Babai

Veröffentlichung  02. Dezember 2016    Regie  Visar Morino    Darsteller  Val Maloku  Astrit Kabashi  Adriana Matoshi  Enver Petrovci
Foto: missingFILMs
 IMDb-Wertung
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Ein Junge reist seinem Vater von Serbien bis Deutschland nach

Das Phänomen der Kriegsflüchtlinge ist kein neues. Bereits in den neunziger Jahren sorgte der Kosovokrieg dafür, dass tausende Menschen vor dem Terror flohen. Ihr Ziel: Deutschland.

Der kleine Nori (Val Maloku) weicht seinem Vater Gesim (Astrit Kabashi) nur ungern von der Seite – beide sind auf der Flucht vor der Vergangenheit. Ihr altes Leben im Kosovo kommt nur noch selten zur Sprache, generell beschränken sich ihre Dialoge nur auf das Nötigste. Ihr Schmerz bleibt unausgesprochen. Selbst auf Fragen nach dem Verbleib seiner Mutter erhält der 10-Jährige keine Antwort. Nach ihrer Ankunft im benachbarten Serbien kommen die beiden schließlich bei einem Onkel unter und verdienen für eine Weile ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Zigaretten auf dem Markt. Vater Gesim beschließt jedoch bald, dass Nori ohne ihn besser dran sein würde und so macht er sich alleine auf den Weg nach Deutschland. Doch Nori hält es keine Sekunde ohne seinen Vater aus, bestiehlt seinen Onkel und reist seinem geliebten Dad schnellstmöglich nach – eine lebensgefährliche Odyssee im Zickzack entlang der osteuropäischen Grenzen beginnt.

Durch die Augen eines Kindes

Es heißt, Kinder verstehen den Ernst des Lebens noch nicht. Stimmt aber nicht! Denn in den Blicken von Nori spiegelt sich all das Leid wieder, dass er bereits erlitten haben muss. Durch ihn erlebt der Betrachter die raue Wirklichkeit Serbiens Anfang der neunziger Jahre, so dass man es dem Jungen sofort gleichtun und abhauen möchte. Hauptsache weg. In seiner kindlichen Naivität denkt sich Nori jedoch nichts dabei, sich auf die gefährliche Reise und in die Hände von zwielichtigen Schleuserbanden zu begeben. Die Spannung lässt sich in Babai aber leider nicht immer beibehalten, da einige Einstellungen eine gefühlte Ewigkeit anhalten und die Aufmerksamkeit bis zum Limit ausreizen. Die stille Erzählweise des 104 Minuten andauernden Dramas schafft aber gleichzeitig ausreichend Raum für eigene Gedanken – so zum Beispiel über das stetige Unrecht auf der Welt und über die Nöte von Menschen, denen einfach alles genommen wurde. Als Besonderheit der Kameraarbeit muss unbedingt noch der Fokus auf die Hinterköpfe der Protagonisten hervorgehoben werden. Dieser fühlt sich ein wenig so an, als werde man dazu gezwungen den Blickwinkel der Flüchtlinge einzunehmen, um so kein Detail zu übersehen. Was für ein starkes Stilmittel!

In Deutschland gefördert

Für Filme wie Babai ist man der deutschen Filmförderlandschaft dankbar. Denn diese unterstützt nicht nur Til Schweiger und Elyas M’Barek dabei den nächsten Publikumsmagneten zu produzieren, sondern bemüht sich auch für Tiefgang auf der Kinoleinwand. Mit fast einer halben Million Euro wurde der einnehmende Stoff von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert. Was das bringt? Das Geld ist gut angelegt, schließlich spielt die zweite Hälfte des Dramas komplett in Westdeutschland und die Produktionsmittel fließen direkt zurück in den Standort. An dieser Stelle möchte man einfach mal ‚Danke’ sagen. Denn Werke wie Babai sind gar nicht erst darauf ausgelegt kommerziell erfolgreich zu sein und schlicht auf die Unterstützung der Filmförderung angewiesen. Das dient der Vielfalt und hilft uns dabei ferne Welten und fremde Kulturen besser zu verstehen.

Das gefühlvolle Erstlingswerk von Visar Morina setzt sich ethisch und filmästhetisch mit der Zukunft einer Welt auseinander, die keine Grenzen kennt. Die ergreifende Reise zweier Flüchtlinge in Babai dient als ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung aller Menschen.