A Long Way Down

Veröffentlichung  05. September 2014    Regie  Pascal Chaumeil    Darsteller  Pierce Brosnan  Toni Collette  Imogen Poots
Foto: DCM
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Martin (Pierce Brosnan, Der Ghostwriter), Maureen (Toni Collette, Little Miss Sunshine), Jess (Imogen Poots, Drecksau) und JJ (Aaron Paul, Breaking Bad) haben nicht viel gemeinsam. Alter, soziale Schicht, Job und Wünsche könnten bei ihnen nicht unterschiedlicher sein. Und doch verbindet die Vier eine ungewöhnliche Freundschaft. Schließlich gingen sie alle mit dem gleichen Vorhaben auf das Dach des Londoner Hochhauses in der Silvesternacht: sie wollten Selbstmord begehen. Aber dieser Vorsatz wurde von den anderen gebrochen, die plötzlich nicht mehr nur sich selbst im Sinn hatten, sondern ein Mitgefühl für ihr Gegenüber entwickelten. So schlossen sie den Pakt, dass sie versuchen würden bis zum Valentinstag durchzuhalten und dann zu schauen, ob die Unlust am Leben noch immer dieselbe wäre. Die kommenden Tage und Wochen sollen sich als ein Karussell der Gefühle gestalten. Da zum einen die Presse Wind davon bekommen hat, dass sich insbesondere ein ehemaliger Fernsehstar wie Martin Sharp das Leben nehmen wollte und daraus Profit schlagen möchte, und zum anderen kommt sich das bizarre Quartett durch Urlaub und Talkshow-Runden näher als gedacht.

Regisseur Pascal Chaumeil (Der Auftragslover) hat sich der schwierigen Aufgabe angenommen den hauptsächlich in Tagebuchform geschriebenen Roman von dem englischen Bestseller-Autoren Nick Hornby (High Fidelity) ins Filmformat zu überführen. Und das in gerade einmal anderthalb Stunden. Doch die Buchadaption, so kribbelig wie das Unterfangen auch klingen mag, ist mehr als gelungen. Chaumeil ist es geglückt Hornbys verschlungenen Erzählstil aufzudröseln und jeder Figur nach einander ein eigenes Kapitel zu widmen und somit auch eine klare Einteilung des Handlungsstranges vorzunehmen.

Wenn man den Film sieht, merkt man erst, wie unaufdringlich dieser erzählerische Kniff ist. Manche Zuschauer waren ganz überrascht, wenn man sie nach dem Film darauf hinweist, dass die Off-Erzählung wie ein Staffelstab weitergereicht wird. Währenddessen hatten sie es gar nicht wahrgenommen. (Nick Hornby)

So kratzt man zwar nur oberflächlich an den einzelnen Charakteren, aber das vordergründig positive Gefühl trotz der Beschäftigung mit solchen Tabuthemen wie Selbstmord und Depression bleibt erhalten. Nicht zuletzt, weil Drehbuchautor Jack Thorne (Skins) den überaus schwarzen Humor von Nick Hornby konsequent beibehält. Daran gewinnt insbesondere der von Imogen Poots verkörperte Charakter der überdrehten Jess. Sie kürt gleich beim ersten Treffen die am meisten zu bemitleidende Person in der suizidalen Runde, zeigt ihren nackten Hintern und erzählt der Presse Erleuchtungsgeschichten mit Matt Damon als rettenden Engel. Die Story wahrt zu jedem Zeitpunkt das Gleichgewicht zwischen bissigem Humor und Feingefühl. So nimmt Pascal Chaumeils A Long Way Down den Zuschauer mit auf eine kleine Reise, die nicht so tief wie in Hornbys Vorlage geht, jedoch ganz eigene, emotionale Stärken besitzt.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  10. September 2014    Worte  421
Permalink  http://www.farbensportlich.de/a-long-way-down/    Farbe  #dc4118
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