Man denkt sich ja doch das ein oder andere Mal, dass man schon alles gesehen hätte. Aber ein Moslem, der herausfindet, dass er jüdischer Abstammung ist? Das klingt doch neuartig, sogar so neu, dass man sich kaum vorstellen kann, dass solch ein Thema es auf die Kinoleinwand geschafft haben soll. Darf man darüber überhaupt lachen? Drehbuchautor David Baddiel ist nicht mehr sicher, ob er die Idee zu der bitterbösen Komödie Alles koscher! hatte bevor oder nachdem er sich die Show des britisch-iranischen Stand-Up-Comedian und Schauspieler Omid Djalili (Casanova, Gladiator) anschaute. In jedem Fall scheint ihm die Rolle des in London lebenden Ehemann und Vater Mahmud Nasier wie auf den fülligen Leib geschrieben. In den 105 Minuten flucht, brüllt und tanzt der Emotionsberzerker um sein Leben.
It was a film that had to be made. (Djalili)
Regisseur Josh Appignanesi erschuf einen überaus unterhaltsamen und ehrlichen Spielfilm, im Besonderen weil es nicht um das Auslachen von Stereotypen gehen soll. Charaktere wie die liebevolle Ehefrau, Saamiya Nasir (Archie Panjabi) stehen für moderne Vielschichtigkeit. So bestärkt sich der positive Eindruck einer zwar gewagten, aber auf Weltoffenheit pochenden Indie-Komödie.
Nachdem dem bequemen Moslem Mahmud seine Geburtsurkunde in die Hände fällt, auf welcher schwarz auf weiß geschrieben steht, dass er adoptiert wurde und er herausfindet, dass sein echter Name zu allem Überfluss Solly Shimshillewitz ist, wird der impulsive Mahmud eruptiv wie ein Vulkan. Sein einst verhasster Nachbar, der jüdische Lenny (Richard Schiff), wird schon bald zu seinem geheimen Verbündeten in der Lehre des Jüdischen. Denn seinen echten Vater, Izzy Shimshillewitz, kann er erst im Altersheim besuchen, wenn er einige religiöse und kulturelle Grundregeln beherrscht – so meint es zumindest der Rabbi des kranken Vaters (Matt Lucas, aus Little Britain bekannt). Während Mahmud verzweifelt Jiddisch lernt und sogar eine Bar Mitzwa mit einer amüsanten Geschichte bereichern möchte, darf die Familie keinen Verdacht schöpfen. Sohn Rashid (Amit Shah) möchte nämlich heiraten und zwar die Tochter des fanatischen Predigers Arshad Al-Masri (Igal Naor). Doch bevor der sein Einverständnis gibt, soll die Familie noch auf echte Moslemtauglichkeit überprüft werden. Die Identitätskrise des charismatischen Ungläubigen ist nun vollkommen. Für ihn werden rassistische Feindseligkeiten immer stärker spürbar, obwohl sich Mahmud eigentlich als ein ganz normaler, Fußball und Popmusik liebender Londoner sieht und damit die Religion nur eine zweitrangige Rolle einnimmt.
We created this kind of Muslim Homer Simpson: an everyman who happens to be a Muslim who happens to be a Jew. The Infidel’s full of synergies: – of different identities, styles, and filmmaking approaches. I think those collisions and collusions have made it something unique. (Josh Appignanesi)
Alles koscher! ist respektlos und ambitioniert. Wer vor Themen wie Religion Angst verspürt, der sollte nach Meinung des Drehbuchautors Baddiel unbedingt lernen darüber zu lachen. Ein weiter Amüsement- und Fremdschäm-Faktor ist die Musik von Erran Baron-Cohen (Bruder von Sacha Baron-Cohen, für dessen Film Brüno sowie die Ali G Show die Musik auch von ihm stammt), die ganz schön poppig daher kommt. Also: nicht von dem unpassenden Filmposter verschrecken lassen, da steckt so viel mehr dahinter!