Alle Farben des Lebens

Veröffentlichung  08. Dezember 2016    Regie  Gaby Dellal    Darsteller  Elle Fanning  Naomi Watts  Susan Sarandon  Tate Donovan
Foto: Tobis Film Foto: Tobis Film

Ein Plädoyer für mehr Vielfält

Ein involvierendes Drama, das sich um die Frage dreht: Wie fühlt es sich an im Körper einer heranwachsenden Frau zu stecken, sich aber voll und ganz wie ein heranwachsender Mann zu sehen?

Ray (Elle Fanning) heißt eigentlich Ramona. Aber Ray findet diesen Namen unpassend. Er steht zwar auf der Geburtsurkunde und da ist auch vermerkt, dass Ray ein Mädchen ist – aber all das ist nicht zutreffend. Ray sieht sich selbst als Junge. So ist der 16-Jährige bei Familie und Freunden auch akzeptiert. Doch das reicht ihm nicht. Er möchte nun eine Testosteron-Behandlung beginnen. Nur benötigt er dafür nicht allein die Unterschrift seiner verständnisvollen Mutter (Naomi Watts), sondern auch die des Vaters (Tate Donovan). Und zu dem hat Ray überhaupt keinen Kontakt. Eine zermürbende Suche nach dem biologischen Dad beginnt.

Familie über alles

Alle Farben des Lebens macht schnell klar: Eltern und Verwandte sind das Wichtigste. Wenn sie dich so akzeptieren, wie du bist, zählt das mehr als alles andere. Und so beschäftigt sich das anderthalbstündige Drama auch viel mit der Sicht von Rays Mutter und der Sicht der Großeltern (Susan Sarandon und Linda Emond mimen hier ein aufgekratztes, lesbische Pärchen). Beständig wird ihr Kampf mit der Situation gezeigt: Sie lieben Ray und wollen unbedingt, dass er glücklich ist. Dennoch hadern sie mit der folgenden medizinischen Behandlung. Die Reife, mit der Ray durch den Alltag geht, ist für die Familie nur schwer nachvollziehbar. Aber genau dieses immer wieder durchschimmernde Unverständnis macht es ebenfalls für uns Zuschauer komplizierter den Gedanken und Handlungen von Ray zu folgen.

Der falsche Körper

Das eigentliche Problem, das Ray mit sich hat, bleibt leider zu oberflächlich beleuchtet. Gleich zu Beginn sehen wir Ray beim Arzt, mit dem er die nächsten Schritte bespricht, die ihn auch vom Aussehen männlicher machen. Aber darüber hinaus fehlt der Tiefgang. Die alltäglichen Schwierigkeiten werden lediglich angerissen. Die Komplexität der Transsexualität wird heruntergespielt. Das liegt vor allem an Rays großer Familie, die sich immer wieder ganz liberal und locker gibt und selbst in Krisensituationen genauso entspannt auftritt. An sich eine gute Botschaft, aber dadurch fehlt dem Film generell eine Spannungskurve. Eigentlich scheint hier alles okay zu sein. Es fehlt eben nur noch eine Unterschrift und diese ist nur eine Frage der Zeit. Was ist also der Grund für die Verfilmung dieser Geschichte?

Alle Farben des Lebens ist ein netter Film, mit netten Darstellern und netten Dialogen. Es soll vermittelt werden, dass wir mehr Diversität in unser Leben lassen sollten. Aber genau aus diesem Grund wurde anscheinend komplett auf interessante und ungewöhnliche Kniffe in der Erzählung verzichtet. Sehr schade.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  08. Dezember 2016    Worte  425
Permalink  http://www.farbensportlich.de/alle-farben-des-lebens/    Farbe  #dbab67
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