The Bang Bang Club

Veröffentlichung  09. Dezember 2011    Regie  Steven Silver    Darsteller  Ryan Phillippe  Taylor Kitsch  Malin Akerman
Foto: Senator Filmverleih
 IMDb-Wertung
Foto: Senator Filmverleih

Es ist nicht alles nur Schwarz und Weiß. Dies beweist Regisseur und Drehbuchautor Steven Silver (sonst eher für Dokumentarfilme bekannt) mit seinem auf wahren Erlebnissen basierenden Actionfilm The Bang Bang Club, der nicht nur mit gestochen scharfen Bildern, sondern auch mit kriegerischer Härte und damit einhergehenden moralisch komplexen Fragen über die Menschlichkeit besticht.

Die vier Kriegsfotografen Greg Marinovich (Ryan Phillippe), Kevin Carter (Taylor Kitsch, nahm erschreckende dreißig Kilo für die Rolle ab), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silva (Neels Van Jaarsveld) nannte man Anfang der neunziger Jahre The Bang Bang Club. Sie waren immer dort, wo es am lautesten lärmte.

It was a civil war that our country was descending into and we wanted to document it, but we didn’t want to document politicans’ speeches. We wanted to see how it affected people on the ground. (Marinovich)

So zeigten sie mit ihren bedrohlichen Fotografien das wahre Gesicht der Apartheid in Südafrika. Rohe Gewalt, weinende Menschen, Blut und Waffen überall lassen den Zuschauer erschauern und offenbaren, dass die Vier keine Angst vor der Nähe zum Geschehen hatten. Sie konnten die Ereignisse riechen, fühlen und hören. Emotionale Anspannungen blieben dabei nicht aus. Jeder einzelne in der Gruppe versuchte anders mit den beobachteten Brutalitäten umzugehen, doch sie alle benötigten einander um durchhalten zu können. Sie waren engste Vertraute, denn sie teilten die gleiche Leidenschaft und so wurden sie in dieser Zeit des Krieges zusammen erwachsen. Zudem zeigte sich auch die Fotoeditorin der Zeitung, Robin Comley (von Malin Akerman verkörpert) immer auf das Wohlergehen der Fotografen bedacht. Kurz vor den ersten demokratischen Wahlen, 1994 in Südafrika, gerieten die Extrem-Fotojournalisten bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen die Fronten und ihr reißerischer Job ohne Sicherheiten kratzte ein weiteres Mal an ihrem noch so jungen Leben.

Marinovich und Carter gewannen für ihre Fotografien den Pulitzer-Preis, die höchste journalistische Auszeichnung in den USA. Gleichzeitig mussten sie sich dadurch den Fragen der Außenstehenden stellen. Wieso half Marinovich 1990 in Soweto nicht den in Flammen stehenden Mitglied der Inkatha Freedom Party (IFP), der zu dem noch von einem Unterstützer des African National Congress (ANC) geschlagen wurde, anstatt den Auslöser seiner Kamera zu bedienen? Wieso ließ Carter nicht Taten folgen als er das hungernde sudanesische Mädchen in sich zusammen sacken sah, woraufhin der dürstende Aasgeier näher an sie heranschlich? Im Juli 1994, zwei Monate nach dem großen Erfolg mit seinem schockierenden Bild, nahm sich Kevin Carter das Leben.

I am depressed … without phone … money for rent … money for child support … money for depts … money!!! … I am haunted by the vivid memories of killings and corpses and anger and pain … of starving or wounded children, of trigger-happy madmen, often police, of killer executioners…

Dies ist ein Auszug aus dem Abschiedsbrief des 33-jährigen. Die Frage nach dem richtigen Handeln bleibt offen. Sind sie nur Fotografen und helfen allein durch das Aufzeigen von den Problemen dieser Welt? Letztlich muss man dies mit sich selbst vereinbaren. Genau wie die Entscheidung, ob man sich der Ungemütlichkeit und Härte der fesselnden kanadisch/südafrikanischen Koproduktion, die sich auf das Erfahrungs-Buch von Greg Marinovich und João Silva stützt, aussetzt oder nicht. Marinovich und Silva stürzen sich jedenfalls noch immer voller Passion in das gefährliche Geschehen der Welt und sorgen mit ihren Bildern für wortlos ergreifende Bild-Momente.