Sieben Minuten nach Mitternacht

Veröffentlichung  04. Mai 2017    Regie  J.A. Bayona    Darsteller  Lewis MacDougall  Sigourney Weaver  Felicity Jones  Liam Neeson
Foto: StudioCanal
 IMDb-Wertung
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Manchmal hilft nur Fantasie, um das Reale zu ertragen

Was ist das für eine Mixtur! Ein tieftrauriges Krebs- sowie Mutter-Sohn-Drama wird mit vielen unheimlichen Märchenelementen vermischt. Ob dieser Genre-Mischmasch überhaupt gut gehen kann?

Conor O’Malley (Lewis MacDougall) ist alles andere als ein glückliches Kind. In der Schule wird er rund um die Uhr gemobbt und die meiste Zeit muss er in dem Haus seiner Oma (Sigourney Weaver) verbringen, in dem er sich auch ziemlich unerwünscht fühlt. Sein Vater lebt mit neuer Frau und Kind weit, weit weg. Und seine Mutter (Felicity Jones)? Die ist sterbenskrank und deshalb im Krankenhaus, was für den Zwölfjährigen schier unerträglich ist. Selbst in der Nacht wird er von Alpträumen geplagt, in denen sich jedes Mal ein uralter Baum in ein Riesenmonster verwandelt. Dieses sprechende Etwas zieht wüstend durch die Gegend und versucht gleichzeitig Conor immer mehr von dem Unterschied zwischen Fantasie und Wirklichkeit beizubringen, was dem zurückhaltenden Jungen erst verstört, aber bald auch viel stärker macht.

Wie lernt man loszulassen?

Zu wissen, dass die eigene Mutter irgendwann sterben wird, ist hart. Zu erkennen, dass dies sehr bald der Fall sein wird, ist komplett unfassbar. Und so sorgt schon die Ausgangslage von Sieben Minuten nach Mitternacht für Unwohlsein und Ergriffenheit. Danach wird es noch um einiges düsterer – nicht nur in den Farben, sondern auch in den Themen. Conor ist einsam, hat keinem zum Reden über seine Probleme. Also zeichnet er und versucht so mit allem fertig zu werden. Immer wieder erleben wir so einen Wechsel zwischen der rauen Realität und der noch viel grausameren ausgedachten Welt von Conor. Schon bald gibt es keine Balance mehr zwischen beidem. Alles gerät aus den Fugen, was manchmal selbst für den Zuschauer ganz schön schwer zu ertragen ist. Aber wie auch sonst sollte die bodenlose Traurigkeit von Conor dargestellt werden? Loslassen von dem Meistgeliebten auf der Welt ist bleischwer. Die Inszenierung der Romanverfilmung also nur konsequent.

Mutig werden

Doch das Fantasy-Drama will nicht allein runterziehen. Es wird darin auch auf höchst kreative Weise dargestellt, wie ein in sich eingeigelter Junge neue Hoffnung fürs Leben aufbringt. Mithilfe des selbst erschaffenen Monsters lernt er nach und nach für sich selbst einzustehen und so langsam den Alltag zu meistern. Er muss mithilfe des zum Leben erweckten Baumes auch zu akzeptieren lernen, wie das Leben ist. Dieser Film ist außergewöhnlich in seiner Art uns zu verstehen zu geben, dass es immer weiter geht – egal wie schlimm gerade alles auf einen einprasselt. Das erreicht der Film mit den märchenhafteren Momenten genauso wie mit Nahaufnahmen auf den unglaublich großartig spielenden Lewis MacDougall alias Conor.

Was für ein fantastischer Film! Tiefgründig, verschachtelt und klug: das alles hat Sieben Minuten nach Mitternacht. Dank diesem märchenhaften Drama lernen wir, dass aus Trauer und Verlust auch Hoffnung und Liebe wachsen kann – und so kitschig wie das auch klingen mag, so wundervoll einfühlsam und genial genreübergreifend ist die Geschichte erzählt.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  04. Mai 2017    Worte  475
Permalink  http://www.farbensportlich.de/7min-nach-mitternacht/    Farbe  #269789
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