Amerikanisches Idyll

Veröffentlichung  17. November 2016    Regie  Ewan McGregor    Darsteller  Ewan McGregor  Dakota Fanning  Jennifer Connelly
Foto: Tobis Film
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Der Kampf um die schöne Fassade

Das Regie-Debüt von Schauspieler Ewan McGregor (Moulin Rouge) zeigt die Vereinigten Staaten als Land, das sich in den 60ern großartig geben will, aber mit Vietnamkrieg und Rassenkonflikten hadert.

Nach außen scheint für Seymour Levov (Ewan McGregor) alles gut zu laufen. Im Job ist er angesehen, er behauptet sich als fürsorglicher Vater und seiner Frau geht es auch ganz gut mit ihm. Doch der Mann, für den der amerikanische Traum in den 60ern wahr geworden zu sein scheint, hat eigentlich gar nicht das perfekte Leben. Zunächst sträubten sich seine jüdischen Eltern dagegen, dass er die Christin Dawn (Jennifer Connelly) heiratet. Und dann fängt auch noch Tochter Merry (Dakota Fanning) zu stottern an, weshalb sie in der Provinz nur schwer Freunde findet. Das Ansehen der Familie Levov bekommt deutlich sichtbare Risse, als sich Merry einer radikalen Gruppe anschließt und dann auch noch für einen Bombenanschlag auf das örtliche Postamt verantwortlich gemacht wird. Mit einem Mal ist keine Spur mehr von Seymours heiler Welt.

Starke Romanverfilmung

Philip Roth erhielt zurecht für sein Buch über den gesellschaftlichen Auf- und Abstieg des Gewinnertyps Seymour Levov und seine Familie einen Pulitzerpreis. Die Probleme der damaligen Zeit präsentiert nun auch Regie-Neuling Ewan McGregor in ganz besonderer Eindringlichkeit. Das Drama macht immer wieder auf das amerikanische Versprechen von Wohlstand und den Traum vom häuslichen Glück aufmerksam – und lässt beides dann auf die harte und komplett unbarmherzige Realität prallen. Diese Wirklichkeit, die meist in düsteren Tönen gezeigt wird, wird uns vor allem durch die komplexe Vater-Tochter-Problematik näher gebracht. So viele Dinge bleiben hier unausgesprochen und die wenigen Dialoge, die es gibt, führen zu Missverständnissen. Das ist nur schwer verdaulich!

Ein starker Regisseur?

Ewan McGregor schafft die Doppelbelastung: Er leistet als Regisseur ganze Arbeit, aber auch als Hauptdarsteller macht er eine gute Figur. Das gesamte Drama trägt seine Handschrift. Der Film beschäftigt sich ruhig und differenziert mit der politischen Dimension, die der Roman von Philip Roth bietet. Aber es geht auch darüber hinaus, weshalb Amerikanisches Idyll auch so berührt. Die erste Innigkeit zwischen Vater und Tochter ist so liebevoll dargestellt, dass man gerne die Parallele zu dem Ewan McGregor als Privatperson und Vater ziehen möchte. Allein der Umstand, dass man nie erfährt, warum Tochter Merry mit ihrer Familie bricht, bleibt unbefriedigend und fast schon unlogisch. Doch das lässt nicht von dem Wunsch abrücken, dass man noch mehr von Ewan McGregor als Filmemacher sehen möchte.

Amerikanisches Idyll erzählt nicht von einer Bilderbuchfamilie und ist auch keine Bilderbuchgeschichte – und das ist auch gut so. Wir sehen, wie viel Schaden mit gesellschaftlichen Vorurteilen und Machtmissbrauch angerichtet werden kann. Selbst wenn der Film in den 60ern spielt, rüttelt genau das auf. Und das ist doch gar keine schlechte Sache, oder?

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  17. November 2016    Worte  447
Permalink  http://www.farbensportlich.de/amerikanisches-idyll/    Farbe  #b13033
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