Alle Katzen sind grau

Veröffentlichung  31. März 2016    Regie  Savina Dellicour    Darsteller  Manon Capelle  Bouli Lanners  Anne Coesens
Foto: Film Kino Text
 IMDb-Wertung
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Woher komme ich eigentlich?

Nicht zu wissen, wo die eigenen Wurzeln sind, kann extrem verstören. Ein junges Mädchen hinterfragt ihr Bild von Familie und begibt sich auf die Suche nach ihrem echten Vater.

Für Dot (Manon Capelle) besteht das Leben vor allem aus Schule, Jungs und Party, bis sie eine schockierende Entdeckung macht. Sie findet heraus, dass der Mann ihrer Mutter (Anne Coesens) gar nicht ihr leiblicher Vater ist. Nach und nach entfremdet sich die 15-Jährige dadurch von ihrer Familie. Durch einen Zufall lernt sie den Privatdetektiv Paul (Bouli Lanners) kennen und engagiert ihn sogleich, um auf diesem Weg ihren Erzeuger ausfindig zu machen. Was Dot zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen kann: Paul ist in Wahrheit ihr echter Dad und hat sie schon seit einiger Zeit aus der Ferne beobachtet. Weil ihm der Kontakt verwehrt bleibt, freut er sich seiner Tochter so endlich näher zu kommen. Die gemeinsamen Recherchen und Observationen tun beiden sichtlich gut. Doch wie soll er ihren Auftrag nur lösen?

Sich mit den Möglichkeiten arrangieren

Der Spielfilm der Belgierin Savina Dellicour ist eine Beziehungsstudie mit melancholischem Einschlag. Alle Katzen sind grau vermittelt das Gefühl von einer Leere, die im Leben entstehen kann, wenn man sich unverstanden oder sogar missachtet fühlt. Dots Suche nach ihrer Herkunft ist einnehmend erzählt – gerade weil dem Zuschauer sofort klar ist, dass die Antwort direkt vor ihrer Nase zu finden ist. Paul nimmt seine Verantwortung als „Vaterersatz“ ernst, ihm wird es jedoch untersagt die Situation aufzuklären. Für Dots Mutter kommt es gar nicht in Frage das Leben ihrer Familie unnötig auf den Kopf zu stellen. Sie droht sogar damit Paul ganz aus Dots Leben zu verbannen. Beide sind so sehr mit sich beschäftigt, dass es längst nicht mehr darum geht, was das Beste für ihre gemeinsame Tochter wäre. Und so passiert es wie so oft im Leben, dass zwar alle miteinander reden, aber niemand einander wirklich zuhört.

Inspiriert von der Realität

Die Handlung ist in Brüssel angesiedelt, der Heimat von Regisseurin Dellicour. Sie nimmt den Betrachter mit auf eine Reise in ihre Vergangenheit und verleiht dem Drama dadurch eine persönliche Note. Schauplätze wie die gut behütete Nachbarschaft und der Skater-Park, auf dem die Kids heimlich Drogen nehmen, entstammen ihrem eigenen Erfahrungsschatz. Ist die Ausgangssituation auch noch so bizarr, bleibt der Film durch die Orte, die direkte Sprache und die Personen von Anfang bis Ende glaubhaft inszeniert. Stille Momente, in denen Vater und Tochter schweigsam nebeneinander im Auto sitzen, haben genauso ihre Berechtigung wie ausgelassene Party-Nächte in der Disko. Die Gefühlszustände der Protagonistin werden immer mit den passenden Klängen unterlegt – von The Cure bis hin zu besonders basslastigen Club-Sounds. Der Soundtrack ist mindestens so vielfältig wie das echte Leben.

Alle Katzen sind grau zeigt, dass tatsächliche Verwandtschaft nicht die wichtigste Beziehung im Leben darstellen muss. Die Bindung, die Dot zu Paul aufbaut, ist nämlich auch ohne den Beweis seiner Vaterschaft schon stark genug, um so mit dem Eltern-Konzept mithalten zu können. Dank des vielschichtigen Drehbuches fällt es leicht selbst über die eine oder andere Länge hinwegzusehen.