Cédric Klapisch

   Film  Beziehungsweise New York    Veröffentlichung  01. Mai 2014    Darsteller  Romain Duris  Audrey Tautou  Cécile De France
Foto: Hella Wittenberg
 IMDb-Wertung
Foto: Hella Wittenberg

Nach dem erfolgreichen Barcelona für ein Jahr (2002) folgte drei Jahre später L’Auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg und nun findet die Trilogie über Freundschaft, Job und Liebe mit Beziehungsweise New York ihren gelungenen Abschluss. In seinem neuen witzigen, wie auch tragischen Werk befinden sich die von Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch erschaffenen Figuren mittlerweile in ihren 40ern und haben trotzdem noch jede Menge Probleme zu bewältigen. Für Xavier (Romain Duris) heißt das die Scheidung von Wendy (Kelly Reilly) auf eine erwachsene Weise durchzustehen. Als sie dann auch noch von Paris nach New York zieht, sucht auch Xavier sich schweren Herzens ein Apartment im Big Apple. Schließlich kann er als Autor überall auf der Welt schreiben und nur auf diese Weise weiterhin für seine zwei Kinder da sein, die bei Wendy und ihrem neuen Freund wohnen. Unterstützt wird Xavier, bei all den Neuerungen, von seinen Freundinnen Martine (Audrey Tautou) und Isabelle (Cécile De France). Cédric Klapisch lässt auch in diesem Film die altbekannten Charaktere wieder in voller Pracht aufleben und kann allein damit die Besucher der Premiere von Beziehungsweise New York bei der Berliner Französischen Filmwoche im Dezember 2013 überaus glücklich machen. Weiterhin verrät Klapisch im Interview mehr über seine Sorge um die Weiterentwicklung seiner Figuren, über wiederkehrende Musik und gibt Einblicke in seine einzig wahre Passion – das Filme machen.

Man konnte kürzlich über Sie lesen, dass Sie mehr machen wollen als nur Filme zu realisieren. Was meinen Sie damit?

Cédric Klapisch: Um als Regisseur etwas erschaffen zu können, muss man ständig die Kontrolle über alles haben und alles verstehen. Zukünftig möchte ich aber weniger Kontrolle übernehmen, um dadurch mehr Magie zu ermöglichen. Wie ein improvisierender Musiker, der nur das Thema als musikalische Leinwand hat und ansonsten die Dinge ihren Lauf nehmen lässt. Diese Herangehensweise kann viel kreativer und tiefgehender sein als das, was ich mir zuvor im Kopf überlegt hatte. Ich will also die Kontrolle darüber haben auch mal Dinge loslassen zu können.

Wie war diese Vorgehensweise in New York möglich, wo Sie doch einen äußerst strikten Zeitplan hatten?

Stimmt, den Units in New York musste ich bereits einen Monat im Voraus sagen, wo genau ich welche Szenen filmen wollte. Aber auch wenn ich zuvor exakt plante, versuchte ich die Dinge am Set explodieren zu lassen! (lacht) Ich wollte meine Meinung ändern können. Denn ich brauche die Spontanität des Moments und diese Frische, die Veränderungen mit sich bringen. Nur so kann ich wirklich kreieren und nicht nur stumpf das tun, was auf dem Plan steht.

In welchen Situationen wurden Sie verblüfft?

Ich wurde von Cécile De France verblüfft. In der Szene, in der ihre Figur Isabelle und Xavier die Bar verlassen und sie betrunken ist, pinkelt sie im Stehen. Sie wollte etwas Verrücktes machen und improvisierte. Cécile hat damit dem Moment mehr Leben einhauchen und das Geschriebene bereichern können. Insbesondere, weil die Zwei danach vor der Babysitterin stehen, die plötzlich zur Erwachsenen wird, während sich Isabelle und Xavier wie Kinder benehmen.

Treten Sie als Vater oder als Regisseur autoritärer auf?

