Barfuß auf Nacktschnecken

Veröffentlichung  05. Mai 2011    Regie  Fabienne Berthaud    Darsteller  Diane Kruger  Ludivine Sagnier  Denis Ménochet
Foto: Alamode Film
 IMDb-Wertung
Foto: Alamode Film

Bereits 2005 konnte man Diane Kruger (Inglourious Basterds, Troja) in dem Drama Frankie, über ein Model am Ende ihrer Karriere, von Fabienne Berthaud sehen. Im Jahr 2011 arbeiten Regisseurin und Schauspielerin bei dem Familiendrama Barfuß auf Nacktschnecken wieder zusammen und wissen mit diesem Ausnahmewerk zu brillieren.

Sie inspiriert mich. Sie ist eine Darstellerin, die gleichzeitig stark und zerbrechlich wirkt, und ich finde es ist faszinierend, wie sie diese zwei Gegensätze in sich vereint. Sie versteht sich bestens darauf, auch in ganz ruhigen Szenen mit großem Feingefühl Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

So lobte die Regisseurin die abermalige Kooperation mit Kruger. Bei diesem Dreh stand dem Team auch ein höheres Budget zu Verfügung, welches aber aus den 103 Minuten keinesfalls einen glatt polierten 08/15 Film machte, sondern viel mehr die Möglichkeit in sich verbarg intensiver in das kunterbunte Gefühlsdurcheinander einzutauchen.

Die verschlossene Clara (Diane Kruger) und die in ihrer Fantasiewelt lebende Lily (Ludivine Sagnier, aus Filmen wie 8 Frauen oder auch Swimming Pool bekannt) sind Schwestern, die nach dem Tod ihrer geliebten Mutter näher zusammenrücken müssen. Der Verlust bricht mit der Balance im Leben der Geschwister, die nun ihre Blicke für das Unerwartete öffnen. Clara lernt ihre offenherzige Schwester neu lieben, jedoch leidet ihre Ehe mit dem Anwalt Pierre (Denis Menochet) umso mehr darunter. Mehr als mit ihrem Mann verbringt sie viele Stunden mit ihrer Schwester, die durch ihre freigeistige Art in der Umwelt immer wieder aneckt, sie möchte sich einfach nicht in eine vorgefertigte Lebensform zwängen müssen.

Wenn ich schon einen Körper habe, dann doch wohl, um mich seiner zu bedienen! Wozu hätte ich denn sonst einen?

So die überzeugte Lily zu ihrer Schwester. Begrifflichkeiten wie ‚verrückt’ und ‚normal’ liegen hier sehr nah beieinander und sorgen an so mancher Stelle auch für Beklommenheit. Durch die besondere Liebe zum Detail wird diesem Gefühl aber auch viel Wärme gegenübergestellt. Lily empfindet eine starke Verbundenheit zu Tieren und der Natur. Die Bäume rund um ihr kleines Universum weisen zum Beispiel gestrickte Verzierungen, ähnlich der menschlichen Kleidung auf. Die groteske Fantasiewelt der lebensfrohen Lily steht im extremen Gegensatz zu der eintönigen Welt Claras, die mithilfe ihrer Schwester nun extreme Grenzerfahrungen durchlebt und ihr starres Leben als Anwältin in Paris in Frage stellt.

Die beiden Schauspielerinnen harmonieren in Barfuß auf Nacktschnecken außergewöhnlich gut miteinander. Diane Kruger zeigt sich in der Tat überaus fragil und bleibt trotzdem der stille Fels in der Brandung, der zwar an sich selbst zweifelt, sich am Ende aber doch noch fallen lassen kann. Durch das Verstehen der Andersartigkeit des jeweils Anderen, können die Schwestern letztlich mit ihrer Unangepasstheit in freier Glückseligkeit leben.