Ben Hur

Veröffentlichung  12. Januar 2017    Regie  Timur Bekmambetov    Darsteller  Jack Huston  Toby Kebbell  Morgan Freeman
Foto: Paramount Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Paramount Pictures Germany

Wenn aus unzertrennlichen Brüdern plötzlich
Todfeinde werden

Groß, größer, Ben Hur: Das Remake kennt keine Zurückhaltung. Alles ist extrem und überdramatisch. Es gibt nur Schwarz oder Weiß, Liebe oder Hass. Und diesen Film wird man definitiv hassen.

Es gab eine Zeit, in der waren der jüdische Prinz Judah Ben Hur (Jack Huston) und sein römischer Adoptivbruder Messala Severus (Toby Kebbell) beste Freunde. Das war im Jahr 25 nach Christus. Doch je älter die beiden werden, desto mehr verlieren sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Berufungen aus den Augen. Beim Wiedersehen, Jahre später, hält sich die Freude bei den erwachsen gewordenen Männern in Grenzen. Messala verspottet seinen früheren Freund und dessen Religion. Er sorgt sogar dafür, dass er zusammen mit seiner Familie auf einem Sklavenschiff landet. Unglaublicherweise überlebt Ben Hur den Schiff-Horror. Danach sinnt er nur noch nach Rache. Und das Wagenrennen in Rom ist genau der richtige Ort für diesen Vergeltungsschlag.

Das Casting-Problem

Krasse Wagenrennen, gemeinste Intrigen und große Gefühle: Ganze elf Oscars konnte Ben Hur im Jahr 1959 einheimsen. Damals spielte Charlton Heston den Mann im Zwiespalt mit Bravur. Jetzt stellt man mit Jack Huston ein überraschend unbekanntes Gesicht als neuen Ben Hur vor. Dieser zeigte in Nicholas SparksKein Ort ohne Dich seine romantische und in American Hustle als Mafiosi seine fiese Seite. Aber er taugt wenig als sagenumwobener Held, der vor fast 140 Jahren kreiert wurde. Dafür reicht sein Charisma einfach nicht. Auch Morgan Freeman wirkt als Scheich Ilderim fehlbesetzt. Er bietet in den gesamten zwei Stunden nur einen, müden Gesichtsausdruck. Sein Auftreten überzeugt nicht. Toby Kebbell gibt sich als Antagonist Mühe – das ist deutlich sichtbar. Nur wird eigentlich von einem Schauspieler erwartet, dass er sein Metier so beherrscht, dass ihm jegliche Anstrengung nicht mehr anzusehen ist, oder? Doch nicht nur das Casting ging bei Ben Hur komplett in die Hose.

Was läuft hier falsch?

Dass bei den wilden Rennen GoPro-Kameras genutzt wurden, klingt erst einmal vielversprechend. Auch in den Trailern zu Ben Hur machten die schnellen Schnitte und die Nahaufnahmen bei den Actionszenen Lust auf einen Kinobesuch. Aber schließlich kann der Film überhaupt nicht halten, was er versprochen hat. Auf Dauer wirken die Kameraführung und insbesondere die Effekte dilettantisch. Nicht einmal im Ansatz kommt die Neuverfilmung an frühere Adaptionen der Erzählung von dem US-Schriftsteller Lew Wallace von 1880 heran. Auch dank der absolut platt dargestellten Auseinandersetzungen (also: Bruder gegen Bruder, Sklave gegen Imperium) macht sich Ben Hur von Regisseur Timur Bekmambetov (Wanted, Wächter der Nacht) selbst überflüssig. Und obendrauf fühlt es sich mal wieder so an, als würde Hollywood die Intelligenz der Kinogänger völlig unterschätzen. Also bitte: Man darf uns ruhig mit spannenden Twists, mehreren Handlungsebenen und einem etwas ernsthafteren und weiter gedachten (!) Schluss konfrontieren!

Das Remake bleibt komplett hinter den Erwartungen zurück. Die Schauspieler versprühen keinen Charme und die Dialoge sowie die gesamte Geschichte bewegen sich auf einen ganz, ganz niedrigen Niveau. Aber das Schlimmste sind die Effekte. Sie sind billig und schludrig umgesetzt. Wer hat eigentlich die Notwendigkeit darin gesehen, eine Neuauflage des Klassikers auf die Schnelle und so völlig lieblos zusammenzubasteln?

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  11. Januar 2017    Worte  501
Permalink  http://www.farbensportlich.de/ben-hur/    Farbe  #2e2118
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