17 Mädchen

Veröffentlichung  16. November 2012    Regie  Delphine Coulin  Muriel Coulin    Darsteller  Louise Grinberg  Juliette Darche  Roxane Duran
Foto: Jérôme Prébois (Arsenal Filmverleih)
 IMDb-Wertung
Foto: Jérôme Prébois (Arsenal Filmverleih)

Gemeinsames Träumen

In der Hafenstadt Lorient gibt es mehr Verfall als satte Zukunftsaussichten und die dort aufwachsenden Kinder und Jugendlichen langweilen sich in der Enge der Stadt. Aber in ihren Köpfen stecken Hoffnungen, Wünsche und Utopien, die sie aus den Zwängen befreien. Und dann ist es so weit: die 16-jährige Camille (Louise Grinberg) wird plötzlich ungewollt schwanger. Was mit Panik und Ungläubigkeit beginnt, entwickelt sich schon bald zu solch einer vielversprechenden Veränderung, dass es ihr die engsten Freundinnen nachmachen wollen. Denn sie könnten alle endlich bei ihren einschränkenden Eltern ausziehen und zusammen eine Wohngemeinschaft eröffnen. Sie könnten unabhängige Leben führen und wüssten immer einen liebenden Menschen um sich. Voller Sehnsucht schließen sie einen Pakt des Zusammenhalts, dem sich schon bald immer mehr Mädchen anschließen werden.

17 Mädchen ist der erste Spielfilm der beiden Regisseurinnen und Schwestern Delphine Coulin und Muriel Coulin und nicht gerade etwas, das man unter leichter Kost verbucht. Auf eine ruhige und nie verurteilende Art und Weise zeigen sie die Einöde, die tagtäglich auf die Mädchen einprasselt und wie sie auf diese mit schockierender Leichtsinnigkeit in Bezug auf Sex ohne Liebe und Drogen jeglicher Form reagieren. Dabei handelt es sich nicht einfach nur um eine unverdauliche, ausgedachte Geschichte, sondern die Coulin-Geschwister bezogen sich beim Schreiben des Drehbuchs auf wahre Ereignisse. In den USA vermutete man 2008 auch eine Art Schwangerschafts-Pakt, als 18 Mädchen an einer Highschool in Massachusetts zu einer ähnlichen Zeit rundliche Bäuche bekamen. Als die Coulins davon in der Zeitung lasen, waren sie sofort Feuer und Flamme für das Thema. Was genau kann eine Gruppe von Mädchen dazu bewogen haben sich solch einer großen Verantwortung in so jungen Jahren stellen zu wollen? Was für Gedanken laufen da im Hintergrund ab? Und was kann man alles in einer Gemeinschaft schaffen?

In fast anderthalb Stunden wird sich ohne jegliche Übertriebenheit oder Pathos für die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten ausgedehnt Zeit genommen. Die Einfühlsamkeit des Erzählens und der Schauspielerinnen ermöglicht es auch mit wenigen Worten zu fesseln und erinnert damit an das ebenfalls in diesem Jahr erschienene französische Überraschungswerk Tomboy. Denn es werden Kinder- bzw. Jugendträume in ihrer Absurdität, Maßlosigkeit und Schönheit (sowie stets ein bisschen Derbheit) zelebriert, dass man mitfeiern und sich selbst wieder in das zügellose Fantasieren hineinsteigern möchte.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  11. November 2012    Worte  370
Permalink  http://www.farbensportlich.de/17-maedchen/    Farbe  #8a948f
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