20.000 Days On Earth

Veröffentlichung  20. Februar 2015    Regie  Iain Forsyth  Jane Pollard    Darsteller  Nick Cave  Susie Bick  Warren Ellis
Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH Foto: Rapid Eye Movies HE GmbH

Nick Cave, der berühmte australische Sänger, der Poet und Denker. Nick Cave ist der Mann mit den zurückgekämmten Haaren und den Hemden, bei denen immer ein paar Knöpfe offen bleiben. Doch was kommt nach der exzentrischen Bühnenpersönlichkeit, wenn er aus der ausverkauften Halle heraustritt und in seine eigenen vier Wände hinein?

Ich wache auf, ich schreibe, ich esse, ich sehe fern. Dies ist mein 20.000ster Tag auf der Welt. (Nick Cave)

Ein Star, der wie jeder andere Mensch auch ist. Am Morgen lässt er sich von einem Wecker zurück ins Leben holen und muss dann einen gut eingespielten Alltag bestreiten. Doch Nick Cave möchte trotzdem mehr davon, mehr von diesem Leben. Im Dialog mit dem Psychoanalytiker Darian Leader, aber auch in Gesprächssituationen mit alten Bekannten wie Kylie Minogue, Blixa Bargeld und Bandkollege Warren Ellis gewährt er Einblick in seine Gedanken- und Lebenswelt. Es entstehen Songs. Sogar ein ganzes Album, Push The Sky Away mit The Bad Seeds, unter der beständigen Beobachtung von Kameras. Mit den auf Hochglanz polierten Filmsequenzen wird letztlich ein Gefühl von Nahbarkeit genauso erreicht, wie das Kreieren noch einer weiteren Künstleridentität.

Der Kunst eine neue Perspektive bieten: Das Regie-Duo Iain Forsyth und Jane Pollard will nicht entmystifizieren, wie es nur allzu gern in Musikdokumentationen praktiziert wird. Vielmehr hilft 20.000 Days On Earth bei dem Bau einer neuen Illusionskonstruktion. Ist das wirklich Nick Cave? Spricht die reale Person über den frühen Tod des eigenen Vaters oder ist es eine für den Film entworfene Figur, die scheinbar vollkommen in sich ruhend mit den Söhnen auf dem Sofa sitzt und Pizza isst? Forsyth und Pollard wissen gekonnt mit den fiktiven und realen Ebenen zu spielen und somit ein Werk zu erschaffen, das ganz ohne das Beiwort Biopic funktioniert. Wer jedoch darauf aus ist näher als ein Paparazzi an Cave heranzukommen, die vielen Schichten des 1,89 Meter großen Mannes zu entblättern oder gar zu sehen wie die metaphorische dreckige Wäsche gewaschen wird, der muss bitterlich enttäuscht werden. 20.000 Days On Earth ist ein ganzheitliches Kunstgebilde, das vielmehr neue Fragen rund um Künstlerpersönlichkeiten und den Prozess des Schaffens aufwerfen möchte. Und ist Authentizität nicht letzten Endes auch stets eine persönlich eingefärbte Täuschung?

 

Video

 

Empfehlen

Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  18. Februar 2015    Worte  358
Permalink  http://www.farbensportlich.de/20000-days-on-earth/    Farbe  #501218
Farbensportlich.de ist das Magazin-Portfolio von Hella Wittenberg und David Streit. Seit 2006 präsentieren wir hier unsere Fotografie, stellen die neuesten Filme in Kino und Heimkino vor, führen Interviews mit Künstlern und mehr. Folge uns auf Facebook, Instagram oder auf Twitter, um keine Einträge mehr zu verpassen. Abonniere uns auch auf Tumblr und Pinterest für deine tägliche Inspirationsdosis. Bleib farbensportlich — Hella & David