Animal Collective, Noah Lennox

Album  Painting With    Veröffentlichung  19. Februar 2016
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Inzwischen spielen Noah Lennox alias Panda Bear, Dave Portner (Avey Tare) und Brian Weitz (Geologist) seit fünfzehn Jahren mit all den schönen Farben des Psychodelischem, der Avantgarde, des Pops. Zeit das Ganze auf eine neue Stufe zu erheben. Mit Painting With gehen Animal Collective wieder den Weg des größten Widerstands: Sie reduzieren. Weniger Layern, weniger Verschränkungen. Und Gründungsmitglied Josh Deakin Dibbs ist auch nicht dabei, weil er sich eine Auszeit genommen hat. Dafür bietet das Trio aus Baltimore nun umso mehr Klarheit, noch mehr zuckersüßen Pop und Gastauftritte von John Cale sowie Colin Stetson. In einem von Familien bevölkerten Café mit Blumentapete in Berlin Mitte erzählt Noah Lennox von seinem Antrieb immer weiter neue, schräg verzaubernde Bubblegum-Melodien mit dem Potential auf Dauergenuss zu kreieren.

Centipede Hz hast du einmal als ersten Kaffee am Morgen beschrieben. Womit würdest du Painting With vergleichen?

Noah Lennox: Das Album ist definitiv wieder so eine Morgen-Sache. Dieses Mal aber eher so später Vormittag, weil es im Gesamten wacher ist.

Also Brunch-Zeit?

Ja, das gefällt mir. Es fühlt sich sehr geladen und voller Energie an. Dennoch ist es nicht hyper oder überfordernd. Es hat einen gleichbleibend hohen Puls.

Welche Relevanz hat eine neue Platte für dich?

Es ist vor allem ein Gewohnheitsding. Ich kann gar nicht anders als kreativ zu sein. Wenn ich meine Kinder von der Schule nach Hause fahre, arbeite ich dabei gedanklich an neuer Musik. Wenn ich das nicht tue, werde ich rastlos. Musik, also auch ein neues Album, ist für mich eine Form der Kommunikation. Ich bin jetzt auch schon sehr neugierig was die Leute von Painting With halten werden. Aber wenn da am Ende keiner auf der anderen Seite ist, der sich das anhören möchte, frage ich mich auch was der Sinn davon sein soll. Das hat doch keinen Wert, wenn man keinen Effekt hervorruft.

Na der Sinn ist der, das man etwas geschaffen hat, was einen selbst glücklich macht.

Da gibt es doch so viel effektivere Wege als diesen, wenn du weißt was ich meine. (grinst) Aber klar, man kann auch mal was nur für sich machen. Da gibt es diesen Typen in meiner Nachbarschaft. Er ist so in seinen Sechzigern. So gut wie jeden Tag kommt er aus seinem Haus heraus, um davor seine Staffelei und Leinwand aufzustellen und dort das gleiche Bild immer und immer wieder zu malen. Das Ergebnis verkauft er nicht. Ich denke, es ist eine Art der Meditation für ihn. Das Malen gibt ihm einfach ein gutes Gefühl. Das hat wiederum schon einen Wert, ich widerspreche mir also. Ich kann das Kreativsein für das Wohlbefinden absolut nachvollziehen. Würde ich nicht mehr Musik machen, wäre das als würde ich einen Teil von mir töten. Musik hält mich geistig gesund. Sie ist wie ein Mantra, das mich daran erinnert wer ich bin.

Und wer bist du?

Wenn ich mich beschreiben müsste, würde ich das ganz simpel halten. Also ich bin jemand, der Musik macht, eine gute Zeit dabei haben möchte und hofft, dass andere das auch haben, wenn sie es hören. Ich mag keine Labels. So finde ich, ist es die purste Form.

Der Anspruch an euer neues Album war es auch alles etwas mehr herunterzufahren und simpler zu gestalten.

Weniger ist mehr – das war unser Motto. Aber es war gar nicht so einfach, weil wir uns über die Jahre ein solides Sicherheitsnetz zugelegt haben. Wir haben dieses Mal viel kürzere Songs gemacht und kaum mit den Stimmen gespielt. Es fühlte sich ein bisschen so an wie von einer Klippe zu springen. Es war der Musik aber sehr zuträglich, dass wir uns oft so unwohl gefühlt haben und uns aus unserer Komfortzone herausbewegt haben.

