Ladies von Client schon auf ihrem Erstling „Client”. Das das mittlerweile sieben Jahre her ist, stört nicht weiter. Denn an diesem Fakt hat sich kein Stück geändert. Sie triumphieren über Eintagsfliegen mit ihrer selbstbewussten Geradlinigkeit und haben das Ziel fest vor Augen: den Rock & Roll unter die Leute bringen! Im Zuge ihrer Tour in Deutschland wollten wir mit Kate Holmes, auch als Client A bekannt, über alte Kamellen, Song- und Kooperationsideen sowie Zukünftiges plaudern.

Im Oktober seid ihr in fünf Städten auf kleiner Club Tour unterwegs gewesen, um mit den Fans gemeinsam einen nostalgischen Blick auf eure vier Alben beinhaltende Bandgeschichte zurückzuwerfen. Wie waren die Shows?

Die Tour war fantastisch! Der komplette Köln Fan Club tauchte auf, um uns anzufeuern und auch sonst haben wir viele alte Gesichter sowie einige neue im Publikum gesehen.

Wenn ich darüber nachdenke, welche Erinnerungen ich mit euch in Verbindung bringe, so muss ich zuerst an das DJ-Set bei einer Bread & Butter Show im Jahr 2005 denken. Ich habe gute Erinnerungen an diesen Abend, weil ich es sehr genossen habe zu eurer aufgelegten Musik zu tanzen.

Ich erinnere mich an die Show im Café Moskau – ein altes ostdeutsche Gebäude, wenn ich mich richtig erinnere. Wir hatten gerade erst mit dem DJ-Set begonnen und ich glaube wir waren nervös, da das Publikum sehr nach „Fashion” aussah.

Was macht ihr, wenn ihr merkt, dass die Leute nicht so richtig mitgehen?

Unser Produzent Youth hat mal zu uns gemeint, wenn die Leute bei einem Gig nur von einem Bein auf das andere schlurfen, sollte man die BPM’s von den Tracks beschleunigen. Die Songs sind so tanzbarer. Ansonsten funktioniert „Can you feel” immer und hält das Publikum bei Laune.

Gibt es noch andere Songs, die du selbst am allerliebsten auf Tour spielst?

Ich liebe den Song „Client” von unserem ersten Album, denn er provoziert sowohl negative als auch positive Reaktionen beim Publikum. Ich liebe den Sound bei diesem Song, wenn ich auf meinem Nord Lead Keyboard verzerrt und laut spiele!

Bist du stolz auf das, was ihr mit Client alles erreicht habt? Bereust du auch manche Dinge?

Ich bin wirklich stolz auf uns. Ich bedaure lediglich, dass wir das vorläufige Artwork von den „Rotherham Sessions” nicht als Hauptartwork für unser drittes Album „Heartland” genommen haben. Denn es war das beste Fotoshooting, das wir jemals gehabt haben.

Wie kann ich mir den Entstehungsprozess eines Client Albums vorstellen?

Jedem Album geht eine Intention voraus. So sollte unser Erstling „Client” innovativ, „City” poppig, „Heartland” düster und „Command” schmutzig und brutal sein. Ich mache die Musik mit meinem Laptop, wobei ich erst an der Musik und dann an dem Text arbeite. Danach bitte ich Joe Wilson darum bessere Beats und Sounds hinzuzufügen. Mit mir am Mikrofon entstehen daraufhin die Demos zu Hause und erst dann kommen Sarahs Vocals dazu.

Und wie sucht ihr Singles aus?

In der Regel fragen wir unser Label, welcher Song der radiofreundlichste ist. Denn wir haben das Glück, dass wir überall in Europa mit der Unterstützung vom Radio rechnen können.

Client ist eine Band, die sich sowohl musikalisch als auch stilistisch immer treu bleibt. So besingt ihr auf eurem ersten Album „Rock & Roll is all I want to do” und es scheint als hätte sich nichts geändert, denn in „Can you feel”, eurer neuesten Single singt ihr „I believe in the power of Rock & Roll”.

Wir lieben es immer ein bisschen Rock & Roll in jedem Album einfließen zu lassen. Im Geiste sind wir noch immer Rock & Roll und dagegen können wir nichts tun, es ist einfach in unserem Blut!

Erzähl mir dann doch bitte von deinem besten Rock & Roll Erlebnis mit Client?

Die Playboy Parties in Moskau und St. Petersburg als Promotion unseres Debutalbums mit Andy Flechter waren einfach nur großartig. Wirklich Großartig!

Wo du gerade den Namen Andy Fletcher ansprichst: bei meiner Recherche zu diesem Interview wurde ich immer wieder mit prominenten Namen wie zum Beispiel Andy Flechter, der mit euch zusammengearbeitet hat, konfrontiert. Ich denke es ist gut den Support von anderen Musikern zu haben, aber es fühlt sich ein bisschen so an als würdet ihr über solche Namen wie Andy Flechter definiert werden und werdet weniger zu eurer eigenen Musik als zu ihm befragt. Kann das nicht ganz schön nerven?

Wir sind stolz darauf mit wem wir zusammengearbeitet haben und jede Person definierte diese bestimmte Zeit für uns. Also, uns stören keine Fragen!

In der Vergangenheit habt ihr mit Pete Doherty, Carl Barât und Martin Gore kollaboriert. Überlegt ihr in Zukunft noch weitere Kollaborationen folgen zu lassen?

Beim nächsten Album würde ich gern mit einer Frau zusammenarbeiten. Vielleicht sogar mit Helen von Ladytron.

Worin besteht die Bedeutung von Client in der heutigen schnelllebigen Zeit?

Ich denke wir werden am Ende triumphieren eben wegen unserer Langlebigkeit, die unsere Qualität in Bild und Musik beweist. Wie viele Bands veröffentlichen heutzutage nur ein Album und verschwinden dann? Die meisten!

Worin besteht für euch der Impuls im Weitermachen?

Manchmal möchte ich mir beweisen, dass ich bessere Songs schreiben kann als jeder derzeit überhypte neue Künstler. Das ist immer eine Herausforderung und hat ein bisschen was von einem Konkurrenzkampf. Wir können mittlerweile von der Musik leben. Zwar hauptsächlich durch Shows und Merchandise, aber das ist heutzutage generell härter, weil die Gagen immer weniger werden und die Leute weniger kaufen. Das ist aber nicht unsere Schuld, das ist die Weltwirtschaft.

Was bringt dich zu jeder Zeit auf den Boden der Tatsachen zurück?

Reiten ist meine Droge. Ich liebe es!

Welche Kunst beschreibt am besten Client?

Die Musik von Throbbing Gristle und Joy Division vermischt mit der Fotografie von Guy Bourdin passt sehr gut zu Client.

Das ist eine interessante Mischung. Was hörst du denn zurzeit so?

Glen Miller und schwedische Elektromusik. Ein komischer Mix, ich weiß!

Da möchte ich direkt wissen wie es nun mit Client weitergeht?

Wir werden uns ein Jahr frei nehmen, um dann mit einer neuen Veröffentlichung und Tour zurückzukommen!