Buried – Lebend begraben

 
Kino 05. November 2010
 
Buried – Lebend begraben
 

Du Amerikaner. Dann du Soldat.

Ich kenne zugegebener Maßen nicht viele Filme, die in einer Kiste gedreht wurden. Buried – Lebend begraben gehört jetzt dazu. Was kann sowas kosten? Wahrscheinlich nicht viel. Bleibt mehr für den Hauptdarsteller (Ryan Reynolds), der im nächsten Jahr so richtig durchstarten wird. Wer auf Superhelden steht, wird an ihm nicht vorbei kommen (lies unsere Rezension zu Green Lantern). Nun zum Film…

Im Jahr 2006. Der stinknormale amerikanische Truckfahrer Paul Conroy (Ryan Reynolds), der wegen seines Berufes seit geraumer Zeit im Irak damit beschäftigt ist Hilfsgüter zu transportieren, wurde entführt. Sein LKW-Konvoi wurde angegriffen und fast alle Kollegen erschossen. Und genau hier setzt der Film an, denn Paul wacht gefesselt und lebend begraben in einem Sarg tief unter der Erde auf. Bei sich trägt er nur ein Feuerzeug, einen Stift und ein fremdes Handy, dessen Akku schon zur Hälfte runter ist. Beklemmende Todesangst! Dieses Szenario setzt bei den meisten sicherlich einige tiefsitzende Urängste frei.
Geisteslos ruft er eine Nummer nach der nächsten an, während ihm niemand so richtig Glauben schenkt und er immer weiterverbunden wird. Warteschleifen können in dieser Situation ganz schön ätzend sein. So robbt er sich lange Zeit von der einen Seite auf die andere um nach dem besten Handyempfang zu suchen (unter der Erde?!) und kritzelt diverse Durchwahlnummern an die Wand. Sehr effektiv is das nicht. Doch auch die Handlung wird vorangetrieben. Nach dem ersten Gespräch mit seinen Entführern wird eine Lösegeldforderung in Höhe von 5 Millionen Dollar ausgesprochen. Wie Paul diese organisieren soll? Mit dem Handy. Andernfalls bleibt er da wo er ist (Motiv des Films). Nun ruft er überall an, wo er es vorher noch nicht probiert hat. Unter anderem versucht er verzweifelt seine daheim gebliebene Frau Linda an das Telefon zu kriegen. Als Zuschauer merkt man, dass die beiden nicht ganz glücklich auseinander gegangen sind. Später soll er die Lösegeldforderung mit dem Hand selbst auf Video aufnehmen, sie ins Netz stellen und seine Regierung damit zwingen zu bezahlen. Doch diese rät Paul davon ab sich zu filmen. Sie können nicht noch ein weiteres Geiselvideo auf Al Jazeera gebrauchen. Eine wenig erbauliche Äußerung. Die Bedrohung unter der Erde spitzt sich zu und Paul kommt seinem Ende mit jedem Atemzug ein Stück näher.

So einen Film wie Buried – Lebend begraben muss man einfach auf sich wirken lassen… dann bekommt er auch eine gewisse Tiefe. Andernfalls höhrt man einfach nur viel Herumgestöhne. Trotzdem wirft Buried, man glaubt es kaum, durch die vermittelte Eindimensionalität der vielen Telefon-Dialoge auch einige sozial-kritische Probleme im Umgang mit Menschen in Extremsituationen auf. Am Ende gibt es nämlich dann doch nicht nur die guten Amerikaner und die bösen Terroristen.
Die schauspielerische Leistung liegt während des ganzen Films auf den Schultern des einzigen Schauspielers (Ryan Reynolds). Dieser gibt sich größte Mühe und liefert eine bewegende Ein-Mann-Show ab. Aber weil man sehr viel Zeit hat sich an seine klaustrophobische Erscheinung zu gewöhnen, nutzt sich das leider etwas ab. Filmisch bedient sich Buried an verschiedensten Elementen hochgelobter Filme des Genres. Darunter die Schonungs- und Ahnungslosigkeit von SAW 1 und die Ein-Schauplatz-Dramaturgie von Nicht auflegen! Während Buried über weite Strecken gut hätte nebenbei betrachtet werden können, fesselt einen das Ende doch noch einmal in vollen Zügen! Und eines muss man dem Film schließlich zu Gute halten: er hat es einfach durchgezogen. Ohne wenn und aber. Ein Mann, sein Feuerzeug und sein Sarg.
Am Ende blieb mir selber ein wenig die Luft weg.

 
550 Wörter von David, 561 Tage alt