Anton Corbijn

   Film  Life    Veröffentlichung  24. September 2015    Darsteller  Robert Pattinson  Dane DeHaan  Joel Edgerton
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Nach Control wählte Anton Corbijn wieder eine reale Ikone für sein neuestes Filmprojekt. Wir trafen den 60-jährigen Niederländer in Berlin, um mit ihm über Life, seine Fotografie und zukünftige Ambitionen zu sprechen.

Anton Corbijn hat sich von einem der berühmtesten Fotografen zum einem ebenso angesehenen Filmemacher gemausert. Mit Life erzählt er nun die Geschichte des 26-jährigen Fotografen Dennis Stock (gespielt von Robert Pattinson), der im Jahr 1955 mit einer Bilderstrecke von dem Hollywood-Star James Dean (Dane DeHaan verkörpert hierbei sein eigenes Idol) hofft seinen großen Durchbruch feiern zu können. Doch bevor er das weltberühmte Bild des Rebel Without A Cause-Schauspielers für das Life-Magazine schießt, muss er erst eine Reihe von Ablehnungsmomenten von Dean ertragen. Wie schon Control, The American und A Most Wanted Man lebt das neueste Werk Corbijns von langen, atmosphärischen Einstellungen, jeder Menge Understatement und herrlich tragenden Melodien.

Dieses Mal zeigt sich der Kanadier Owen Pallett für den Soundtrack zuständig. Wie Corbijn im Interview berichtet, musste Pallett dafür besonders schnell und effizient arbeiten. Denn das Werk, was Anton Corbijn keineswegs als Biopic verstanden haben will, wurde um einiges rasanter als seine Arbeiten zuvor umgesetzt. Lediglich 28 Drehtage standen zur Verfügung, um den Film auf die Beine zu stellen – im Nacken hatte das Team zudem den härtesten Winter seit 30 Jahren. Gute Voraussetzungen sehen anders aus! In der kurzen Zeit war es dem passionierten Fotografen noch nicht einmal möglich ausgiebig Fotos zu machen. Die traurige Wahrheit lautet also: Es wird nicht, wie bei den vergangenen Filmen, pünktlich zum Kinostart ein Fotobuch zu Life zu kaufen geben. Der Fokus sollte nun ganz auf dem Regie führen liegen. „Ich denke, ich sollte auch zukünftig meine Energie eher dem Filmemachen zukommen lassen. In der Fotografie habe ich so viel gemacht. Ich glaube, ich lasse es ein bisschen hinter mir“, erklärt Corbijn mit unfassbar ruhiger Stimme. Generell wirkt der Mann unglaublich ausgeglichen, als er sich da so im Roundtable-Gespräch zurücklehnt, die Gesichtszüge endlich mal völlig entspannen lässt. Sofort drängt sich die Frage auf, ob dieser Herr mit den weiß-gräulich kurzen Haaren ebenso ein Zen-Gefühl auch am Set an den Tag legt? Selbst das dunkelgraue Hemd, welches er trägt, vermag keine einzige, unpassend unruhige Falte zu werfen – diese sind wohl nur in den geschmacklos grün glänzenden Vorhängen des Soho-Houses in Berlin zu finden.

Dennoch scheint der Fast-Zwei-Meter-Mann, trotz des draußen herrschenden Sonnenscheins, überraschend ernst. Vielleicht liegt es daran, dass er selbst kaum glauben kann, dass er es geschafft hat erneut bei einem Spielfilm Regie zu führen. „Bei meinen ersten Filmen war ich mir noch nicht sicher, wo es mit mir hingehen würde und ob ich wirklich Regisseur werden könnte. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass das für mich klappt.“ Die Knipserei neben dem Filmen diente ihm vor allem dafür Erinnerungen zu sammeln – falls es das letzte Mal wäre, dass man ihn Regie führen ließe. Speziell über die Bilder von Philip Seymour Hoffman zu A Most Wanted Man ist er froh. „Er interessiert sich sehr dafür wie ein Charakter zustande kommt und wie dieser glaubwürdig sein kann“, lobt er zudem den großen Schauspieler, der im Alter von 46 Jahren, nur kurz nach den gemeinsamen Dreharbeiten verstarb. Im Alltag ist Corbijn jedoch kein Fan davon ständig sein Kamera-Equipment mit sich herumzutragen. Ein iPhone würde da völlig ausreichen.

Wenn man Anton Corbijn so mit leiser Stimme reden hört, wirkt er einfach nur sehr genügsam und wahnsinnig sympathisch. Nun heißt es hoffen. Hoffen, dass der in sich gekehrte Corbijn weiterhin seine Filmideen über einsame Männer realisieren darf und Schauspieler wie Robert Pattinson und Dane DeHaan in Life zu Höchstleistungen animiert. Denn so wie er über den portraitierten Fotografen Dennis Stock im Interview sagt, er habe ein gutes Auge für besondere Momente, so kann man das wohl auch problemlos für Anton Corbijn selbst stehen lassen. Sein Film über „das Leben und die Beziehung zweier Menschen“ hat er voller Liebe zum Detail und Mut zum außergewöhnlichen Perspektivwechsel eingefangen. Und Gedanken über ein neues Projekt habe er sich auch schon gemacht: Es solle sich um die Handlungsweisen der Gesellschaft in Krisenaugenblicken drehen.

Hier findest du unsere Rezension zu Life.