Wahrscheinlich als Regisseur. (lacht) Oder vielleicht ist es auch das Gleiche? Drei Filme mit den gleichen Hauptdarstellern zu machen, fühlt sich ein bisschen so an wie eine Familie aufzubauen. Aber ich finde nicht, dass Strenge ein gutes Ziel ist. Wenn man die Dinge nicht zu aggressiv angeht, bekommt man bessere Resultate. Für mich hat es sich als effizienter erwiesen die Kommunikation anzutreiben als nur Forderungen zu stellen. Durch ein zu autoritäres Auftreten werden die Dinge nur steif und es läuft nicht so gut – ob mit Schauspielern oder Kindern. Aber wenn man Liebe und Offenheit ausstrahlt, entwickelt sich auch Vertrauen und damit kann man sehr viel erreichen.

Bei der Berliner Premiere von Beziehungsweise New York betonten Sie, dass Sie an Nostalgie nicht das Bedauern mögen würden.

Ja, Bedauern mag ich wirklich nicht. Klar, ich bin 52 Jahre alt und es gab ein paar tolle Dinge am 20 sein. Gerade physisch gesehen. Als 20-jähriger habe ich viel Sport gemacht. Jetzt habe ich ganz und gar nicht mehr den gleichen Körper und kann auch nicht mehr so schnell rennen wie früher. Das bedaure ich also schon. Aber in meinem neuen Film gibt es diesen Satz von Schopenhauer: man verliert etwas und gewinnt etwas. Und ich finde man gewinnt eine Menge mit dem Alter. Erfahrung zum Beispiel. Man hat weniger Ängste, weniger Probleme. In unserer heutigen Zeit wird zu wenig dafür geworben wie großartig es ist alt zu werden.

Was hat sich noch mit den Jahren bei Ihnen verändert?

Ich habe nicht mehr die gleiche Freude daran in Clubs zu gehen wie früher. Aber auch wenn ich ein paar großartige Nächte, tolle Momente mit Tanzen und anderen Verrücktheiten hatte, so fühle ich keine Nostalgie. Ich habe nun andere Freuden.

Was macht Sie glücklich?

Filme machen! Fast nichts gibt mir so viel Glück wie meine Arbeit. Es ist eine Passion. Obwohl es nicht der beste Part ist einen Film zu realisieren. Über das Projekt nachzudenken, Dinge zu erfinden, etwas mit den Schauspielern gemeinsam zu kreieren – das ist wirklich eine großartige Freude. Aber auch meine Familie, meine Kinder und Erfolg im Liebesleben machen mich glücklich. Das alles kann sehr intensiv sein. Nur ahnt man das als junger Mensch nicht. Da hat man lediglich Angst nicht mehr in den Club gehen zu können, weil das Kind am Morgen um sechs Uhr aufwacht und damit weiß man nicht umzugehen. Heutzutage ist so etwas doch gar kein Thema mehr.

Wie fühlt es sich an, wenn man – wie es bei der Premiere in Berlin der Fall war – dabei ist wenn andere Menschen zum allerersten Mal Ihren Film sehen und darauf reagieren?

Diesen Moment miterleben zu dürfen, ist wunderbar. Denn einen Film zu machen, fühlt sich oft so an als würde man sich auf einem Schlachtfeld befinden. Aber wenn man das Publikum lachen hört und sie mitfiebern sieht, ist es als ob die Anstrengungen wertgeschätzt werden. Es ist so schön die Schwierigkeiten, welche die Realisation eines Films mit sich bringt, gegenüber dem unangestrengten Schauen des Publikums zu sehen – wenn sie im Kino sitzen und einfach den Film genießen können, freut mich das sehr.

Waren Sie besorgt, dass Sie keine weitere Geschichte für Xavier, Martine, Wendy und Isabelle zu erzählen hätten?

