Cheyenne – This Must Be The Place

Veröffentlichung  10. November 2011    Regie  Paolo Sorrentino    Darsteller  Sean Penn  Frances McDormand  David Byrne
Foto: Delphi
 IMDb-Wertung
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Auf den ersten Blick mag man sich fragen, was es wohl war, dass den zweifachen Oscar-Gewinner Sean Penn dazu bewogen haben könnte aus den ca. 40 Drehbüchern, die ihn Gerüchten zufolge monatlich erreichen, genau dieses zu Cheyenne – This Must Be The Place für sich auszuwählen. Denn zuerst einmal sieht Penn mit verkrustetem Lippenstift, butterbrotdickem Make-up und Zauselhaar schlichtweg albern aus.

Doch zunächst zum Inhalt: Auf der Höhe des Erfolges mit seiner Band „Cheyenne and the Fellows“ zieht sich Rocker Cheyenne (Sean Penn, Milk) aufgrund eines Schicksalsschlags aus dem Musikbusiness zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Jane (Frances McDormand, Fargo) bewohnt er nun eine Dubliner Villa, nur um dort Tag für Tag unschlüssig und zutiefst gelangweilt herumzuschleichen. Hin und wieder trifft er sich mit der 16-jährigen Mary (Eve Hewson, The 27 Club), um sich zusammen der stetigen Depression hinzugeben. Als der mittlerweile in die Jahre gekommene Goth jedoch von dem im Sterben liegenden Vater hört, reist er augenblicklich, nur mit seinem obskuren Trollykoffer bewaffnet, nach New York. Dort wartet aber zum Bedauern von Cheyenne nur noch der Leichnam des Vaters auf ihn, an welchem er am Handgelenk eine eintätowierte Zahlenfolge bemerkt. Cheyenne muss feststellen, dass er nach 30 Jahren des Schweigens kaum etwas über seinen Vater weiß und beschließt dessen Tagebücher näher zu betrachten. In diesen liest er vom dem innigen Wunsch des Vaters an einem Mann Rache zu nehmen, der ihn damals im Konzentrationslager schwerwiegend demütigte. Um sich seinem Vater verbundener zu fühlen und der Langeweile zu entkommen, nimmt Cheyenne die Nachfolge seines Vaters an und die Reise quer durch das amerikanische Hinterland beginnt.

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino (Il Divo – Der Göttliche) ermöglichte sich mit dem Roadmovie Cheyenne – This Must Be The Place genau wie seiner Hauptfigur auch als Tourist Amerika zu erkunden und erschafft damit eine ganz neue, erfrischende Sichtweise auf den Kontinent. Zudem führte Sorrentino zum ersten Mal bei einem vollständig englischsprachigen sowie außerhalb seines Heimatlandes gedrehten Film Regie. Bei dem Zweistünder treffen somit einige Besonderheiten aufeinander und so scheint es auch auf den zweiten Blick nicht weiter verwunderlich, dass Sean Penn sich der Rolle des einstigen Rockstars mit der gekrümmten Haltung angenommen hat. Nach nur einem Tag meldete er sich bei Paolo Sorrentino und teilte ihm seine Freude über das gelungene Drehbuch mit. Die einzig große Sorge des Schauspielers sei lediglich die Szene gewesen, in welcher er zu Iggy Pop – The Passenger in einem Hotelzimmer ausgelassen tanzen sollte. Sein Aussehen machte ihm da scheinbar weniger Sorgen. Doch neben dem grenzenlosen Wortwitz, den visuellen Kunstwerken und gleichzeitig hochdramatischen Momenten ist auch die skeptisch beäugte Tanzszene durch und durch grandios gelungen. Im Kontext betrachtet ergibt auch der düstere Aufzug von Penn in seiner Rolle als Cheyenne absolut Sinn und unterstreicht nur noch den bunten Facettenreichtum des Films. Das Sahnehäubchen setzte außerdem David Byrne (der auch in einer kleinen Szene des Films sich selbst spielen darf) von den Talking Heads dem Ganzen auf. Er half musikalisch aus, fügte gar eine Konzertszene mit geschmackvollem Bühnenbild hinzu und so kann der Zuschauer fast gar nicht anders als ganz beschwingt aus diesem mal tieftraurigen, dann wieder höchst amüsanten Film herausgehen und die Melodie von This Must Be The Place stundenlang vergnügt vor sich hinsummen.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  10. November 2011    Worte  533
Permalink  http://www.farbensportlich.de/cheyenne/    Farbe  #23272e
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