Für die Aufnahmen seid ihr in den legendären EastWest Studios in Hollywood eingezogen, wo beispielsweise auch schon die Beach Boys zugegen waren. Kannst du mir beschreiben, wie es bei euch in den Räumlichkeiten so aussah?

Der Kontrol-Raum sah sehr schlicht aus. Unser Live-Raum aber weniger. Dave war ganz begeistert von der Idee dort alle Elemente unterzubringen. Ich weiß nicht genau warum, ich habe lieber nicht zu viele Fragen gestellt. Auf jeden Fall hatten wir deshalb in einer Ecke ein Kinderplanschbecken stehen, welches das Wasser repräsentieren sollte. Dann hatten wir für das Feuer überall Kerzen platziert und Steine lagen als Repräsentation der Erde herum. Zum Singen stellten wir uns immer auf ein Podium – damit wollten wir noch das Element Luft abdecken. Ja und dann hatten wir in dem Raum noch einen Projektor, auf dem jede Menge Dinosaurier-Footage lief, die Daves Schwester mithilfe von YouTube-Videos zusammengestellt hatte.

Was machte das Studio außerhalb eures Raumes für einen Eindruck?

Es war schon etwas komisch, weil es so einen Achtziger-Jahre-Koks-Vibe versprühte. Im Flur gab es dieses extreme, neongrüne Licht, dann noch ganz viel Lila und im Bad waren wirklich überall Spiegel. Echt schräg. Aber wir waren auch häufig in einem Café in der Nähe, weil Brandon, der Assistent unseres Produzenten, ein totaler Fan von Cookies ist. Er hat immer gefragt, ob jemand mit ihm in dieses Café geht, weil es da Cookies gab. (lacht) Am Ende haben wir ihm eine riesige Cookie-Torte gekauft und davon Fotos gemacht. Das war schon sehr süß!

Du hast vorher einmal gesagt, dass du sehr neugierig auf die Reaktionen zum neuen Album bist. Hat es denn noch niemand hören dürfen?

Doch, viele von unseren Freunden. Was schon mal dieses Gefühlscocktail aus Angst und Aufregung etwas reduziert. Die Nerven liegen also nicht blank. Trotzdem ist es dieses Mal anders, weil wir die Songs noch nicht live gespielt haben. Ich bin auch schon ziemlich neugierig wie das live aussehen wird. Ich habe gar keinen richtigen Plan wie wir das machen wollen… Aber in der Vergangenheit zog ich Konzerte den Studioaufnahmen vor. Nicht, dass ich das letzte Album schlecht fand, aber bei den Songs war es so als wären sie nur für die Bühne designt worden. Dieses Mal weiß ich es noch nicht so genau.

Du scheinst da ja nicht mit dem größten Selbstbewusstsein heranzugehen.

Nein, ich bin immer noch supernervös, wenn ich auf die Bühne gehe. Ich muss mich dabei ganz schön überwinden. Das liegt auch daran, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, ob meine Musik ankommen wird oder nicht.

Schon komisch, bedenkt man wie oft du schon gehört haben musst, wie viel Animal Collective manchen Menschen bedeutet.

Ja, aber die Leute sind ungeduldig. Ich bin auch ungeduldig. Und wenn man nicht liefert, was erwartet wird, wächst so eine Beziehung schnell wieder auseinander. Ich bin mir diesem Umstand sehr bewusst.

Hast du mal überlegt etwas anderes zu machen als nur Musik?

Ich hatte wirklich schon darüber nachgedacht ein Fotobuch mit den Bildern zu machen, die Dave die ganze Zeit auf Tour schießt. Ich meine, dass müssen mehr als 2000 Fotos sein! Das wäre eine Sache. Aber ich arbeite gerade zu Hause an einigen Dingen. Dennoch ist es so, dass man das Musikmachen auch nicht so einfach abstellen kann. Davon gibt es keine Auszeit für mich. Und ich muss sagen, dass ich das sehr mag.

 

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  19. Februar 2016    Worte  1,141
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