Björk “Bastards”

Veröffentlichung  23. November 2012
Foto: One Little Indian Foto: One Little Indian

Ein Jahr ist es her, dass uns Björk mit Biophilia einen weiteren musikalischen Denkanstoß schenkte. Neue Sphären, Farb- und Tonwelten erschlossen sich mit jedem Hörversuch ihres achten Solo-Albums. Die Isländerin verdeutlichte wieder einmal, dass sie gegen den Strom schwimmt, ohne sich eine Avantgardistin zu nennen und sorgte damit für blasse Gesichter.

Nun kommt mit Bastards ein Remix-Album des noch so frischen letzten Werkes auf den Markt und man kann sich nicht einmal sicher sein, ob man die zehn Songs, so wie sie da als Statement unserer Zeit standen, überhaupt schon richtig verdaut hatte. Denn wenn eines sicher ist, dann, dass Björk alles aber keine seichten Popsongs für die Öffentlichkeit formuliert.

Bastards ist auch gleich mal um drei Stücke länger als das Original. Wenn man denn überhaupt von so etwas wie einer Ursprungsversion sprechen kann. Denn hier wird zerstückelt, zerstört, zerschnitten und das Puzzle falsch herum zusammengefügt. Ein roter Faden ist dabei aber nicht vorhanden. Dies wird allein bei dem Opener „Crystalline“ in der Omar Souleyman Bearbeitung deutlich. Plötzlich klingt Björk nicht mehr typisch nordisch, unterkühlt und wirbelsturmartig zugleich. Ihrem Sound wird eine allumfassende orientalische Wärme zur Seite gestellt, die interessanter nicht sein könnte. Ein ähnlich verschrobener Genuss stellt „Thunderbolt“ von Omar Souleyman dar. Des Weiteren sind u.a. These New Puritans, Matthew Herbert und Death Grips mit eigenwilligsten Soundspielereien vertreten. Und spätestens mit dem elften Lied „Solstice“ im Current Value Remix gibt es den unvermeidlichen Skrillex-Verweis. Surrende Bässe, ausgedehnte Verzerrungen und eine Stimme mit ordentlich Hall drauf. Zum Tanzen ist das trotzdem nichts. Denn Björk bedient ja nicht die Massen und deshalb müssen das auch die Remixe nicht tun. Damit wäre auch klar gestellt, dass Bastards etwas für Liebhaber ist (sowie für Anhänger ihres nuancenreichen Stimmorgans, das trotz all des klanglichen Durcheinanders stets im Vordergrund steht) und nicht als Best-of-Kollektion missinterpretiert werden sollte. Vielmehr wird erneut offenbart, dass man Musik, ihre Musik, nicht einordnen kann und die Gute wahrscheinlich nur ein Traum ist. Oder vom Mars.