Berlin Syndrom

Veröffentlichung  25. Mai 2017    Regie  Cate Shortland    Darsteller  Teresa Palmer  Max Riemelt
Foto: MFA+ FilmDistribution
 IMDb-Wertung
Foto: MFA+ FilmDistribution

Wenn der Urlaub zum kompletten Horrortrip wird

Neue Länder, neue Sitten: Herumzureisen und dabei viele spannende Kulturen und Menschen kennenzulernen, hat schon viel Gutes. Doch dieser Film hat sich nur auf das Schlechte eingeschossen.

Die Australierin Clare (Teresa Palmer) verschlägt es bei ihrem ausgedehnten Urlaubstrip nach Berlin. Hier will sie eigentlich nur ein paar Tage verweilen. Doch als sie auf den Englischlehrer Andi (Max Riemelt) trifft, überlegt sie es sich noch mal anders. Er fasziniert sie und schließlich verbringt sie viel Zeit mit ihm. Aber aus der romantischen Zweisamkeit entwickelt sich schnell der komplette Horror. Denn während Max sich tagsüber auf Arbeit befindet, hält er Clare in seiner Wohnung fest. Immer mehr muss die Touristin einsehen, dass sie die Gefangene eines Wahnsinnigen ist. Die Fenster sind schusssicher, die Tür doppelt und dreifach verschlossen und Andi selbst mit einem Mal eiskalt. Wie soll sie da nur wieder heil herauskommen?

Von der Freundin zur Geisel

Der Ton ändert sich rasant in Berlin Syndrom. Genauso wie die Farben. Erst sehen wir Berlin und die Gegend rund ums Kottbusser Tor in warmen Farben. Wir erleben Gastfreundlichkeit, Multi-Kulti und nachdenkliche Sonnenaufgänge. Je länger Andi im Bild ist, desto kälter, blau-gräulicher werden auch die Farben. Tatsächlich schafft es die Regisseurin Cate Shortland (Lore, Somersault) trotz der dramatischen Entwicklung dann noch eine visuell poetische Bildsprache beizubehalten. Das Kammerspiel, in dem es nur noch um die panische Geisel und den Täter geht, hat viele beeindruckende Szenen zu bieten. Die Filmemacherin bleibt stets nah an ihren beiden Protagonisten dran, so dass sie mehrdimensional und einnehmend wirken, selbst wenn sie kaum sprechen. Dennoch kann nicht die Rede von einem tiefgründigen Film sein.

Schwer nachvollziehbar

Sobald die Falle zugeschnappt hat und Clare mit Kabelbinder ans Bett gefesselt und zum Bleiben gewaltvoll gezwungen werden muss, ist der Reiz von der ersten Ungewissheit, wohin der Film einen führen wird, vorbei. Shortland lässt sich kaum neue, innovative Kniffe einfallen. Wir sehen Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit, Manie und einen vollkommen erzwungenen Pärchenalltag. Und das immer und immer wieder. Warum es Andi gerade auf Clare abgesehen hat, bleibt dabei unklar. Generell ist Andi ein Rätsel und es wäre doch wirklich spannend, würde man im Laufe des Films mehr über ihn erfahren können. Nur kratzt Berlin Syndrom an dieser Stelle an der Oberfläche. Das Hauptaugenmerk liegt eben auf der bizarren Liebesbeziehung, die er Clare aufdrängt. Aber auch wenn dieses kranke Miteinander gezeigt wird, fühlt es sich wie eine Aneinanderreihung von Klischees an. Die Bilder stimmen und könnten genauso gut eine eigene Ausstellung in einer hübschen Galerie bekommen. Aber bei der Handlung hätte es dringend noch mehr Handlungsbedarf gegeben.

Berlin Syndrom ist visuell wunderschön, aber inhaltlich gleich doppelt belastend: Zum einen verhagelt einem dieses drastische Geiseldrama die Lust auf einen Städtetrip allein und zum anderen ist es frustrierend mit anzusehen, mit wie wenig Inhalt sich Regisseurin Cate Shortland zufrieden gegeben hat.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  25. Mai 2017    Worte  465
Permalink  http://www.farbensportlich.de/berlin-syndrom/    Farbe  #1a266c
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