12 Years a Slave

Veröffentlichung  16. Mai 2014    Regie  Steve McQueen    Darsteller  Chiwetel Ejiofor  Lupita Nyong’o  Michael Fassbender
Foto: Tobis Film
 IMDb-Wertung
Foto: Tobis Film

“Ich will nicht überleben. Ich will leben.” (Solomon Northup)

Es ist das Jahr 1841 und der Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor, 2012 – Das Ende der Welt) ist ein freier Mann. Gemeinsam mit seiner Frau (Kelsey Scott) und seinen zwei Kindern (Quvenzhané Wallis, Beasts of the Southern Wild und Cameron Zeigler) lebt er als angesehener Geigenspieler in New York. Doch durch eine Hinterlist zweier zwielichtiger Künstler (Scoot McNairy, Monsters und Taran Killam, Taffe Mädels) wird er nach Washington gelockt, wo ihm nicht nur Papiere, Kleidung und sein Name genommen werden, sondern auch seine Freiheit. Schließlich bringt man ihn in den Süden, um ihn dort als Sklave Platt weiter zu verkaufen – zunächst an den Plantagenbesitzer Ford (Benedict Cumberbatch, Sherlock), dann an den besonders rücksichtslosen Edwin Epps (Michael Fassbender, Prometheus – Dunkle Zeichen). Die Zeit vergeht und Solomons Hoffnungen schwinden mit den Jahren mehr und mehr, dass die ihm zugefügte Ungerechtigkeit aufgedeckt wird und er zu seiner Familie zurückkehren kann.

Zum Jahresbeginn schien kaum ein Vorbeikommen an Steve McQueens Sklaven-Drama 12 Years a Slave. Das Werk war nicht nur für unzählige Awards mehrfach nominiert, sondern stellte sich auch bei den einschlägigen Film-Verleihungen als strahlender Gewinner heraus. So wie bei den diesjährigen Oscars, Golden Globes oder zum Beispiel auch bei den „Kansas City Film Critics Circle Awards“. Da gewann McQueen in der Kategorie Bester Regisseur wie auch Bester Film, aber auch Chiwetel Ejiofor als Bester Schauspieler, Michael Fassbender als Nebendarsteller, John Ridley mit dem von Solomon Northup adaptierten Drehbuch und zu guter Letzt Lupita Nyong’o als Beste Nebendarstellerin. Dies ist kein Hype, sondern das schon längst fällige Erkennen des inszenatorischen, fotografischen wie erzählerischen Talents von Steve McQueen. Speziell die Nebenhandlung der Sklavin Patsey verleiht der auf der wahren Geschichte von Northup basierenden Werkes Gewicht. Voller Ruhe und gleichzeitiger Intensität werden dem Zuschauer Episoden aus dem alltäglichen Grauen eines Sklaven gezeigt. So wird die von dem Edwin Epps anscheinend bevormundend behandelte Patsey von Epps’ Frau (Sarah Paulson, Martha Marcy May Marlene) umso gewalttätiger behandelt – man bewirft und verletzt sie urplötzlich mit einem Glasgegenstand, verbietet ihr die Benutzung von Seife und als sie einmal nicht sofort auffindbar ist, soll ihr sogleich das Leben aus dem Leib gepeitscht werden. Dem Film wohnt eine unvergleichliche Brutalität inne, welche die Reichweite des Schmerzes auch für den Betrachter greifbar macht, aber nicht wie in Horror-Streifen wie Saw oder Hostel zum Gruseln und Kreischen an Halloween geeignet ist. Die von John Ridley (Red Tails) aufgearbeitete, mutige Erzählung von Solomon Northup erweist sich als viel essentieller und damit auch machtvoller.

Ich glaube, dass dieses Buch für die USA historisch genauso wichtig ist, wie das Tagebuch der Anne Frank für die europäische Geschichte. (Steve McQueen)

Lange Einstellungen auf Chiwetel Ejiofors Gesicht, in welchen sich das Warten und der Wunsch um den Ausbruch aus dem Sklavenleben deutlich abzeichnen, erinnern in ihrem Feingefühl an die früheren Werke McQueens, Hunger und Shame. Aber mit 12 Years a Slave hat sich der englische Regisseur weiterentwickelt. Mit seinem Werk erschafft er eine weitgreifende Chronik der Unterdrückung. Ein Gefühl der Bedrückung kriecht im Laufe der 134 Minuten ebenso in den Zuschauer hinein, jedoch nicht ohne auch Stück für Stück Hoffnung zu sähen – so wie Solomon Northup einfach nicht zu brechen ist, egal wie viel Entmenschlichendes ihm über die 12 Jahre widerfährt. Dieser Film ist eine visuell wie historisch bewegende Erfahrung, der man sich auf keinen Fall entziehen sollte.