Die gesamte Zeit des Schreibens und Drehens war das meine große Angst. Ich hatte Sorge, dass dieser Film weniger interessant sein könnte, weniger erfolgreich wäre und es weniger über die Menschen erzählen würde. Der Druck war also groß und deshalb war es auch umso schwieriger den Film zu machen. Aber jetzt, wo der Film existiert, bin ich sehr froh darüber, dass ich durch all diese Emotionen gegangen bin.

Wieso entschieden Sie sich dafür das musikalische Thema von Wiedersehen in St. Petersburg in diesem Film wiederkehren zu lassen?

Der Musiker brachte mich darauf, dass es spannend wäre die gleiche Gitarre und das Hauptthema wieder zu verwenden und es mit mehr Hip Hop anzureichern. Ich mag diese Art der Weiterentwicklung. Ähnlich bin ich auch bei den Charakteren vorgegangen. Ich habe mich gefragt, was heute anders ist. Ja, sie sind älter geworden. Manche von ihnen haben sich verändert, aber andere wiederum nicht.

Sind Sie ein Romantiker?

(lacht) Ja! Ich mag das Wort. Für mich heißt es: zu akzeptieren, dass man feinfühlig ist. Ich bin feinfühlig und das ist auch mein Job. Ich muss meinen Emotionen trauen können und muss dem vertrauen, was ich für emotional halte. In meinen Filmen mag ich es etwas Psychologisches mit Politischem zu mischen. Ich will die Beziehung von etwas sehr Intimen mit etwas, das zu einer ganzen Gesellschaft gehört, betrachten. Genauso wie die Beziehung von Menschen untereinander – die Unterschiede zwischen Mann und Frau und die gleichzeitige Anziehungskraft sind für mich ebenfalls romantisch.

Gab es Augenblicke beim Filmdreh, die Ihnen Gänsehaut bereitet haben?

Da fallen mir gleich zwei besondere Momente ein. Zum einen als Xavier in New York mit der Subway unterwegs ist und um ihn herum nur unzählige Gesichter von fremden Menschen zu sehen sind. Für mich zeigen diese Szenen das wahre New York. Die Mischung aus arm und reich macht die Atmosphäre der Stadt aus. So wurde ich beim Drehen ganz emotional, weil ich versuchen musste bei diesen komplizierten Szenen einen Rahmen für die vielen Gesichter zu finden und sie so zu formen. Zum anderen muss ich an die Szene denken, bei der Romain am Ende des Filmes über das Leben spricht. Da wurden wir auch sehr emotional. Uns wurde nämlich bewusst, dass es nicht nur das Ende von diesem, sondern von allen drei Filmen sein würde. Das Ende von einem Abenteuer, welches wir 13 Jahre lang zusammen durchlebten.

Sie könnten die Traurigkeit mindern, in dem Sie einen weiteren Teil an Beziehungsweise New York anschließen.

Vielleicht mache ich in zehn Jahren einen vierten Teil. Wer weiß das schon? Ich bin mir nur sicher, dass der nächste Film von mir in eine ganz andere Richtung gehen wird. Denn jede Lebensperiode hat ihren eigenen Geschmack. Es ist wie mit einem Urlaubsort, zu dem man immer wieder fährt, weil man weiß, dass man es dort gut haben wird. Aber vielleicht würde es woanders sogar noch besser sein. Das gilt auch für meine Filme. Mein nächster Film könnte zum Beispiel viel unterhaltsamer sein! (lacht) Jedenfalls schwanke ich im Moment zwischen vier verschiedenen Projekten und ich habe noch keine Ahnung welches gewinnen wird. Wenn ich am Anfang eines Films stehe, gehe ich nach Begierden. Ich schaue, ob es einen Ort gibt, an dem ich gerne drehen würde oder ein bestimmter Schauspieler beziehungsweise ein Subjekt, mit dem ich gern etwas machen würde. Dann stecke ich all diese Gelüste in eine Box und mache einen Film daraus. Doch im Augenblick habe ich noch vier Boxen und die Entscheidung für eine fällt mir schwer.

Hier findest du unser Interview mit Hauptdarsteller Romain Duris.