Barney’s Version

Veröffentlichung  17. November 2011    Regie  Richard J. Lewis    Darsteller  Paul Giamatti  Rosamund Pike  Minni Driver
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Richard J. Lewis (CSI – Den Tätern auf der Spur) folgt in seinem humorvollen Drama Barney’s Version drei Jahrzehnte lang dem buckeligen Leben des zynischen Schwerenöter Barney Panofsky (Paul Giamatti, Sideways). Was zu Beginn noch reizvoll und spannend anmutet, plätschert ab der zweiten Stunde leider etwas zu schlangenlinienförmig vor sich hin.

Barney ist ein rundlich reicher Fernsehproduzent, der sich gern mal einen hinter die Binde kippt und dabei reichlich Zigaretten raucht. Sein lasterhaftes Leben wird von schönen Frauen geprägt – ganze drei Ehen kann der bärtige Griesgram in seiner Vita aufweisen. Doch seine Vollzeit-Obsession ist neben dem kanadischen Hockey nur die liebevolle Miriam (Rosamund Pike, An Education). Wegen ihr lässt er zuerst seine überdrehte Ehefrau (Minni Driver, Good Will Hunting) ohne mit der Wimper zu zucken auf der eigenen Hochzeit stehen, um letztlich Miriam zur Frau Nummer 3 zu nehmen und mit ihr Kinder in die Welt zu setzen. Aber so richtig zur Ruhe möchte er trotzdem nicht kommen. Barney Parnofskys Leben hält so einige dunkle Irrungen und Wirrungen bereit. Das mysteriöse Verschwinden seines besten Freundes Boogie (Scott Speedman, Underworld) gehört mit Sicherheit auch dazu. Denn Barney kommt als Täter in Frage und ein autobiografisches Buch seines Erzfeindes stellt die Ermordung Boogies durch Barneys Hände gar als Fakt dar. Alles scheint gegen ihn zu sprechen. Doch er nimmt allen Mut zusammen, um nun endlich reuevoll seine Version der Dinge mitzuteilen.

Die Adaptation des 1997er Romans von dem kanadischen Autor Mordecai Richler versuchte sich daran ein 400 Seiten schweres Buch auf 134 Minuten Film unterhaltsam herunter zu brechen. Auch wenn Richard J. Lewis zum Ende hin immer lustloser ans Werk gegangen zu sein scheint, blieb zum Glück der schwungvolle Witz größtenteils erhalten, dem man im Besonderen bei dem Hauptakteur Paul Giamatti als Barney zu spüren bekommt. Für seine Performance als alternder Grummel gewann er gar den Golden Globe in diesem Jahr. Dazu kann man nur zustimmend nicken, denn kein Ben Stiller oder Adam Sandler hätte so überzeugend und fies die komödiantischen wie auch die tragischen Elemente von Barney’s Version hervorheben können. Zu jeder Zeit gesteht man der ambivalenten Figur auch immer noch ein Fünkchen Sympathie zu. Dies sieht auch Lewis so, der sich dadurch umso stolzer über seinen Spielfilm zeigt, der dem Zuschauer wieder einmal die unendlich vielen Möglichkeiten eines ausfüllenden Lebens in buntester Farbe ausmalt.