Chatroom

Veröffentlichung  24. Juni 2011    Regie  Hideo Nakata    Darsteller  Aaron Taylor-Johnson  Imogen Poots  Matthew Beard
Foto: Diaphana Distribution
 IMDb-Wertung
Foto: Diaphana Distribution

Manipulatives Drama mit vielen jungen Talenten

Die Macht eines Chatrooms ist gigantisch. Er verbindet unbekannte Menschen miteinander und schafft einen Ort, an dem man sich austauschen kann, der aber auch viele Gefahren birgt. Einen vertrauensvollen Umgang vorausgesetzt, bietet er allen Anwesenden die Gelegenheit sich von ihren Sorgen frei zu sprechen und von den Problemen im Alltag Abstand zu gewinnen. Welche Rolle einjeder dabei annimmt, obliegt allein den Grenzen der eigenen Fantasie. So entspricht aber auch das geschriebene Wort nicht zwangsläufig der Wahrheit. Ob und wie sich jemand verstellt, ist nicht immer offensichtlich. Der Film Chatroomlotet diese Dimensionen aus und schafft es durch eine fesselnde Geschichte und fünf erstaunlichen Darstellern zu verunsichern. Welche Identität nimmt man selbst im Netz an? Wie leicht sind die Handlungen anderer zu manipulieren? Und wie übertragen sich psychische Probleme von der analogen in die digitale Welt?

William (Aaron Taylor-Johnson) ist ein hilfsbereiter, einfühlsamer Mensch – zumindest online. In dem von ihm eröffneten Raum “Chelsea Teens” trifft er sich mit Jim (Matthew Beard), Eva (Imogen Poots), Emily (Hannah Murray) und Mo (Daniel Kaluuya), die allesamt ihre eigenen düsteren Probleme mitbringen. Die Gruppe findet schnell einen Zugang zueinander und unterstützt sich gegenseitig in der Bewältigung ihrer Sorgen. Mit der scheinbar perfekten Welt, in der sie Leben, kommen sie nicht mehr zurecht. So kommt es, dass es ihnen immer schwerer fällt zwischen Scheinwelt und Realität zu unterscheiden. Als William dann die Stellschrauben anzieht, wird deutlich das er nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Seine kalte, berechnende und manipulative Seele verfolgt finstere Motive. Williams Verlangen: Menschen sterben zu sehen. Darauf muss er lange hinarbeiten, doch wäre es nicht das erste Mal, das es ihm gelingen würde alle Freunde als ein Teil seines düsteren Plans einzuspannen, an dessen Ende jemand sterben wird.

Chatroom löst die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt konsequent aber subtil auf. Der Internetkultur entspringt diese ernstzunehmende Inszenierung, die mit ihrer mitreißenden Atmosphäre eine überzeugende Geschichte erzählt, dabei aber keine reine Kritik an den Grundsätzen der Onlinewelt äußert. Da selbst die Gespräche im Chat von Angesicht zu Angesicht geführt werden, wird der digitalen Unterhaltung eine hohe Bedeutung beigemessen. So verdichten sich alle Eindrücke für den Zuschauer zu einem eindringlichen Einblick in die menschliche Psyche. Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich dabei fernab von einer Nischenproduktion, so einfühlsam und glaubwürdig sind die Charaktere von Regisseur Hideo Nakata (Schöpfer der originalen The Ring-Reihe und Regisseur der US-Fortsetzung The Ring 2) in Szene gesetzt. Positiv fällt weiterhin auf, dass der talentierte Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson, der bereits durch Filme wie Kick Ass oder Nowhere Boy einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, die tiefgründige Story nicht allein tragen muss. Allen anderen Mimen, die ihre Sache ebenso großartig machen, bleibt ein ähnlicher Erfolg und ein baldiger Hauptrollen-Durchbruch nur zu wünschen.