Bob, der Streuner

   Regie  Roger Spottiswoode    Darsteller  Luke Treadaway  Ruta Gedmintas    Hinweis  Seit 08. Mai digital erhältlich, ab 18. Mai auf DVD & Blu-ray
Foto: Concorde Filmverleih
 IMDb-Wertung
Foto: Concorde Filmverleih

Mit Katze und Gitarre gegen die Drogensucht

London macht es Hilfsbedürftigen nicht leicht sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Bob, der Streuner erzählt die wahre Geschichte eines Straßenmusikers, der eine zweite Chance bekam.

James (Luke Treadaway) fehlt es an Perspektive. Die Tage verbringt er musizierend in den Einkaufsstraßen der britischen Hauptstadt und die Nächte erlebt er meistens im Drogenrausch. Erst ein Aufenthalt im Krankenhaus soll ihm die Augen öffnen. So kann es nicht weitergehen! Die ihm zugeteilte Sozialarbeiterin (Joanne Froggatt) weckt in ihm schließlich wieder so etwas wie Zuversicht. Sie verspricht ihm eine eigene Wohnung, wenn er sich nur an ein striktes Anti-Drogen-Programm hält. Dazu zählen regelmäßige Sprechstunden bei ihr, eine schrittweise Ausnüchterung und ein stabiles Lebensumfeld. James ist überglücklich, dass wieder jemand Vertrauen in ihn hat. Bereits am ersten Tag in seiner neuen Wohnung freundet er sich auch schon mit einer Streuner-Katze an. Beide sind sofort ein Herz und eine Seele. Doch Bob, so der neue Name für die Katze, bringt lauter unerwünschte Probleme in James’ Leben. Woher das Futter nehmen? Wie die dringend benötigte Medizin bezahlen? In der Warteschlange vom Tierarzt ist der erste Termin im Sozialamt schnell verpasst und James droht sich erneut zu verrennen. Doch Bob entpuppt sich als wahrer Zuschauermagnet in der Fußgängerzone. Die Menschen finden Gefallen an dem ungewöhnlichen Gespann und die Spenden in seinem Gitarren-Koffer werden mehr und mehr. Fügt sich für ihn trotz anfänglicher Organisationsprobleme doch noch alles zum Guten?

Der Glaube an die Menschen

Der englische Sozialstaat ist längst nicht so geordnet wie der deutsche. Wer ohne feste Bleibe auf der Straße sitzt, hat eigentlich keine Chance auf Betreuung oder Unterstützung. In Bob, der Streuner geht es um diese Existenzängste, kleine Gesten und zweite Chancen. Erzählt wird die tatsächliche Geschichte von James Bowen. Jahrelang wusste er nicht, wo er seine nächste Mahlzeit herbekommen sollte. Erst mit Kater Bob (im Film gespielt vom echten Bob) an seiner Seite fand er schließlich ins Leben zurück. Gemeinsam gingen sie morgens zur Arbeit und beim Musizieren nahm Bob entweder auf James Schulter oder der Gitarre selbst Platz. So wurden auch Passanten auf ihr Schicksal aufmerksam. Sie schenkten James und dem Tier Essen und eine Frau strickte Bob sogar einen eigenen Schal. Diese kleinen Gesten weckten in James den Glauben, dass er noch nicht verloren sei. Als auch ein Reporter über seine Geschichte berichtete, wurden die beiden von heute auf morgen stadtbekannt.

Aus der Katzenperspektive erzählt

Es heißt, dass man hin und wieder einen anderen Blickwinkel einnehmen muss, um seine Situation richtig beurteilen zu können. In Bob, der Streuner hilft die Kamera dabei die Welt von James und Bob speziell aus Katzensicht zu betrachten. Wir sehen durch Bobs Augen, wie er eine Maus jagt oder durch das Gras schleicht. Dieser Kniff macht aus dem einfühlsamen Sozialdrama auch visuell ein echtes Film-Highlight. Das ziellose Herumstreunern erlangt durch den Perspektivwechsel eine völlig neue Bedeutung. Es steht dafür, nicht zu wissen, wo man hingehört. Und es wendet den Blick auf die Außenseiter der Gesellschaft. James’ rührende Reaktion auf fließend-heißes Wasser in seiner eigenen Wohnung gehört schon jetzt zu den Filmmomenten, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Bob, der Streuner schafft es mit kleinen Alltagsmomenten wie diesen darauf aufmerksam zu machen, dass im Leben einfach nichts selbstverständlich ist. Weder das Dach über dem Kopf, noch der volle Kühlschrank.

Die Chemie zwischen Schauspieler Luke Treadaway und Kater Bob stimmt einfach. Ihre gegenseitige Abhängigkeit zieht sich als starkes Motiv durch den ganzen Film. Dank Perspektivwechsel werden einem sowohl die menschlichen, als auch die tierischen Bedürfnisse im Leben näher gebracht.

 

Video

 

Empfehlen

Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  15. Mai 2017    Worte  583
Permalink  http://www.farbensportlich.de/bob-der-streuner/    Farbe  #103bb6
Farbensportlich.de ist das Magazin-Portfolio von Hella Wittenberg und David Streit. Seit 2006 präsentieren wir hier unsere Fotografie, stellen die neuesten Filme in Kino und Heimkino vor, führen Interviews mit Künstlern und mehr. Folge uns auf Facebook, Instagram oder auf Twitter, um keine Einträge mehr zu verpassen. Abonniere uns auch auf Tumblr und Pinterest für deine tägliche Inspirationsdosis. Bleib farbensportlich — Hella & David