Atlantic.

Veröffentlichung  29. Januar 2016    Regie  Jan-Willem van Ewijk    Darsteller  Fettah Lamara  Thekla Reuten  Mohamed Majd  Mourad Zaoui
Foto: Neue Visionen Filmverleih
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Foto: Neue Visionen Filmverleih

Frohlockende Ferne

Als ihm das Fischerdorf an der marokkanischen Atlantikküste zu eng wird, begibt sich Fettah auf eine epische Reise.

Jedes Jahr kommen die europäischen Touristen zum Windsurfen in das kleine Dorf des jungen Fischers Fettah (Fettah Lamara). Da er auch ein begeisterter Wellenreiter ist, konnte er unter ihnen bereits viele Freunde finden. Doch ihre Rückkehr in die Heimat hinterlässt immer eine unerträgliche Leere, die ihn von einem Leben weit weg von Zuhause träumen lässt. In einem Sommer verliebt er sich in die Holländerin Alexandra (Thekla Reuten), die Fettah zusammen mit ihrem Freund beim Surfen kennenlernt. Obwohl sie unerreichbar ist, bricht etwas in ihm zusammen, als er ihr Auto in der Ferne verschwinden sieht. Der Verlust gibt ihm die Kraft sich loszureißen. Fettah packt seinen Rucksack, schnappt sich sein Surfbrett und traut sich hinaus aufs offene Meer.

Unbändige Sehnsucht

Jeder Ort, ob groß oder klein, kann sich wie ein Gefängnis anfühlen. Für Fettah ist es sein Dorf, das zwar nicht viel Platz bietet, aber dennoch genug Raum für Sehnsüchte lässt. Seine Verzweiflung bringt ihn dazu einen abenteuerlichen Plan zu schmieden: Der südliche Herbstwind soll ihn im Neoprenanzug auf dem Surfbrett bis nach Europa tragen. Vorbei an Casablanca, durch die streng bewachten Gewässer um Gibraltar, bis er nur noch vom endlosen Ozean umgeben ist. Doch was erwartet ihn am Ziel? Fettah kann sich Europa finanziell nicht einmal leisten – und es ist auch nicht gewiss, dass er Alexandra je wieder zu Gesicht bekommt. Ihm bleibt nur seine Hoffnung auf ein besseres Leben.

Inspiriert von der Realität

Filmemacher Jan-Willem van Ewijk nahm zunächst selbst die Besucher-Perspektive ein, als er 2012 zum ersten Mal nach Marokko in das Fischerdorf Moulay Bouzerktoun reiste. Van Ewijk interessierte sich dort besonders für eine Kinder-Gruppe, die ihm beim Surfen nicht von der Seite weichen wollte. Sie teilten sich das beschädigte Equipment, das die Touristen zurückgelassen hatten. Ihm fielen auch ihre neidischen Blicke auf jede Art von Reichtum der Touristen auf. Dieser Umstand verwirrte ihn erst, da sie doch in einem so wunderschönen Paradies lebten. Doch dann verstand er: Die westliche Kultur war bereits in jeden Winkel ihres Lebens vorgedrungen, ohne dass sie selbst je wirklich ein Teil davon sein würden. Er sah darin – zurecht – ein fantastisches Potential für eine träumerische Geschichte. Für seine Drehbuch-Idee konnte van Ewijk sogar den echten Dorfbewohner Fettah Lamara begeistern, der obendrein ein starkes Schauspiel-Talent mitbrachte. Die Dreharbeiten dauerten letztlich ganze drei Wochen, in denen sich Fettah den gigantischen Wellen des Atlantiks stellen musste – und es mit Bravur meisterte.

Atlantic. ist eine hypnotisierende wie spirituelle Erfahrung, die den Zuschauer mit anmutigen Bildern und einer berührenden Geschichte 91 Minuten lang reich beschenkt.