2011 ist das Jahr der Comic-Verfilmungen und Superhelden. In welchem Maße kann das wohl 2012 mit heroischen Superlativen wie The Avengers, The Dark Knight Rises oder auch The Amazing Spider-Man übertreffen? Zunächst werden spannende neue Charaktere eingeführt, wobei Captain America als Erster in den Ring der größten Retter der Nationen steigt, um sein Können unter Beweis zu stellen. Was vom Titel ziemlich hoch stapelt, beginnt mehr als klein. Denn der aus Brooklyn stammende Steve Rogers (Chris Evans) fällt durch seinen schmächtigen Wuchs nirgends auf, und schon gar nicht bei den Frauen. Doch das scheint seine geringste Sorge zu sein, möchte er doch zum Anfang des Zweiten Weltkrieges auch zur Armee und seinen kleinen Körper Amerika voll und ganz zur Verfügung stellen. Von allen ausgelacht, sieht nur Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) wirkliches Potential in ihm. Denn mit seiner gutherzigen Art und dem Motto niemals aufzugeben, erweist er sich als perfekte Testperson für ein geheimnisvolles Serum, welches solch einen Schwächling wie Rogers es ist in einen muskelbepackten Überkämpfer verwandeln kann. Nachdem das Experiment unter den wachenden Augen Colonel Chester Philips (Tommy Lee Jones) geglückt ist, stapeln sich schon längst die Probleme – hauptsächlich verursacht von Johann Schmidt (Hugo Weaving), der sehr bald seine Maske ablegen und mit seiner Hydra-Vernichtungswaffe zum Oberfiesling Red Skull mutieren wird.
So weit, so gut. Lässt sich die Thematik in wenigen Sätzen herunter brechen, vermag es doch einen Großteil der zwei Stunden Filmlänge für sich zu vereinnahmen. Darauf folgen Kampfszenen im Kostüm mit gestählter Brust  und ernstem Gesichtsausdruck, mächtige Explosionen sowie das Beweisen von der Macht Amerikas. Jedoch kommt dies nach der schnarchigen ersten Hälfte des Abenteuers viel zu kurz. Außerdem kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass Captain America nicht gerade der Hellste ist und das wirkt umso ermüdender. Vielmehr stellt sich Howard Stark (Dominic Cooper) als Drahtzieher hinter den wichtigen Innovationen dar. Wo Rogers nur der Flagge dient, behält Stark das große Ganze scharfsinnig im Blick und auch bei den Frauen scheint er um einiges besser voranzukommen. Aber das kennt man ja bereits aus den beiden Iron Man Teilen, wo einem sein Sohn Tony im stählernen Anzug begegnet, und genauso amüsant ist diese Nebenfigur anzuschauen.
Regisseur Joe Johnston (The Wolfman) hat sich alle Mühe gegeben, die Entstehung des ersten Rächers detailliert zu zeigen. Nur wirkt es so als hätte er darüber hinaus ein wenig die wirkliche Action vernachlässigt. Ob die großen Kämpfe oder auch die Liebesbeziehung zwischen Rogers und Peggy Carter (Hayley Atwell): hier ist einiges viel zu kurz gekommen und man kann nur hoffen, dass Captain America in der Jetztzeit einen weniger hinterwäldlerischen Anschein erweckt.