Adèle Exarchopoulos

   Film  Blau ist eine warme Farbe    Veröffentlichung  19. Dezember 2013    Regie  Abdellatif Kechiche
Foto: Hella Wittenberg
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Foto: Hella Wittenberg

Mit 8 Jahren begann Adèle Exarchopoulos mit dem Schauspielunterricht. Im Alter von 12 wurde man in der Schule auf sie aufmerksam und schickte sie auf mehrere Castings. Doch auch wenn die 20-Jährige (die u.a. in Boxes oder auch Les enfants de Timpelbach zu sehen war) mittlerweile ein alter Hase in der Filmwelt ist, so verhalf ihr erst Blau ist eine warme Farbe zu großer Aufmerksamkeit. In Abdellatif Kechiches Werk verkörpert sie Adèle – ein junges Mädchen, dass sich zum ersten Mal verliebt. Und zwar in die blauhaarige Künstlerin Emma (Léa Seydoux, Midnight in Paris). Mit ihr lernt sie sich fallen zu lassen, ihren Begierden nachzugehen und über die Jahre auch sich selbst als Frau besser zu kennen. Im Interview erzählt Adèle Exarchopoulos von ihrem Vater, dem Erwachsenwerden und den Dreharbeiten, bei denen sich rund 700 Stunden Filmmaterial ansammelten, da sich Kechiche davon mehr Realismus, Hingabe und schließlich den besonderen Moment versprach.

Nach vier Monaten des Castings hast du das erste Mal den Regisseur Abdellatif Kechiche getroffen. Welches Gefühl hattest du nach dieser Begegnung?

Adèle Exarchopoulos: Das erste Treffen war total still. Als ich das Café verließ, in dem wir uns verabredet hatten, war ich mir deshalb sicher, dass ich die Rolle nicht bekommen würde. Aber zwei Tage später erhielt ich die Nachricht, dass er mich noch einmal sehen wollte und danach noch einmal und noch einmal… So trafen wir uns letztlich 2 Monate immer wieder und sprachen dabei über den Film und das Leben. Ich habe dabei eine Menge von ihm gelernt.

Hat dich diese Vorgehensweise eingeschüchtert?

Erst am ersten Drehtag bekam ich es mit der Angst zu tun. Léa wirkte so gut vorbereitet und ich glaubte, dass ich bisher nicht genug gearbeitet hätte. Ich fing sogar an zu weinen, weil ich so gestresst war. Da hat mich Abdellatif zur Seite genommen und gesagt, dass wir das schon schaffen würden und ich ihm vertrauen sollte. Von da an lief es ganz natürlich. Und ich liebe Abdellatifs Filme! Er hat so eine spezielle Art Frauen darzustellen. Er gibt ihnen Gerechtigkeit. Außerdem mag ich es, dass die Männer im Hintergrund sind und dennoch eine große Präsenz und Wichtigkeit haben. Aber auch wenn ich mich mit dem Film wohl fühle, so habe ich mir Gedanken darum gemacht, wie man auf den Film reagieren und ob man sich auf die Sexszenen fokussieren würde.

Und das passierte schließlich auch.

Das ist so schade. Ich habe schon so viele komische Sachen zu den Sexszenen gehört… Besonders in Amerika, wo die Menschen eh etwas prüde sind. Das Land ist so widersprüchlich! Als ich dort war, behandelte mich jeder wie ein Kind. Ich durfte nicht in Clubs, durfte kein Bier trinken, aber Waffen auszuprobieren stellte kein Problem dar. Und so ist es auch mit den Sexszenen: da sind die Amerikaner richtig schockiert, obwohl in ihren Filmen ständig viel Blut und Gewalt zu sehen ist.

Wem würdest du Blau ist eine warme Farbe gern vorenthalten?

Ich hatte große Angst, was mein Vater zu dem Film sagen würde. Er kam zu dem großen Screening in Cannes und ich war sehr nervös. Denn wirklich jeder hatte mir zuvor dazu geraten, dass ich meinen Vater wieder ausladen sollte. Nur hatte ich schon die Tickets… Und jetzt ist er der einzige, der nicht mit mir über die Sexszenen spricht und mich auch nicht verurteilt.

Vor dem Dreh hast du Léa Seydoux nur ein Mal getroffen und trotzdem wirkt ihr im Film wie schon durch eine lange Bekanntschaft mit einander verbunden.

Die erste Szene, die wir zusammen drehen mussten, war eine Sexszene. Und auch wenn ich mich zuerst sehr verletzlich durch die Nacktheit vor der Kamera fühlte, so hatten wir gemeinsam bald sehr viel Spaß dabei. Wir haben es als Spiel gesehen. Wie wenn man als Kind Mutter und Vater spielt. Vielleicht lag es an unserem Humor, dass wir uns ganz natürlich sehr schnell sehr nah waren.

Hat dir der Film dabei geholfen, erwachsen zu werden?

Ja, weil es ein großes menschliches und schauspielerisches Abenteuer war. Die Arbeit an dem Film stellte sich als sehr schön, unkonventionell und frei dar. Abdellatif ist auch ein besonderer Regisseur. Und die Promo-Tour half mir ebenfalls. Denn davor konnte ich kaum Englisch sprechen und nun habe ich Übung darin.

Hast du eine Lieblingsszene deiner Figur?

Ich liebe die Szene in der Klasse, als meine Figur endlich Lehrerin ist. Ich finde es so toll, dass sie daran festhält diesen Job zu machen, auch wenn um sie herum nicht jeder davon überzeugt ist. Es war auch sehr schwierig vor einer Klasse voller süßer Kinder zu stehen und dabei autoritär zu wirken.

 

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Rubrik  Interview  Kino    Autor      Datum  14. Dezember 2013    Worte  748
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