Carlos – Der Schakal
 

Von 330 unendlich langen Filmminuten kann man nur erwarten, dass dem Zuschauer die Zeit nicht zur Hürde oder gar zur puren Verschwendung der Lebenszeit gemacht wird. Der französische Regisseur Olivier Assayas erschafft mit Carlos – Der Schakal ein atemberaubendes Ausnahmewerk über den in den 70er bis 90er Jahre international agierenden Terroristen Ilich Ramirez Sanchez, der unter dem Codenamen Carlos handelte. Durch gut gewählte Musikstücke von Bands wie New Order oder auch The Wire, die sich an den temporeichen Polit-Thriller anschmiegen, gewinnt die teils fiktive Geschichte eine ganz neu fesselnde Brillanz. Neben dem hervorstechend grandiosen Hauptdarsteller Édgar Ramírez (8 Blickwinkel), der selbst dem Playboy-Image vom charismatischen Carlos gerecht wird, helfen auch teils wundervolle teils absolut wahnsinnige Frauenfiguren wie Nora von Waldstätten (Parkour) als Magdalena Kopp oder Julia Hummer (Gespenster) als Gabriele Kröcher über die epochale Filmlänge hinweg. Wem das nicht reicht, sei die DVD mit der Kinofassung, die sich auf lediglich drei Stunden beläuft, ans Herz gelegt. Denn ein Blick auf den rasanten Aufstieg von dem brutalen Carlos als Topterrorist durch den Angriff auf das OPEC-Hauptquartier sowie den plötzlichen Wandel zum fettleibigen Söldner sollte man auf jeden Fall riskieren. Assayas schafft es Zeit zu einer schnöden Worthülse werden zu lassen und als lang erweisen sich höchstens noch so manche Redepausen.

 
209 Wörter von Hella, 301 Tage alt