Man mag kaum glauben, dass es sich bei dem Justizdrama um eine reale Begebenheit handelt. Die Charaktere wirken oft zu oberflächlich, wenig Identifikationsfläche ist überhaupt vorhanden – und das bei solch einem bewegenden Thema. Die Bilder sind zu rührselig, das Ende gar vorhersehbar. Denn Betty Anne Waters, die gemeinsam mit ihrem Bruder eine schwere Kindheit durchgestanden hat, kämpft sich nun ein weiteres Mal aus der Misere heraus. Obwohl sie zuvor nicht einmal einen Schulabschluss vorweisen konnte, bestreitet sie für ihren Bruder schließlich sogar das Jurastudium mit Bravur, lernt dabei die patente Kommilitonin Abra Rice (Minnie Driver) und somit eine Freundin für’s Leben kennen. Auch durch ihre eigene Familie gestärkt, hilft sie über fast zwanzig lange Jahre hinweg ihrem draufgängerischen Bruder sich dem Weg aus dem Gefängnis zu nähern. Doch dieser verzweifelt zusehends, verliert mehr und mehr die Hoffnung – wie auch der Mann von Betty, der sehr bald zusammen mit den Kindern das Weite sucht. Aber nichts, wirklich nichts, kann die stoische Frau von ihrem Lebenspfad abbringen.
Im Besonderen die Nebendarsteller wissen die flache Hollywoodstory aufzupolieren, die selbst das eigentlich tragische wahre Ende, nämlich Kennys Tod in Folge eines Unfalles kurz nach der Entlassung, durch ein Happy End zu glätten. Sam Rockwell heimste als Rüpelbruder ordentlich Lob ein für seine überragende Darstellung, genauso wie auch Melissa Leo als harte Polizistin und Juliette Lewis als durchgeknallte Ex von Kenny ein Augenschmaus schlechthin sind. Denn durch ihr Können schleicht sich am Ende doch so etwas wie Mitgefühl ein, bei solch einer alles überdauernden Geschwisterliebe. Nie konnte Betty Anne Waters mit Sicherheit wissen, ob sich Kenny am Ende nicht doch selbst schuldig gemacht hatte, aber ihr unbeirrbarer Glauben bezwang jegliche Hürde. Und so funktioniert Goldwyns Story doch als ein äußerst spannender Film, der ganz ohne Lückenfüller auskommt und somit sich perfekt für einen gemütlichen Heimkinoabend eignet.