Captain Phillips

Veröffentlichung  14. November 2013    Regie  Paul Greengrass    Darsteller  Tom Hanks  Barkhad Abdi  Barkhad Abdirahman
Foto: Sony Pictures Releasing
 IMDb-Wertung
Foto: Sony Pictures Releasing

Am 08. April 2009 kaperten somalische Piraten das Container-Frachtschiff Maersk Alabama. Es hatte Hilfsgüter geladen und befand sich auf der Fahrt nach Mombasa, Kenia. Den bewaffneten Seeräubern gelang es um 7:30h Ortszeit das Schiff zu entern. Kurz zuvor wies Kapitän Richard Phillips seine 20 Mann starke Besatzung an sich versteckt zu halten. Um seine Crew zu schützen, bot er sich den Piraten als Geisel an. So begannen für ihn lange Tage der Angst und der Hoffnung auf Rettung.

Die Erinnerungen an diese Erlebnisse sind immer noch frisch. In den erst kürzlich erschienenen Memoiren Höllentage auf See, von dem Kriegsveteran Richard Phillips, der als erster US-Seemann von somalischen Piraten entführt wurde, schrieb er seine Gedanken zu der Odyssee nieder. Auch wenn sich sowohl Besatzungsmitglieder als auch Piraten von seinem Werk distanzierten, sah der Regisseur Paul Greengrass (Das Bourne Ultimatum) darin eine heroische Vorlage für einen Film.

The confrontation between Phillips, who is part of the stream of global economy, and the pirates, who are not, felt fresh and new and forward-looking to me. The stand-off between Phillips and Muse is thrilling high seas siege, but one that speaks to the larger forces shaping the world today. (Paul Greengrass)

Zum Inhalt: In Vermont nehmen die Ereignisse ihren Lauf als Richard Phillips (Tom Hanks, Cloud Atlas) sich von seiner Frau Andrea (Catherine Keener, Being John Malkovich) verabschiedet, während in Somalia der ehemalige Fischer Muse (Barkhad Abdi) nach Freiwilligen sucht, um eines der vielen Schiffe zu überfallen, die das Horn von Afrika passieren. Erst auf See werden sich ihre Wege kreuzen. Phillips verantwortet als Kapitän eines dänischen Containerschiffes 17.000 Tonnen Frachtgut und befindet sich eigentlich auf einer Routinetour, bis ein kleines Motorboot auf dem Radar auftaucht. Machtlos muss die unbewaffnete Mannschaft zusehen, wie Muse und drei weitere Somalis schließlich das Schiff sowie die Brücke besetzen. Doch der erhoffte Fang bleibt aus: die Eindringliche erbeuten kaum Geld und beschließen kurzerhand Phillips zu kidnappen und später gegen ein hohes Lösegeld einzutauschen. Im genauso langsamen wie winzigen Rettungsboot treten sie den Rückzug an. Die Distanz bis zur Küste beträgt mehrere hundert Kilometer und die Fahrt wird Tage dauern. Schon bald liegen die Nerven der Seeräuber blank und die Situation droht zu eskalieren. Zudem sind die Entführer von der US-Marine eingeholt worden und von drei Kriegsschiffen umzingelt. Phillips ist, trotz der Nähe zu den Rettungskräften, noch immer in großer Gefahr. Denn ein Versuch die bewaffneten Piraten auszuschalten, kann nur bei der gewährleisteten Sicherheit von dem Kapitän gewagt werden.

Für Greengrass gehörte es zu den härtesten Aufgaben seiner Karriere derart komplizierte Szenen auf offener See zu koordinieren:

To put that on water is a monumental logistical endeavor. You’ve got dozen and dozen of boats, and then you have to have safety boats. The production was like a flotilla, and I felt like the admiral of a fleet.

Er ist weiterhin bemüht der erklärten Heldenfigur Phillips einen ebenso nachvollziehbares Feindbild gegenüber zu stellen, welches sich aus bitterer Armut, Hunger und Unterdrückung heraus entfaltet hat. Der Versuch, den Piraten Gerechtigkeit in der Darstellung zukommen zu lassen, geht letzten Endes auch für den Zuschauer auf. Ihren Handlungsmotiven wird genügend Platz eingeräumt, um ein Gefühl für die vier Männer zu entwickeln und gerade dadurch entsteht auch die Kraft, welche in Paul Greengrass’ Captain Phillips liegt. Der Versuch ein so großes Frachtschiff ohne Aufsehen einnehmen zu können, ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Diese Verzweiflung, in dem Akt, es trotzdem zu tun und auch in dem Handeln des Kapitäns, hält den Betrachter gebannt über die gesamte Dauer von 134 Minuten im Kinosessel. Tom Hanks gelingt es zudem die Rolle des Kapitän Phillips nuanciert zum Leben zu erwecken. Er präsentiert einen starken Charakter, der es aufgrund seines Mutes und seines Handlungsgeschicks schafft der Hölle zu entkommen.

So ist Captain Phillips ein überaus eindringliches wie vor Aktualität strotzendes Werk (erst nach diesem Zwischenfall wurde privates Wachpersonal auf den Frachtschiffen zugelassen und verhinderte wenige Monate später einen erneuten Versuch von Piraten sich Zugang zur Maersk Alabama zu verschaffen), dass dem Zuschauer, trotz der Ferne zu der Thematik, durch und durch gehen wird.